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Winter zum Frühlingsstart gegessen

Die Hobbymeteorologen aus dem Altkreis Senftenberg sind sich weitgehend einig: Einen scharfen Wintereinbruch brauchen die Lausitzer im März nicht mehr zu befürchten. Ursache seien stabile West- und Südwestströmungen, die warme Luft aus Frankreich, Spanien und bisweilen aus Afrika in heimische Breiten schaufelten. Daran dürfte sich in den nächsten Wochen nur wenig ändern. Torsten Richter / trt1

Senftenberg. "Ich denke, dass in den nächsten 14 Tagen wettermäßig nicht viel passieren wird. Um den 10. März könnte es etwas kühler werden. Kurz darauf steigen die Temperaturen wieder an", sagt der Großräschener Landwirt und Hobbymeteorologe Günter Kockro. Er befürchtet ein zu warmes und insbesondere zu trockenes Frühjahr. Bereits im Februar habe es viel zu wenig geregnet. Kockro hat beobachtet, dass trotz des ungewöhnlichen Wetters in der Natur noch kein extremes Wachstum eingesetzt hat. "Beim Raps sieht alles ruhig aus. Das Getreide beginne auszutreiben.

"Ich denke, dass wir keinen massiven Wintereinbruch mehr zu befürchten haben", sagt auch Wetterfrosch Ingo Nowak aus Schipkau. Spätestens Mitte März sei der Winter dann endgültig gegessen. Allerdings könnte bis weit in den April hinein die eine oder andere Schneeflocke vom Himmel fallen. Doch eine geschlossene Schneedecke über einen längeren Zeitraum als ein paar Stunden sei unwahrscheinlich. Allerdings, so vermutet der Schipkauer, werde es in der Natur einen Ausgleich für das derzeitig sehr milde und trockene Wetter geben. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Den Zeitpunkt kann heute noch kein Mensch vorhersagen", so Ingo Nowak.

Wetterbeobachter Klaus Hirsch aus Großkoschen will einen winterlichen "Nachbrenner" nicht ganz ausschließen. "Ein kleiner Märzwinter sei immer möglich." Im vergangenen Jahr war es eher ein großer. Hirsch hatte am Monatsneunzehnten 15 Zentimeter Schnee gemessen. Und am 24. März des Vorjahres war die Temperatur auf minus zehn Grad gefallen. Noch ein Phänomen beobachtet der Großkoschener in diesen Tagen: "Der Gesang der Vögel wird intensiver, aber Nester bauen sie noch nicht. Vielleicht wird es doch noch mal kalt." Der 74-Jährige glaubt, dass dieses ein relativ warmes, aber trockenes Jahr werden könnte.

Der Sedlitzer Ornithologe Heiko Michaelis hat beobachtet, dass verschiedene Zugvögel bereits in heimischen Gefilden angekommen sind. "Ich habe schon Kraniche, Feldlerchen, Stare und einen Rotmilan gesehen." Die Tiere seien im Vergleich zu anderen Jahren nur ein paar Tage zu früh dran. Ohnehin hätten sie lediglich in West- und Südwesteuropa überwintert. Mindestens genauso wichtig für die Vögel sei neben den Temperaturen auch die zunehmende Tageszeitlänge. Der eigentliche Vogelzug erstrecke sich bis in den Mai hinein. Als letzte kämen gewöhnlich die Insektenfresser. Indes habe die hiergebliebene Vogelwelt, etwa Spatzen, Meisen und Amseln, den milden Winter gut überstanden. "Es gab fast immer ausreichend Nahrung", berichtet Heiko Michaelis weiter.