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| 18:33 Uhr

Wildschweine fallen in Ortschaften ein
Wildsäue pflügen Niemtsch um

Gärten, Spielplätze, Straßenränder - in Niemtsch und Schipkau ist so gut wie nichts sicher vor den Wildschweinen, die des Nachts Dutzendfach einfallen auf der Suche nach Futter für ihren Winterspeck. Die angerichteten Schäden sind inzwischen groß und nicht zu übersehen.
Gärten, Spielplätze, Straßenränder - in Niemtsch und Schipkau ist so gut wie nichts sicher vor den Wildschweinen, die des Nachts Dutzendfach einfallen auf der Suche nach Futter für ihren Winterspeck. Die angerichteten Schäden sind inzwischen groß und nicht zu übersehen. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Niemtsch/Schipkau. Nach dem Dürre-Sommer und nach wie vor trockenen Wäldern drängen Wildschweine auf der Suche nach eiweißreicher Nahrung stärker denn je in die Orte. Die Bauhöfe sind mit den sichtbaren Folgen auf umgewühlten Grünanlagen überfordert. Von Andrea Budich

Sie kommen in der Nacht und auch gern gleich im Dutzend. Die Rüssel-Invasion hält Niemtsch, Schipkau und Großkoschen gleichermaßen in Atem. Inzwischen haben die Schweine für größere Schäden gesorgt. Auf der Suche nach Nahrung pflügen sie Straßenränder, Grünflächen, Gärten, Sportplätze und Spielplätze systematisch um. Wo die Rotten  wütend durchziehen, bleibt kein Stein auf dem anderen. „Wir können aber nicht alle öffentlichen Flächen abzäunen“, zeigt sich Schipkaus Bauamtschef  Martin Konzag hilflos gegenüber der diesjährig besonders heftigen Schweine-Invasion im Herbst.

Im Senftenberger Ortsteil Niemtsch macht sich inzwischen Unruhe breit. Die Schweine haben jedwede Scheu verloren und im jüngsten Fall auf einen Schlag gleich drei Gärten bis auf den letzten Grashalm in der Dorfstraße komplett umgepflügt. Was die Nachbarn um Günter Schurrmann (81) unruhig macht, ist der rätselhafte Zugang, den die Schweine offenbar zu ihren Grundstücken erschnüffelt haben. Denn nachdem es vor fünf, sechs Jahren schon einmal Schweine-Attacken im Dorf gab, hat die komplette Nachbarschaft aufgerüstet. Der Zaun ist doppelt. Vor den Metallzaun wurde zusätzlich ein Maschendrahtzaun gesetzt. Anderhalb Meter hoch und 30 Zentimeter in den Boden eingegraben. „Noch mehr können wir uns nicht verbarrikadieren“, bestätigt auch Nachbar Gert Eggert. Der Nachtschlaf der Dorfstraßen-Bewohner fällt derzeit daher recht unruhig aus. Denn die Schweine-Invasion kann jede Nacht erneut anrücken.

Harald Konczak, Leiter des 4500 Hektar großen Forstreviers Senftenberg, kennt das Problem. Jedes Jahr im Herbst futtern sich die Tiere für den bevorstehenden Winter eine Fettschicht an. Dafür verlassen die Wildschweine oft ihre gewohnten Gefilde im Wald und nähern sich Ortschaften und Gartenanlagen. „Auf der Suche nach Eiweiß durchkämmen die Wildschweine jede Grünfläche. Dabei ist es ihnen egal, ob es eine Böschung, ein Garten oder ein Spielplatz ist“, sagt Konczak. Die Tiere fressen so gut wie alles. Ganz oben auf ihrem Speiseplan stehen Würmer, Insekten und Maden.

Der Dürre-Sommer hat das Problem in diesem Jahr verschärft. Das bisschen Regen im Oktober hat den Waldboden noch gar nicht richtig erreicht. Die Schadinsekten liegen deshalb zum Teil noch auf den Bäumen. Da haben die Schweine wenig zu fressen. Sie plündern vielmehr die feuchten Straßenränder und Gärten. „Wo wir die Schweine gern hätten - im Wald - sind sie nicht. Sie schauen, wo sie ihr Futter leichter finden können“, erklärt Konczak das Phänomen.

Dass der Wolf die Schweine von der Insel im See zur Ortslage Niemtsch treibt, hält der Fachmann für eine Legende. Auf der Insel ist bisher noch keine Wolfsspur gefunden worden. Und im Wald bei Niemtsch hat er in seinem gesamten Berufsleben erst ein einziges Mal einen Wolf gesichtet.

Bei der Rotten-Größe hat Isegrim aber wahrscheinlich tatsächlich seine Hand im Spiel. „Es ist eine Vermutung“, sagt Kon­czak. Statt der üblichen sechs  Wildsäue ziehen jetzt 20 durchs  Dorf. Die Schwarzkittel wollen sich damit vor dem Wolf schützen.

Die größer gewordenen Rotten halten seit Wochen auch Schipkau in Schach. Die Gemeinde hatte bereits die kommunal finanzierte Abschussprämie für Wildschweine auf zehn Euro verdoppelt. Bis zum Jahresende sind allein für das Schipkauer Umfeld vier Treibjagden angesetzt.

In Schipkau investiert der Bauhof aktuell viel Zeit, um die Schäden zu beseitigen. „Aber immer mit dem Risiko, dass es am nächsten Tag wieder ähnlich verwildert aussieht“, stellt Martin Konzag nüchtern fest.