Genau 17,7 Grad Celsius im Schatten hat Klaus Hirsch am 16. Februar im Schatten gemessen. 24 Stunden später waren es immerhin 16,2 Grad, berichtet der Hobbymeteorologe aus Großkoschen. Bei seinem Amtskollegen Rudolf Kupfer in Lindenau stehen immerhin 16 Grad zu Buche. Doch von einem neuen Temperaturrekord in der Region kann keine Rede sein, sagt Dr. Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam. An der DWD-Station Cottbus wurden am 16. Februar 16,5 Grad gemessen. „Das ist der 14. Platz seit Beginn der Wetteraufzeichnungen anno 1889“, erklärt der Experte. Der bislang wärmste Februartag in der Spreestadt war am 21. Februar 1990. Damals stieg das Thermometer bis auf 19,5 Grad. In Görlitz wurde am 17. Februar mit 13,5 Grad der bislang wärmste Februartag dieses Jahres registriert. „Das bedeutet lediglich Rang 26“, resümiert Kreienkamp. Am 28. Februar 1959 hat es in der Neißestadt mit 15,9 Grad die bislang höchste Temperatur innerhalb des zweiten Jahresmonats gegeben.

Aber: Durch den strahlenden Sonnenschein des vergangenen Wochenendes und aufgrund des kaum vorhandenen Windes lag die gefühlte Temperatur etwas höher als die Quecksilbersäule anzeigte. Phänologisch gesehen hat der Vorfrühling den Winter in der Lausitz abgelöst, sagt Rudolf Kupfer. Inzwischen blühen Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge. Darüber hinaus, so hat Kupfer beobachtet, sind bereits die Honigbienen unterwegs. „Sie sammeln den Pollen von den jetzt noch blühenden Christrosen sowie den typischen Frühblühern ein.“

Auch im Tierreich machen sich die warmen Temperaturen bemerkbar. „Mit den Kiebitzen sind die ersten Heimkehrer aus dem Süden in der Flur von Lindenau gesichtet worden“, sagt Rudolf Kupfer. Und bei Klaus Hirsch hat sich bereits der erste Star gezeigt. „Das ist zwei Wochen zu zeitig“, weiß der Ornithologe.

Im Zeitplan liegen hingegen die Grünewalder Kraniche, sagt Gisela Uhl. Am 9. Februar habe die Naturfreundin die ersten Vögel gehört, einen Tag später insgesamt sechs Brutpaare am Welkteich sowie am Seewaldsee gesichtet. „Die Vögel kommen immer um diese Zeit zurück“, weiß die Ornithologin, die mit ihrem Mann Klaus Uhl den Kranichen bereits seit Jahrzehnten auf der Spur ist.

Darüber hinaus können derzeit hunderte Singschwäne auf den Winterrapsfeldern bei Großräschen, Schwarzheide und Frauwalde beobachtet werden. „Sie haben jetzt zu großen Teilen ihren mehrwöchigen Winteraufenthalt beendet und kehren ins Baltikum sowie in die nordischen Brutgebiete zurück“, erklärt Rudolf Kupfer.

Die Landwirte der Region sehen die warmen Februartemperaturen indes gelassen. „Unser Wintergetreide steht gut. Ansonsten ist auf den Feldern noch nicht viel passiert“, gibt Günter Kockro von der Agrargenossenschaft Großräschen den aktuellen Sachstand wieder.

Viel zu tun gibt es hingegen in den Kleingärten. Beispielsweise bei Alfred Wojciechowski in der Kleingartensparte „Heimatruh“ in Senftenberg: „Ich muss noch sechs Obstbäume verschneiden“, erklärt der Hobbygärtner. Trübes Wetter wäre günstiger. „Da blendet die Sonne dann nicht.“

Bei den Naturschützern laufen indes die Vorbereitungen für die Amphibienwanderung. Nach Angaben von Florian Breiting vom Nabu-Regionalverband Senftenberg sollen demnächst die entsprechenden Schutzzäune aufgestellt werden. Von heute auf morgen würden Frösche und Kröten allerdings nicht aufbrechen. Denn die Nächte seien noch zu kalt, begründet der Naturschützer.

Indes wird es bei den frühlingshaften Temperaturen nicht bleiben. „Ich glaube, Schnee und Frost kommen noch einmal zurück“, prognostiziert Günter Kockro. Klaus Hirsch kündigt sogar einen Märzwinter an. Er rät, deswegen in den Kleingärten bloß noch nicht zu viel in Angriff zu nehmen. Im vergangenen Jahr hatte der Winter am 17./18. März mit Schneeverwehungen und zweistelligen Minustemperaturen zugeschlagen. Und selbst am Ostersonntag, dem 1. April, schaffte es das Quecksilber bei Schneeregen nicht über plus zwei Grad.