Der lateinische Name des morgigen Sonntags ist Rogate - betet. Ich möchte es nicht als Aufforderung verstehen, sondern als Ermutigung. Wir werden ermutigt, mit Gott zu sprechen. Wenn Menschen miteinander reden, wächst das Verbundensein. Im Eheleben gibt es nichts Schlimmeres, als tagelanges Schweigen - aus welchen Gründen auch immer. Dieses Schweigen kann die Seele krankmachen.

Und wie ist es mit unserem Reden mit Gott? Das Problem ist: Menschen sehen sich einander, wenn sie miteinander sprechen. Aber Gott sehen wir nicht. Und wenn ich im Gebet mein Herz ausschütte - alles, was mich bewegt, und wofür ihm danke, aber auch all das, was mir schwer ist - wo bleibt da die Antwort Gottes? Er hat verschiedene Möglichkeiten, mir zu antworten. Zum Beispiel: In der Bibel ist ein Vers der spricht mich in meiner Situation ganz besonders an.

Ich nehme Gott wahr als eine Antwort auf meine vor ihm ausgesprochenen Anliegen. Oder: Ich begegne einem Menschen, unterhalte mich mit ihm. Und er sagt etwas, wo ich denke: Das ist nicht von ihm, das ist von Gott. Er hat es ins Herz meines Gesprächspartners gelegt zum Weitergeben, ohne dass es diesem bewusst ist. Oder: Es gibt Erlebnisse, bei denen ich spüre, sie sind von Gott.

Und wie gehen wir mit nicht erhörten Gebeten um? Ich denke an unsere Kinder, als sie klein waren. Nicht immer haben wir ihnen gegeben, was sie wollten. So ist es auch mit vermeintlich nicht erhörten Gebeten. Von Martin Luther ist der Satz: "Wenn Gott uns nicht gibt, was wir wollen, gibt er uns, was für uns besser ist."

Lassen Sie mich schließen mit dem Bibelwort, das uns in der vor uns liegenden Woche begleiten möchte: "Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet." In dieser Gewissheit dürfen auch Sie Ihren Weg gehen.