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Närrische Saison
„Wilde Ilse“ geht auf große Fahrt

Beim Probewinken von Bord der „Wilden Ilse“: Dekorchef Oliver Roick, Prinzenpaar Manuel I. und Prinzessin Jenny I. sowie Stephan Hannuschke (v.l.)
Beim Probewinken von Bord der „Wilden Ilse“: Dekorchef Oliver Roick, Prinzenpaar Manuel I. und Prinzessin Jenny I. sowie Stephan Hannuschke (v.l.) FOTO: Peter Aswendt
Großräschen. Großräschener Narren legen mit ihrem Zweimaster zum Zug der fröhlichen Leute in Cottbus ab. Von Peter Aswendt

Auf seine maritimen Attribute lässt Großräschen nichts kommen. Hier gab es schon ein Seehotel, lange bevor der See da war. Und seit dem Jahr 2008 gibt es auch einen Zweimaster, der im Hafen des Großräschener Carneval Clubs (GCC) vor Anker liegt. Am Sonntag ging das närrische Schiff nun wieder auf große Fahrt in Richtung „Ozean der Karnevalisten“ – zum Zug der fröhlichen Leute in Cottbus.

Ziemlich müde und noch etwas wortkarg fand sich die Mannschaft des Karnevalsschiffs „Wilde Ilse“ am Sonntagmorgen am Kurmärker ein. „Wir hatten gestern unsere Prunksitzung. Die Letzten sind gegen halb Vier nach Hause“, sagt Vizepräsident Martino Jedrzejczak entschuldigend. Das Prinzenpaar Manuel I. und Jenny I. gehört jedoch pflichtbewusst zu den Pünktlichen. Beide sind genau genommen importierter Karnevalsadel, denn sie stammen beide aus Senftenberg. „Ich habe hier schon im Männerballett getanzt“, gibt Prinz Manuel stolz zu Protokoll. Als ihm der Prinzen-Titel angetragen wurde, habe er seine Jenny mit viel Charme überzeugt, sagt er verschmitzt lächelnd.

Nach und nach finden sich zum Ablegen auch die Funkenmariechen, die Spaßvögel und die Prinzengarde ein. Insgesamt fast 50 Großräschener Jecken sind beim großen Umzug in Cottbus dabei. Hauptattraktion ist natürlich das Narrenschiff, die „Wilde Ilse“, aber auch ein kleiner Trabant Marke Eigenbau sorgt im Umzug sicher für viel Oho! Gebaut wurde er - passend zum 90er-Jahre-Thema dieser Session - von Konstrukteur Oliver Roick. Das Gefährt wird mit einem Scooter angetrieben und mit einem Anhänger voller Kamelle bestückt. Sage und schreibe 20 Kisten mit „karnevalistischen Süßwaren“ befinden sich im Rumpf der „Wilden Ilse“. „Wir haben ganz schön Tiefgang mit unserem Schiff“, lacht Jörg Venedey mit Blick auf die Ladung.

Ein Novum in diesem Jahr ist, dass die Großräschener Karnevalisten nicht nur Bonbon und Süßes im Gepäck haben, sondern auch kleine gehäkelte Wolltierchen an die Zuschauer in Cottbus verteilen werden. Die Idee stammt von der Großräschenerin Eleonore Löde. Die Rentnerin häkelt beim Fernsehen in sagenhafter Geschwindigkeit kleine Tierfiguren. Von November bis zum vergangenen Sonntag kamen auf diese Weise sagenhafte 300 Häkeltierchen zusammen. „Sie arbeitet jetzt schon für unsere neue Karnevalssaison“, zeigt sich Martino Jedrzejczak begeistert.

Bevor die „Wilde Ilse“ in Cottbus auf große Fahrt gehen kann, wird das Gefährt zuvor von der Dekra technisch abgenommen. Dass da schon mal die eine oder andere Änderung vorgenommen werden muss, wissen die Großräschener Karnevalisten nur zu genau: „Wir mussten schon dreimal unseren Mast kürzen“, stöhnt Martino Jedrzejczak bei der Erinnerung an die Hektik. Die maximale Höhe von vier Metern darf auf keinen Fall überschritten werden.

Aber diesmal, so sind sich alle sicher, soll so etwas nicht passieren. Während die „Wilde Ilse“ von einem Traktor gezogen in große See sticht, steigt das närrische Volk für die Überfahrt nach Cottbus in den Reisebus. Als 58. Bild im Festumzug haben die Großräschener alle Blicke auf sich gezogen und landeten erst am Abend wieder im Heimathafen an.