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Waldpflege
Windwurf nach Herbststürmen fordert Lausitzer Waldbesitzer

Im Kirchenwald bei Hohenbocka wird Sturmholz beseitigt und die Gunst der schweren Stunde von den Kleinstwaldbesitzern genutzt, um die Kiefernbestände durchforsten zu lassen. Revierförster Oliver Grohmann (r.) und Maschinenführer Silvio Mross sind im Einsatz.
Im Kirchenwald bei Hohenbocka wird Sturmholz beseitigt und die Gunst der schweren Stunde von den Kleinstwaldbesitzern genutzt, um die Kiefernbestände durchforsten zu lassen. Revierförster Oliver Grohmann (r.) und Maschinenführer Silvio Mross sind im Einsatz. FOTO: Steffen Rasche
Hohenbocka. Eine Hochleistungs-Holzerntemaschine ist im Kirchenwald Hohenbocka im Einsatz. Der Revierförster berät Privatleute. Von Kathleen Weser

Bei Hohenbocka arbeitet sich derzeit eine Harvester, eine moderne Holzerntemaschine, in den Wald vor. Denn der jüngste Sturm ist auch kraftvoll in die Kiefern des Kirchenwaldes gefahren und hat Windwurf verursacht. Maschinenführer Silvio Mross sorgt am Steuer dafür, dass das Hochleistungswerkzeug auch zielsicher nach den erntereifen Stämmen mit einem Durchmesser von mehr als einem Bierdeckel trennt sie mit einem schnellen Schnitt kurz oberhalb der Wurzel und zieht sie zum Sammelplatz. Walzenartige Räder sorgten dafür, dass vom Reisig und von den dürren Ästen nichts mehr am Stamm verbleibt. Bäume mit einer Dicke von bis zu 35 Zentimetern kann das Gerät verarbeiten. Dabei ist die Maschine so wendig, dass sie fast überall Platz zum Arbeiten hat und dabei den Waldboden kaum schädigt. Holz wird wieder stärker nachgefragt. Die Ernte aus den Lausitzer Wäldern wird vor allem zu Profilzerspanerhölzern in Kurzlängen verarbeitet sowie für die Zellstoff- und Plattenindustrie geliefert.

Revierförster Oliver Grohmann hat die grüne Lunge im Raum Guteborn, Schwarzbach und Hohenbocka stets genau im Blick. Seit 20 Jahren berät der Experte vor allem Kleinstwaldbesitzer. Und seine hoheitliche Aufgabe auch hier zusammengebracht. Denn die Hochleistungsmaschine arbeitet erst wirtschaftlich, wenn sie an einem Einsatzort mindestens 500 Festmeter Holz unter die Werkzeuge bekommt. Vorher lässt sich der Dienstleister nicht ordern. Der Revierförster leitet Privatwaldbesitzer an und überwacht auch die Holzungsarbeiten - von der Auswahl der Bäume bis zum Aufmaß. Drei Harvester sind derzeit im Revier im Einsatz. „Der Sturm hat in der Region viele Einzelstämme zu Fall gebracht und hier damit den Anlass gegeben, diesen Kiefernbestand gleich Durchforsten zu lassen“, erklärt er. Erntezeit ist jetzt. Denn die Kiefer wird im Frühjahr, wenn die Säfte aufsteigen, blau. Das hat Abstriche in  der Qualität zur Folge.

Etwa 60 Jahre ist der Brotbaum der Lausitz hier bei Hohenbocka prächtig gewachsen. Ab dem Alter von 30 Jahren sollte der Wald regelmäßig gezielt gelichtet werden. Krumm gewachsene Bäume werden entfernt. Auch Exemplare, die dem Eigenaufwuchs am Boden mit den dichten Kronen das Licht nehmen, sollen unter die Säge kommen. Schnurgerade sind die Kiefern im Kirchenwald in die Höhe gewachsen - und stark geworden. Das gibt sogar sehr gutes Sägeholz und einen kerngesunden Wald, in dem in Regie von Mutter Natur auch die Buche wieder prächtig gedeiht. Auf diesen Laubbaum in den legendär herrlichen Wäldern der Gegend auf dem hügeligen verfestigten Sandboden geht übrigens vermutlich der Ortsname Hohenbocka (Buk - die Buche)  zurück.

Hinter dem Glassand-Tagebau hat der Revierförster einen prächtigen Laubbaum ausgemacht, den Sturm Herwart umgeworfen hatte. Das Unternehmen, das Eigentümer ist, hat den Baum in Privathand abgegeben. Oliver Grohmann hat mit dem Blick des Fachmannes sofort gesehen, dass hier Experten ran müssen, ehe der glückliche Erwerber selbst zur Tat schreiten kann fürs avisierte Kaminholz. „Windbruch kann sehr gefährlich sein“, bestätigt der erfahrene Revierförster. Windbruch steht oft unter Spannung. Da kann die Säge sehr schnell falsch angesetzt werden. Deshalb hat Oliver Grohmann dafür gesorgt, dass der Harvesterfahrer den Baum zum Feierabend noch akkurat soweit zerlegt, dass der Erwerber sein Holz sicher selbst weiter aufarbeiten kann.

Nach Sturm Kyrill, der orkanartig auch über die Lausitz gefegt war, waren die meisten tödlichen Unfälle im durchgewirbelten Brandenburger Wald verzeichnet worden. Die Kleinstwaldbesitzer werden in der Region übrigens immer älter, bestätigt der Revierförster. Körperlich ist der Holzeinschlag anspruchsvoll und von immer mehr der betagten Bürgern allein nicht mehr wirklich gut zu bewältigen. Aber der Experte steht ja bereit.

Windwurf und gut gewachsenes Holz werden bei Hohenbocka aufgearbeitet. Der Revierförster berät die Waldbesitzer und kontrolliert die Arbeiten.
Windwurf und gut gewachsenes Holz werden bei Hohenbocka aufgearbeitet. Der Revierförster berät die Waldbesitzer und kontrolliert die Arbeiten. FOTO: Steffen Rasche