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| 08:01 Uhr

Großer Schaden
Wildschweine wühlen Sedlitz um

 Platzwart Maik Emmerich muss sich bereits den zweiten Tag in Folge um die Wildschweinschäden kümmern.
Platzwart Maik Emmerich muss sich bereits den zweiten Tag in Folge um die Wildschweinschäden kümmern. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Sedlitz. Die Tiere haben den Sportplatz, den Friedhof und die Mühlenstraße verwüstet. Von Torsten Richter-Zippack

Groß war der Schock, als Maik Emmerich am Dienstagmorgen auf dem Sedlitzer Blau-Weiß-Sportplatz seinen Dienst antreten wollte. Wildschweine hatten den Rasen auf der Suche nach Fressbarem durchwühlt. Nur 24 Stunden später gab es ein noch dramatischeres Bild: „Die Tiere waren erneut vor Ort und haben auf dem Platz erheblich größere Schäden angerichtet“, bringt der neue Platzwart das Desaster auf den Punkt.

Kein Spielbetrieb möglich

Tatsächlich befinden sich auf dem Spielfeld rund zwei Dutzend Stellen, an denen die Schweine unter dem Rasen nach Würmern und weiterer Nahrung gesucht haben. „Nach dem ersten Vorfall hatte ich die betroffenen Flecke wieder in Ordnung gebracht. Doch eigentlich müssten die heraus gewühlten Grasbatzen herausgenommen, anschließend Mutterboden aufgefüllt, neuer Rasen angesät, dieser angewalzt und schließlich bewässert werden“, erklärt Maik Emmerich.

„Unter den jetzigen Umständen ist kein Spielbetrieb möglich“, urteilt der Sedlitzer Ortsvorsteher Steffen Philipp. Nach Angaben von Blau-Weiß-Chef Erhard Sponner verfügt sein Verein zwar über einen zweiten Rasenplatz, der aber für Punktspiele nicht geeignet sei. „Wir müssen jetzt überlegen, wo wir die nächsten Partien austragen“, sagt Sponner. Eine Möglichkeit wäre, dass die Blau-Weißen auf den Plätzen der jeweiligen Gegner antreten. Die Männermannschaft ist derzeit in der 2. Kreisklasse auf Punktejagd. Darüber hinaus trainiert bei Blau-Weiß noch ein Altherren-Team. Bereits im Jahr 2018 konnten Spiele nicht auf dem heimischen Sportplatz stattfinden. Auch damals hatten die Schwarzkittel für Absagen gesorgt.

Wildzaun schützt nicht das ganze Spielfeld

Am Sportplatz existiert zwar ein Wildzaun, doch umfasst dieser längst nicht das komplette Spielfeld. „Wir hatten Fördermittel beantragt. Doch im Rahmen des Senftenberger Bürgerhaushaltes ist unser Ansinnen durchgefallen. Wir müssen weiter nach Geld suchen“, gibt Erhard Sponner den Stand wieder.

Ortsvorsteher Philipp kündigt indes schnelle Hilfe an. Bereits an diesem Sonnabend, 14. September, solle auf dem Sportplatz ein Arbeitseinsatz stattfinden. „Wir besorgen den Wildzaun und bauen ihn auf. Die Sportler helfen dabei mit“, so Philipp.

Unter dem Schweine-Problem leidet auch die Wirtin der Sportler-Gaststätte, Ramona Depta: „Wenn keine Heimspiele stattfinden können, dürften weniger Kunden kommen“, stellt sie klar. Depta hat das Lokal erst im Mai übernommen. Darüber hinaus hat sie mit einem weiteren Problem zu kämpfen. „Durch den gesperrten Radweg am Sedlitzer See bleibt ebenfalls Kundschaft fern.“ Eine Strategie habe sie bislang noch nicht.

Wildschweine wühlen auch in Vorgärten

Indes sind die Wildschweine nicht das erste Mal in Sedlitz auf Achse. „Durch den Mühlgraben sind sie auf die dortigen Grundstücke gegangen und haben in den Gärten Schäden angerichtet“, sagt Steffen Philipp. Mein Anwesen hat es auch getroffen.“ Darüber hinaus hätten die Schwarzkittel auf dem Friedhof Grabanlagen in Mitleidenschaft gezogen und Rasen umgewühlt.

Eine Jagd auf die Wildschweine ist innerorts jedenfalls nicht möglich, stellt Elke Faber vom Kreisjagdverband Senftenberg klar. „Das sind befriedete Bezirke, in denen die Jagd ruht. Lediglich mit einer Ausnahmegenehmigung könnte man da etwas machen.“ Die Expertin sagt, dass durch den Landregen vom Wochenbeginn die Regenwürmer nach langer Zeit wieder an die Erdoberfläche gekommen seien. Dies hätten sich die Schweine zunutze gemacht. „Aufgrund der langen Trockenheit haben sie auf den Feldern nicht viel gefunden. Deshalb schmeckt es dann auf einer grünen, gut durchfeuchteten Wiese besonders gut“, erklärt Elke Faber. Ohnehin sei es für die Jäger sehr schwierig, der Tiere habhaft zu werden. „Die Wildschweine sind nicht dumm. Es gibt bei der Jagd öfter ein Katz-und-Maus-Spiel: Wer trickst wen aus.“ Und manchmal hätten nach eben die Jäger das Nachsehen.

Blau-Weiß-Fußballer Uwe Stephan, der auch Jäger ist, sagt, dass die Sedlitzer Schweine aus den nahen Tagebau-Bereichen kommen. Dort laufen derzeit Sanierungsarbeiten. Möglicherweise sind die Tiere dadurch beunruhigt und zögen so in die Randbereiche des rund 1000 Einwohner zählenden Senftenberger Stadtteils.

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