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| 17:08 Uhr

Wildtierattacke auf dem Friedhof
Schweine verwüsten 120 Gräber

 Auch das Grab der Familie Miertzsch ist auf dem Friedhof in Lauchhammer-Mitte von Wildschweinen verwüstet worden.
Auch das Grab der Familie Miertzsch ist auf dem Friedhof in Lauchhammer-Mitte von Wildschweinen verwüstet worden. FOTO: Wolfgang Miertzsch
Lauchhammer. Auf dem Zentralfriedhof in Lauchhammer-Mitte haben Wildschweine etwa 120 Gräber ruiniert. Der Unmut der Bürger ist groß. Die Stadt will gegen die Plage ankämpfen. Von Jan Augustin

Wolfgang Miertzsch will nicht glauben, was er da sieht, als er am Mittwochmorgen vor dem Familiengrab auf dem Friedhof in Lauchhammer-Mitte steht. Statt des gepflegten Beetes empfängt ihn ein Bild der Zerstörung. Der Boden ist umgepflügt, als wenn ein Traktor über das Grab gefahren wäre. Steine und Pflanzen liegen kreuz und quer herum. Die dunkle Erde auf der etwa sechs Quadratmeter großen letzten Ruhestätte ist aufgewühlt.

Wildtierattaken dieses Ausmaßes gebe es seit Tagen auf dem Zentralfriedhof. In der Nacht ist nun auch das Familiengrab der Miertzschs zum Angriffsziel geworden.

„Wie geht es auf dem Friedhof weiter? Ist denn keiner zuständig für den Schutz des Geländes?“, fragt Wolfgang Miertzsch. „Der Unmut der Bürger ist schon groß“, betont er. Seiner Ansicht nach sei die Stadt in der Pflicht, die Einfriedung zu sichern. „Nach mehreren Vorfällen wäre eine nächtliche Beobachtung durch einen Jäger vielleicht sinnvoll“, so der Geschädigte.

Lauchhammer will Maßnahmen gegen Wildschweine ergreifen

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt Lauchhammers Stadtsprecher Heiko Jahn die geschilderte Verwüstung. „Insgesamt waren bislang circa 120 Gräber betroffen“, so Jahn. Zum ersten Mal sei es in der Nacht vom 24. zum 25. August zu Beschädigungen an einigen Gräbern gekommen.

Erste Analysen durch die Stadt hätten zu der Annahme geführt, dass es sich bei den durchwühlten Grabstätten um das Werk von Füchsen oder Wildschweinen handelt. „Nach wiederholten Beschädigungen und Auswertung von Spuren war klar, dass Wildschweine die Verursacher waren“, erläutert Jahn.

Die Untere Jagdbehörde habe nun das Gelände inspiziert, um mit der Stadt Lauchhammer „geeignete Maßnahmen“ zu ergreifen. Die Behördenvertreter seien zu der Erkenntnis gelangt, dass sich die Tiere im Unterholz im nördlichen Bereich des Friedhofes einquartiert hatten. Wie sie dorthin kamen, sei unklar.

Jäger versuchen Wildschweine von Friedhof zu vertreiben

Am Mittwochabend haben Jäger Frank Dietz, seine Kollegen sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung versucht, die Wildschweine vom Friedhofsgelände zu vertreiben. Dazu wurden mit Bauzäunen Schneisen gebildet und mit Hilfe eines speziell ausgebildeten Jagdhundes die Wildschweine durch ein geöffnetes Eisentor in den angrenzenden Wald getrieben, erläutert Stadtsprecher Heiko Jahn.

Derzeit berate die Stadt Lauchhammer, was noch getan werden muss, um das Friedhofsgelände vor weiteren Wildschweinübergriffen zu schützen. „Eine Komplettsicherung wird sofort durchgeführt, weitere Maßnahmen werden zeitnah folgen“, versichert der Stadtsprecher. Die Stadt kämpfe gegen die Plage an und bedauere ausdrücklich die entstandenen Schäden. In den vergangenen 20 Jahren sei so etwa nicht vorgekommen.

Wolfgang Miertzsch hat das Familiengrab mittlerweile gesichert und den Boden mit dem Unkrautflies wiederhergestellt. Bevor er aber neue Pflanzen in die Erde setzt, will er die Entwicklung abwarten.