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Winter hinterlässt Buckelpisten

Auf der Landesstraße 55 in Ruhland bei den Bahnübergängen hat der Winter besonders mächtige Löcher entstehen lassen.
Auf der Landesstraße 55 in Ruhland bei den Bahnübergängen hat der Winter besonders mächtige Löcher entstehen lassen. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Frost und Feuchtigkeit haben wieder Hunderte Löcher in die Straßen des Landkreises Oberspreewald-Lausitz gefressen. Die Schadensbilanz wird von Jahr zu Jahr immer größer. Jan Augustin

Sören Miertzsch, Leiter der Straßenmeisterei in Schwarzheide, zieht kurze Zeit nachdem sich Eis und Frost aus der Lausitz verabschiedet haben eine besorgniserregende Bilanz: "Die Schäden werden immer mehr, weil die Straßen zunehmend älter werden." Der strenge und feuchte Winter mit seinen häufigen Frost-Tau-Wechseln hat wieder Hunderte Schlaglöcher in die Straßen des Oberspreewald-Lausitz-Kreises gerissen. Besonders schlimm habe es zum Beispiel die Landesstraße 55 in Ruhland bei den Bahnübergängen erwischt. Ein Schwerpunkt sei in diesem Jahr aber auch die Bundesstraße 169 zwischen Ruhland und Lauchhammer. Weiter nördlich ist die L 522 von Neupetershain-Nord nach Haidemühl betroffen. Unangefochtener "Buckelpisten-Sieger" ist aber die L 55 zwischen Bronkow und Settinchen. Autofahrer müssen sich auf fast vier Kilometern im Schneckentempo um die Ausbrüche schlängeln, um nicht durch die tiefen Schlaglöcher zu donnern.

Frühestens zu Ostern kündigt Sören Miertzsch Ausbesserungsarbeiten mit Heißasphalt an. Weil die Asphaltwerke in Koschenberg und Freienhufen in den planmäßigen Revisionsferien sind und ihre Maschinen reparieren, sei ein früherer Zeitpunkt nicht möglich.

Auch auf den 221 Kilometern der 34 Kreisstraßen in OSL gibt es im Gegensatz zum Vorjahr nun vermehrt kleinere Schlaglöcher und Risse. Das betätigt Kreissprecherin Marlen Weser. Schwerpunkte befänden sich auf den Strecken Schwarzbach-Guteborn-Hermsdorf, zwischen Ortrand und Frauendorf, zwischen Lauchhammer und Grünewald sowie auf der Kreisstraße von Kittlitz nach Lübbenau. Bis Ende April, erklärt Marlen Weser, seien die Schäden behoben.

Einen Schadens-Anstieg um etwa 50 Prozent im Vergleich zu 2016 verzeichnet die Stadt Lauchhammer auf ihren Straßen. "Schadstellen, die durch den städtischen Bauhof repariert werden können, sind bereits ausgebessert", teilt Pressesprecherin Rotraud Köhler mit. Bei größeren Schäden sei eine Gefahrenabwehr erfolgt, die Reparatur werde im Laufe des Jahres durchgeführt. Vermehrt seien auch Schäden an Straßenabläufen aufgetreten, die derzeit repariert werden.

Viele Schäden werden derzeit auch in Senftenberg sichtbar. "Bei den unbefestigten Straßen zeigen sich aufgeweichte Fahrbahnen, Wasseransammlungen, viele Senken und Unebenheiten", bestätigt Stadtsprecher Andreas Groebe. Bei den Straßen mit einfacher Asphaltdecke seien vermehrt Asphaltaufbrüche und sogar Frost hebungen aufgetreten. "Auch wenn der Winter mit seinen ganz typischen Schadensbildern zur Gesamtsituation beiträgt, sind die Hauptursachen in der Ausbauqualität der Straße zu suchen", erläutert Groebe. Bei bereits ausgebauten Straßen, die 20 Jahre und älter sind, verzeichnet die Stadt größere Schäden. "Im Gegensatz hierzu haben neu ausgebaute Straßen fast schadenfrei den Winter überstanden", so Groebe. Aktuell werden alle Straßenschäden erfasst und zeitnah beseitigt, kündigt Andreas Groebe an.

Straßenmeisterei-Chef Sören Miertzsch appelliert an die Autofahrer, sich an die reduzierten Geschwindigkeiten zu halten. Kein Verständnis kann er für Leute aufbringen, die mit Tempo 100 über die kaputten Abschnitte jagen und sich dann bei ihm beschweren, dass sie sich ihre Felgen kaputt gefahren haben. "Bitte umsichtig fahren", sagt er eindringlich.

Zum Thema:
Frostaufbrüche treten auf, wenn Wasser durch die Oberfläche des Straßenbelages eindringt und beim Frieren die Eissprengung diese Risse vergrößert. Auch seitlich oder von unten her kann Wasser eintreten, das jedoch bei einer intakten Straße durch die frostschützende Schotterung im Oberbau vermieden wird. Durch häufigen Wechsel von Frost- und Tauperioden können bis zu knöcheltiefe Schlaglöcher entstehen.