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| 14:47 Uhr

Wolf hat zum zweiten Mal zugeschlagen / Unmut der Dorfbewohner wächst
Wieder ein Schafs-Riss in Großkmehlen

Jäger Siegmar Watzig und Besitzer Maik Tischer begutachten das gerissene Mutterschaf. Der komplette Rippenbogen ist abgefressen.
Jäger Siegmar Watzig und Besitzer Maik Tischer begutachten das gerissene Mutterschaf. Der komplette Rippenbogen ist abgefressen. FOTO: Mirko Sattler
Großkmehlen. Rissgutachter bestätigt tödlichen Kehlbiss. Jägerschaft fordert Abschuss des Wolfes, der des Nachts im Dorf herumspaziert. Von Andrea Budich

Selber Ort, selbe  Nachtzeit: Der erneute Angriff auf ein Mutterschaf innerhalb von nur zwei Wochen sorgt im Dorf für Entsetzen. Schockiert sind nicht nur Großkmehlens Tierhalter. Denn der Wolf ist schon mehrmals von Dorfbewohnern des nachts gesichtet worden, als er seelenruhig über die Dorfstraße spazierte oder die Blochwitzer Straße entlang streifte, um Beute zu machen.

„Das geht so nicht weiter. Hier muss etwas passieren“, fordert Großkmehlens Jägerschaft um Siegmar Watzig ein aktives Wolfsmanagement ein. Watzig ist seit 40 Jahren Jäger. Das Eindringen des Raubtieres in ein so dicht besiedeltes Gebiet hält er für kreuzgefährlich. Immerhin gehen die Kindergartenkinder regelmäßig dort spazieren, wo der Wolf in Stau­becken-Nähe vor zwei Wochen zugeschlagen hat.

Der blutige Schauplatz ist diesmal nur 600 Meter Luftlinie entfernt. Schafhalter Maik Tischer entdeckt das vierjährige tote Mutterschaf, als er Sonntagmorgen auf der Weide hinter seinem Haus am Oberweg nach dem Rechten schauen will. Fassungslos steht er vor dem Schaf, bei dem der komplette Rippenbogen abgefressen ist. Der Rissgutachter aus Berlin bestätigt dem Tierhalter noch am Sonntagmittag einen tödlichen Kehlbiss, den er unter dem Halsband des Kadavers identifiziert hat.

Völlig verängstigt sind nach der Wolfs-Attacke die drei weiteren Schafe von Maik Tischer. Alle drei konnten sich auf das Grundstück der Familie retten.

Leichte Beute war das gerissene Mutterschaf nicht. Die Schafweide hinter den Häusern ist mit einem 90 Zentimeter hohen Elektrozaun gesichert. Der Rissgutachter hat sich am Sonntag davon überzeugt, dass der Zaun voll funktionsfähig und an keiner Stelle defekt ist. „Der Wolf muss wohl über den Zaun gesprungen sein“, mutmaßt Maik Tischer. Trotz des Verlustes lehnt der 54-Jährige eine blinde Hysterie gegen den Wolf ab. Ein mulmiges Gefühl aber bleibt. Im Wald herumzustromern, wie er es als Kind tat, muss er seinen Enkeln heute verbieten.