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Wildbrücke nur mäßig genutzt

Stattliches Wild nutzt die Barziger Wildbrücke seltener.
Stattliches Wild nutzt die Barziger Wildbrücke seltener. FOTO: Möckel
Senftenberg/Barzig. Der ökologische Korridor ist an den Verkehrsadern in Oberspreewald-Lausitz unzureichend. Für den Schutz der heimischen Tiere ist noch viel zu tun. Jan Augustinund Kathleen Weser

Nach wie vor ist jeder dritte Unfall im Kreisgebiet Oberspreewald-Lausitz auf eine Kollision mit Wild zurückzuführen. Das belegt die Polizei-Statistik. Denn große Verkehrsadern wie die Autobahn 13 und viel befahrene Bundesstraßen durchschneiden die historischen Wechsel der Einstandsgebiete. Auch die riesigen Tagebaurestlöcher haben klassische Wege der Wildtiere versperrt und zivile Problemzonen erzeugt.

Korridore für Reh und Hase werden deshalb geschaffen. Die einzige Wildbrücke über die Autobahn bei Barzig gehört dazu. Das Kamera-Auge ist auf den Grünpfad gerichtet, den die Wildtiere nutzen sollen. Doch die scheinen sich an den Plan der Naturfreunde, die den gesunden biologischen Gen-Austausch mit dem gefahrlosen Umgehen von Todesfallen fördern wollen, immer weniger zu halten. Die jüngsten Kontrollen im ökologischen Korridor Südbrandenburg an der A 13 weisen magere zwei Querungen von Wildtieren über die Barziger Brücke pro Tag aus.

Die 1998 umgestaltete Barziger Wirtschaftsbrücke ist die bisher einzige und gut funktionierende Grünbrücke im Landkreis. Das stellt Jürgen Jentsch, der Artenschutzbeauftragte der Naturschutzbehörde Oberspreewald-Lausitz, fest. In den 90er-Jahren waren die Autobahnen 13 und 15 weitgehend eingezäunt worden, um schwere Unfälle mit Wild zu verhindern. Damit standen dem heimischen Wild nur noch ganz beengte Querungsmöglichkeiten über Bahnbrücken und durch Gewässer an diesen Verkehrswegen zur Verfügung. Eine Querungshilfe für Tiere wurde zwingend erforderlich. Über mehrere Jahre hatte der Biologe Dr. Reinhard Möckel mit Fotofallen den Bedarf nachgewiesen. "Da die Brücke vor allen von im Gebiet vorkommenden Wildarten angenommen wird, ist das Rehwild zahlenmäßig am stärksten vertreten", erklärt Jürgen Jentsch. Die Zäune an der Autobahn, der Bau neuer Verkehrswege und die großflächig eingefriedeten Solarfelder aber machen weitere Wildbrücken notwendig. Denn der Wildbestand nimmt zu und der Gen-Austausch in den Wildpopulationen wird zunehmend behindert, erklärt der Fachmann. Deshalb strebt die Naturschutzbehörde auch an, die alte Kohlebahnbrücke bei Hörlitz für Wild offen zu halten.

Zum Thema:
Im Land Brandenburg sind im Jahr 2009 drei Wildbrücken über Autobahnen fertig gestellt worden. Über zehn Jahre muss überprüft werden, ob und wie die Bauwerke genutzt werden. Die aktuellste Erfolgskontrolle des Landeskompetenzzentrums Forst in Eberswalde weist für die Grünbrücken an den Autobahnen 9 und 12 stetig steigende Querungen durch heimisches Wild, vor allem von Dam- und Rotwild, nach. An der A 13 bei Barzig indes ist die Zahl der wechselnden Tiere rückläufig. Ein Grund: Hier sind hauptsächlich Einzelgänger wie Feldhase und Reh unterwegs.