ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:22 Uhr

Ein Wetterexperte berichtet
„Isobarix“ redet schönstes Wetter schlecht

Wettermoderator Donald Bäcker erklärt im Senftenberger Ratssaal, wie der Wetterbericht ins Fernsehen kommt.
Wettermoderator Donald Bäcker erklärt im Senftenberger Ratssaal, wie der Wetterbericht ins Fernsehen kommt. FOTO: LR / Torsten Richter-Zippack
Senftenberg. Moderator Donald Bäcker erklärt in Senftenberg, wie der Wetterbericht ins Fernsehen kommt. Von Torsten Richter-Zippack

Den ersten Paukenschlag setzt Donald Bäcker bereits während der Begrüßung im Senftenberger Ratssaal: „Schauen Sie mal nach draußen“, fordert er sein reichlich erschienenes Publikum auf, „wir haben schlechtes Wetter.“ Die meisten Leute reiben sich verdutzt die Augen, denn die Sonne scheint, der Himmel ist blau, und lediglich in Richtung Bahnhof hat sich eine kleine Cumulus-Wolke verirrt. „Na, das ist doch wirklich langweilig“, erklärt Bäcker. „Seit Tagen das gleiche Bild, keine spannende Wetterlage.“ Die gebe es, würde es endlich mal wieder richtig krachen. Oder in Strömen regnen. Gern auch schneien. Schließlich haben die berühmt-berüchtigten Eisheiligen (11. bis 15. Mai) begonnen.

Apropos Schnee: Die weiße Pracht, so erinnert sich Bäcker, habe in ihm die Liebe zum Wetter geweckt. „Im Rekordwinter von 1978/1979 fing ich als Elfjähriger mit meinen Beobachtungen an. Es gab Schneeverwehungen bis zu zwei Meter Höhe“, sagt der gebürtige Neuruppiner. „Damals wünschte ich mir, dass es nie mehr aufhören möge zu schneien.“

Tatsächlich begann der heute 50-Jährige 1984 seine Wetterkarriere, damals als Lehrling zum Technischen Assistenten für Meteorologie. Später stieg der Brandenburger in den gehobenen Dienst beim Deutschen Wetterdienst auf. Später folgte der Wechsel in die Privatwirtschaft, unter anderem zum bekannten Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann.

„Der Kachelmann hat mich von Anfang an fasziniert, wie locker er den Leuten das Wetter erklärt.“ Unter den Fittichen des Profis folgten für Donald Bäcker die ersten Radio- und Fernsehwetterberichte. Sprachunterricht habe er keinen genommen. „Der Kachelmann hat gesagt, mach einfach. Und dann ging es eben los.“

Heute moderiert der Neuruppiner vor allem das Wetter im ARD-Morgenmagazin. „Bereits gegen 3 Uhr bin ich im Büro“, erzählt der zweifache Familienvater. Besonderen Wert lege er auf die Isobaren-Karte. Darin sind die Linien gleichen Luftdrucks eingetragen. Daraus lassen sich Windrichtung und Windstärke ableiten. „Meine Kollegen sind der Meinung, solche Karten seien heute nicht mehr notwendig. Aber ich bestehe darauf. Schließlich wissen meine Zuschauer sofort, dass es, wenn über der Ostsee ein Hochdruckgebiet eingetragen ist, sonniges und ruhiges Wetter gibt.“ Da Bäcker so auf seiner Isobarenkarte besteht, hätten ihm die Kollegen den Spitznamen „Isobarix“ verpasst. „Darauf bin ich richtig stolz“, kommentiert der Moderator.

Die limitierende Größe während der TV-Wetterberichte sei indes die Sendezeit. „Uns wird vorher auf die Sekunde genau gesagt, wie viel Zeit wir haben“, erklärt der Profi. „Bleiben am Ende noch ein, zwei Sekunden übrig, könnte ich natürlich dumm herumstehen und in die Kamera grinsen“, sagt Bäcker. „Aber ich habe immer genug zu erzählen und überziehe eher mal.“

Neben den Schneehöhen faszinieren Donald Bäcker vor allem die Gewitter. Diese Systeme sind äußerst komplex. Wenn Blitz und Donner vorhergesagt werden, bekomme meist nicht jeder Ort etwas ab. „Mal lösen sich die Gewitter vorher auf, und links und rechts daneben bilden sich neue Zellen, die andere Ortschaften beglücken“, erklärt der Wetterexperte.

Was die Lausitz angeht, wüssten die Einheimischen, dass vorhergesagte Wetterereignisse meist einen Tag später einträfen. Das läge unter anderem an der meerfernen Lage der Region. Auf die Frage aus dem Publikum, ob das neu entstandene Seenland Einfluss auf das Wetter habe, antwortet Bäcker, das könne er nicht genau sagen. Dieses Phänomen sei von der Größe der Wasserfläche abhängig. An der Müritz mit einer Größe von fast 113 Quadratkilometern gebe es einen messbaren Einfluss auf das Wetter. Zum Vergleich: Das Lausitzer Seenland bringt es zusammengenommen auf eine Wasserfläche von immerhin 140 Quadratkilometer.

Eines will Donald Bäcker keinesfalls versäumen. Nämlich auf die vielen ehrenamtlichen Wetterbeobachter hinzuweisen. „Dass nur die Technik misst, geht nicht. Wir brauchen dazu auch Menschen.“ Und nicht zuletzt ist es der Freundeskreis der Senftenberger Hobbymeteorologen, der den Moderator in die Seestadt eingeladen hat. Die lose Gruppe besteht bereits seit einem Vierteljahrhundert und hat seitdem das Lausitzwetter fest im Blick.