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Wetterjahr 2017
Wintermärchen, Pendelsommer, Stürme

Mit 90 Jahren ist Günter Kobel aus Ortrand die „graue Eminenz“ bei den Hobbymeteorologen.
Mit 90 Jahren ist Günter Kobel aus Ortrand die „graue Eminenz“ bei den Hobbymeteorologen. FOTO: Richter-Zippack
Senftenberg.. Von RUNDSCHAU-Wetterfrosch Rudolf Kupfer

Ohne große Extreme, dafür mit kleinen Überraschungen, ist das Wetterjahr 2017 zu Ende gegangen. Ein prächtiger Winter, Spätfröste mit verheerenden Folgen, ein durchwachsener Sommer sowie mehrere Herbststürme dürften von den vergangenen zwölf Monaten in Erinnerung bleiben. Darüber haben die Hobbymeteorologen während ihrer Jahrestagung in Senftenberg diskutiert.

Doch der Reihe nach: Das Jahr begann, so die Einschätzung von Wetterfrosch Klaus Kreter aus Ortand, mit einem traumhaften Wintermärchen. Eiszapfen und Eisblumen funkelten in der Sonne, dass es eine Freude war.

Die guten Schneeverhältnisse bei anhaltendem Dauerfrost boten den Kindern ein riesengroßes Spielplatzparadies unter freiem Himmel. Dieser Zauber war allerdings Mitte Februar beendet.

Spätfröste Ende April und zu den Eisheiligen Mitte Mai richteten im Frühling enormen Schaden an. Die Baumblüte wurde zu großen Teilen vernichtet. Damit fiel die Obsternte weitgehend aus, so Gärtnermeister Dieter Georgie aus Lauchhammer.

Während große Gebiete des Landkreises von Hagelschlag verschont blieben, konnte Axel Müller aus Schwarzbach nicht fassen, wie gerade auf seinen Feldern Mais- und Getreidepflanzen großflächig am 22. Juni vom Hagel zerschlagen wurden.

Das Phänomen der großen Wetterunterschiede von Ort zu Ort war in diesem Jahr besonders oft zu beobachten.

Das wechselhafte Wetter um den Siebenschläfer bestimmte das weitere Geschehen dieses Sommers. Die Hitze der Hundstage blieb aus. Der Pendelsommer, so Ingo Nowak aus Schipkau, hat trotzdem die Erwartungen der Landwirte, Gärtner und Urlauber weitestgehend erfüllt. Belastende anhaltende Hitzeperioden gab es erfreulicherweise nicht. Stürme bis zur Windstärke neun traten vor allem im Juni und im Oktober auf und richteten im Landkreis große Schäden, vor allen in den Wäldern, an.

Mit den von allen erwarteten Vorhersagen für das Jahr 2018 halten sich die Senftenberger Hobbymeteorologen aber zurück. Optimistisch stimmt in diesem Zusammenhang die Wetterregel: „Wenn dunkel der Dezember war, dann rechne auf ein gutes Jahr.“ Auf den noch bevorstehenden Winter lassen folgende Regeln hoffen: „Donner im Winter, viel Kälte dahinter,“ und „Wenns Weihnachten ist gelind, sich noch viel Kälte einfind.“ Umstritten ist allerdings die These, dass die Kälte, die gegenwärtig in Teilen der USA herrscht, in drei Wochen Mitteleuropa, und damit auch die Lausitz erreichen könnte.

Seit mittlerweile 25 Jahren besteht der Freundeskreis der Senftenberger Hobbymeteorologen. 54 Wetterfrösche und Gäste haben sich zur jüngsten Tagung getroffen. Gewürdigt wurde das langjährige Wirken der Gründungsmitglieder Helmut Wesnigk aus Klettwitz, Johannes Lehmann aus Großkoschen und Dieter Sawall aus Großräschen, die inzwischen verstorben sind. Zu denen, die von Anfang an und nach wie vor im Freundeskreis aktiv sind, gehören Walter Beckmann, Günter Kobel aus Ortrand und Rudolf Kupfer aus Lindenau. Bereits seit ihrer Gymnasialzeit fühlen sich Thomas Mühlenberg, Richard Löwenherz und Alexander Haußmann mit den Hobbymeteorologen eng verbunden. Haußmann ist jetzt promovierter Physiker an der TU Dresden.

Anlässlich des Jubiläums der Hobbymeteorologen referierte der Lausitzer Extremsportler und Weltenbummler Richard Löwenherz über seine atemberaubende Fahrradtour durch die russische Antarktis.

Am 26. Februar wird im Senftenberger Rathaus die nächste Ausstellung zum zwölften Fotowettbewerb der Hobbymeteorologen eröffnet.