Bei der Herbstschau am Wochenende im Vereinsheim in der Nordstraße gehört das blonde Mädchen mit den lustigen Sommersprossen im Gesicht zu den Ausstellern. Sie verkauft Lose am Tombolastand. Ihre Rasse-Hasen lässt sie dabei nur ungern aus dem Auge. Sie stellt diesmal eine Gruppe ihrer weißen Zwergwidder, Rotauge, sowie ein Einzeltier aus. Und wieder gehört sie zu den Preisträgern. Darauf ist ihr Papa, René Märten, besonders stolz. Er war es auch, der die damals Achtjährige einst zur Kleintierzüchterei brachte. Carolines Mutti züchtet Russen-Kaninchen.
Wie bei den Märtens hat die Kleintierzucht in zahlreichen Hosenaer Familien Tradition. Seit vielen Jahrzehnten wird im heutigen Senftenberger Ortsteil gezüchtet, was das Zeug hält. Ställe und Volieren sind auf vielen Grundstücken zu finden. Für Elektriker Bernd Schweitzer sind seine 100 Kaninchen ein willkommener Ausgleich zur Arbeit. Bei der Herbstschau ist er mit 25 seiner besten Tiere präsent. Er hat sich auf Zwergwidder wildgrau und thüringenfarbig spezialisiert. Bei der Landesschau vor zwei Wochen in Paaren Glien kassierte er gleich zwei Landesmeister-Titel ein. Damit hat er zum sensationellen Abschneiden des Hosenaer Vereins bei der Landesschau beigetragen. Von neun Hosenaer Ausstellern wurden sage und schreibe sechs Landesmeister-Titel geholt.
Damit macht die Widder-Hochburg Hosena erneut landesweit von sich reden. Was noch vor Jahren die Blauen Wiener für die Hosenaer Züchter waren, sind heute die Schlappohren in den verschiedensten Rassen und Farben. Das Erfolgsgeheimnis für Bernd Schweitzer ist eigentlich ganz einfach: Die Züchterei schaffst du nicht allein. Da muss die Familie mitziehen. Sein Sohn Silvio steht bereits in den Fußstapfen des preisgekrönten Vaters. Bei der Herbstschau am Wochenende stellte der Sohnemann eine Neuzüchtung vor. Für seinen schwarzgrannenfarbigen Zwergwidder erntete Silvio viele bewundernde Blicke.
Die gab es gleichermaßen auch für die schneeweißen Mittelhäuser Tauben von Siegfried Hausmann, der erst vor drei Jahren seine Züchterleidenschaft entdeckte. Sein gurrendes Prachtstück bekam auf der Herbstschau 97 von 100 möglichen Punkten und damit einen der begehrten Landesverbands-Ehrenpreise. Für die Jury war das Urteil eindeutig: die ausgewölbte Brust, der runde Kopf mit dem Auge exakt im Mittelpunkt und der perfekten Schwanzlänge - drei Zentimeter länger als der Flügel - bescherten dem 53-Jährigen die hohe Ehrung. Für den Neueinsteiger der schönste Lohn. Daheim im Wohngebiet „Neue Sorge“ in Hosena flattern 37 Jungtauben von acht Pärchen in seiner selbst gebauten Voliere.
Am nächsten Wochenende gehen die Hosenaer Züchter mit ihren Prachtexemplaren erneut auf Reisen. Bei der Kreisschau in Tettau sollen weitere Preise abgeräumt werden. Vereinsvorsitzender Dieter Pavlik, der selbst Luchs-Tauben züchtet, zieht vor dem Engagement seiner Züchter den Hut. Die Herbstschau, so sein Urteil, hat erneut eindrucksvoll bewiesen, dass die Hosenaer Kleintierzucht in der ersten Liga mitspielt. Nicht umsonst werden edle Tiere bis aus Nürnberg und Bremen nach Hosena geholt.