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| 20:11 Uhr

Wetterrückblick für den September im OSL-Süden
Fast ein halbes Jahr Sommer

Die Kippenbepflanzung in der Nähe von Kostebrau leuchtet dieser Tage regelrecht. Die Roteichen sind ein herrlicher Farbtupfer in der Landschaft.
Die Kippenbepflanzung in der Nähe von Kostebrau leuchtet dieser Tage regelrecht. Die Roteichen sind ein herrlicher Farbtupfer in der Landschaft. FOTO: Renate Kupfer
Senftenberg. Die Wetterbilanz für den September 2018: Landwirte hadern mit der Trockenheit. Von Rudolf Kupfer

Es ist schier unglaublich: Der September 2018 war der fünfte Hochsommermonat in Folge in der Lausitz. Damit waren anteilig 40 Prozent des ganzen Jahres Sommer, ein außergewöhnlicher Rekord. Immerhin hat Klaus Hirsch in Großkoschen in diesem Monat noch drei Hitzetage mit über 30 Grad und zehn Sommertage mit über 25 Grad Tageshöchsttemperaturen registriert. Im Vorjahr stieg vergleichsweise im September das Thermometer überhaupt nicht über 25 Grad. Mit diesen hohen Temperaturen und sehr geringen Niederschlägen setzte sich die lang anhaltende extreme Dürre in der Region fort.

Aktuell fehlen bis jetzt 150 mm Niederschläge, die vor allem im zurückliegenden Sommer ausblieben. Das sind etwa drei Monatsmengen. Das Jahressoll von 626 mm ist kaum noch zu erreichen.

In vorliegenden Aufzeichnungen gab es immer wieder solche gefürchteten Dürrejahre. So wurde 1943 für Ruhland eine Jahresmenge von nur 359 mm Niederschlag festgehalten. So viel, wie gegenwärtig in der Messstelle Hörlitz zu Buche steht – bei noch drei verbleibenden Monaten.

Nur am 23.9.18 regnete es mit fast 30 mm flächendeckend so ergiebig wie schon lange nicht. Der staubtrockene Boden konnte zunächst den Regen gar nicht aufnehmen. Die anhaltende Trockenheit hat die Grundwasserstände auf einen Tiefststand fallen lassen. In Buchwalde bei Ronny Sommer lag der Messpegel in einer Tiefe von 3,68 Meter. Nur vergleichbar mit dem 1991 ermittelten Wert von 3,41 Metern.

Fehlendes Tränkewasser aus sonst genutzten natürlichen Quellen war auch ein erhebliches Problem für Weidetiere. Der extrem hohe Bedarf musste mit viel zusätzlichem Aufwand durch die Tierhalter abgesichert werden. Hinzu kam noch das schlechte Futterangebot auf den ausgedörrten Weideflächen. Dauersonnenschein machte den Mutterkühen mit ihrem Nachwuchs, Pferden und Schafen im Freien zu schaffen.

Dass auch die unter Schutz stehenden Elbebiber mit der Trockenheit zu kämpfen haben, zeigen in einigen Gräben zusätzlich angelegte Staudämme. Während die Biberbauten bei Hochwasser unerwünscht sind, brachten sie in diesem Sommer für die Naturräume Gewinn. Das kostbare Nass wurde so in der Landschaft zurückgehalten, auch zum Nutzen vieler Wildtiere.

Nachdem der vertrocknete Silomais bereits Ende August geerntet werden musste, grenzt es fast an ein Wunder, dass auf diesen Flächen ein neuer Aufwuchs von Mais herangewachsen ist. Schwierigkeiten bereitet den Landwirten gegenwärtig die Aussaat von Winterraps und -getreide. Infolge der anhaltenden Trockenheit gehen die Bestände nur sehr lückenhaft auf, schätzt Günter Kockro aus Großräschen ein. Er hofft wie alle anderen Landwirte, Kleingärtner und Naturfreunde, dass in den nächsten Tagen Regen kommt und die Pflanzen noch gut in den Winter gehen können.

Mit einigen Wetterregeln wird die Frage auf den bevorstehenden Winter beantwortet: „Späte Rosen im Garten ist ein schöner Herbst und der Winter kaum zu erwarten.“ „Ist der September lind, wird der Winter ein Kind.“ „Viele Eicheln im September, viel Schnee im Dezember.“

Zunächst gilt aber: Wer Freude in der Natur sucht, wird sie jetzt trotz aller Auswirkungen des Hitzesommers in einem goldenen Herbst finden.

RUNDSCHAU-
Wetterfrosch
Rudolf Kupfer.
RUNDSCHAU- Wetterfrosch Rudolf Kupfer. FOTO: privat