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Wiege der Industrialisierung steht im einst armen Elstertal

Die Große Herkulanerin, die im Schlosspark zu bestaunen ist, ist ein Abguss des Lauchhammer Originals im Kunstgussmuseum. Die Ur-Plastik musste vor Witterungseinflüssen schützt werden.
Die Große Herkulanerin, die im Schlosspark zu bestaunen ist, ist ein Abguss des Lauchhammer Originals im Kunstgussmuseum. Die Ur-Plastik musste vor Witterungseinflüssen schützt werden. FOTO: Steffen Rasche/str1
Lauchhammer. Mit dem Rad durch die Lausitz: Die Broschüre "Lausitzer Lieblingstouren" zeigt die schönsten Leser-Touren – heute auf den Spuren des Kunstgusses. Kathleen Weser

Die Wiege der Industrialisierung der Lausitz steht in Mückenberg, dem heutigen Lauchhammer-West. Im Schlosspark, dessen Herrenhaus nach dem Krieg leider abgerissen worden ist, sind die Spuren der Freifrau von Löwendal - der Begründerin des einstigen Eisenwerkes - zu erleben. Eine anmutige Schönheit begrüßt die Gäste mitten im Grünen. Doch die hier stehende bronzene Frau von Herkulanum wurde nur lange Zeit für die Freifrau von Löwendal gehalten. Der Irrtum klärte sich erst in den 80er-Jahren auf.

Die wunderschöne Plastik, die Große Herkulanerin, gilt als der älteste, im Original erhaltene vollplastische Großfigurenhohlguss aus der Kunstgießerei Lauchhammer. Gegründet worden war das Eisenwerk von der aus dem dänischen Adel stammenden Oberhofmarschallin Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal (1683 - 1776). Mit der Verhüttung des in der Gegend vorkommenden Raseneisensteins, der auch heute noch als Ocker an zahlreichen Fließen erkennbar ist, legte sie den Grundstein für das erste Wirtschaftswunder in der sehr armen Region im Tal der Schwarzen Elster. Auf den 25. August 1725 ist der erste Eisenabstich im Löwendalschen Hammer belegt.

Die Gründerin schaut, durch das filigrane Handwerk als Bronzebüste verewigt, im Eingangsbereich des 1993 eröffneten Kunstgussmuseums bis heute weise auf ihr Lebenswerk. Und die Besucher entdecken, dass Former, Gießer und Ziseleure aus Lauchhammer in aller Welt bemerkenswerte Schöpfungen hinterlassen haben - rund um den Erdball über Deutschland hinaus von Krakau, Genf und Rom über San Francisco bis Buenos Aires. Auch das größte Monument des Architektur-Gusses am Preußischen Palast auf der zu Kairo gehörenden Nil-Insel Gezireh stammte aus Lauchhammer. 400 Tonnen Gusseisen kamen bis 1867 an den Golf von Ägypten. Der heute nicht mehr existierende Palast war zur Inbetriebnahme des Suezkanals errichtet worden.

Dafür hatte vor allem der kunstsinnige Patensohn und Erbe der Löwendal, Detlev Graf von Einsiedel (1773 bis 1861), gesorgt. Denn er brachte den Eisenkunstguss mit dem Herstellen von Kopien antiker Plastiken zur Blüte. Als Minister am sächsischen Hof saß er praktisch an der Quelle. Denn auch die Herkulanerin ist das Abbild einer römisch-frühkaiserlichen Marmorkopie aus dem Dresdner Albertinum. Das Original war unter der 15 Meter starken Eruptionsmasse des Vesuv geborgen worden, dessen Vulkanausbruch 79 nach Christi die neapolitanische Stadt Herculaneum unter sich begraben hatte. 1736 gelangte die Marmor-Herkulanerin in den Besitz des sächsischen Kurfürsten August. Und 1788 und 1790 wurden in der Einsiedelschen Traditionsmanufaktur zwei Skulpturen der "Herculanischen Matrona" in Eisen gegossen. Eine davon, welche ist unbekannt, blieb in Lauchhammer.

Diese Plastik ist im Kunstgussmuseum zu bewundern, das natürlich auch auf der wunderschönen Route dieser Radtour liegt.

Zum Thema:
Die Lausitz ist einzigartig. Ausgedehnte Wälder, Seen und Teichlandschaften sowie legendäre Geschichte(n) sind gut über das hervorragend ausgebaute Radwegenetz zu erkunden. Die Broschüre "Lausitzer Lieblingstouren" ist ein praktischer und unterhaltsamer Wegweiser - erhältlich bei den Servicepartnern der LAUSITZER RUNDSCHAU.