| 02:48 Uhr

Wenn der Stuhl zur Todesfalle wird

Egal, ob das Staubsaugerkabel übersehen wird oder beim Putzen der Regale das Gleichgewicht verloren geht: Alles, was zum Sturz führen kann, ist ein hohes Risiko.
Egal, ob das Staubsaugerkabel übersehen wird oder beim Putzen der Regale das Gleichgewicht verloren geht: Alles, was zum Sturz führen kann, ist ein hohes Risiko. FOTO: Gina Sanders/fotolia
Senftenberg. Jürgen Pohle aus Großkoschen steht praktisch immer unter Spannung. Seit 1993 schraubt der selbstständige Elektroinstallateur Waschmaschinen, Steckdosen und Lampen in der Region an. Jan Augustin

Immer mit dabei: die Gefahr, von einem Stromschlag verletzt oder gar getötet zu werden. Jürgen Pohle kennt die Risiken und hat schon einige knifflige Situationen hinter sich. Ein Kunde habe ihm mal versichert, dass er alle Sicherungen rausgedreht habe. Dem war aber nicht so - Jürgen Pohle trifft der Schlag. Bleibende Schäden sind glücklicherweise nicht geblieben. "Das passiert jedem Fachmann. Bisher ging es immer glimpflich ab", sagt er heute mit einem Schmunzeln.

Wie gefährlich Arbeiten in den eigenen vier Wänden sind, zeigt eine aktuelle Recherche der Minijob-Zentrale. Demnach ereignen sich die meisten tödlichen Unfälle nicht auf vereisten Straßen, sondern im Haushalt. Auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Allein im Jahr 2015 gab es hier laut Studie im Durchschnitt mindestens einen tödlichen Unfall pro Monat. Deutschlandweit sollen es sogar 9815 tödliche Unfälle gewesen sein. "Viele Menschen unterschätzen die häuslichen Gefahren. Unachtsamkeit und nicht geeignete Haushaltsgegenstände, wie beispielsweise ein Stuhl als Ersatz-Leiter, führen immer wieder zu zahlreichen Unfällen", teilt Erik Thomsen, Leiter der Minijob-Zentrale mit. Minijobber in Privathaushalten seien von diesen Risiken natürlich nicht ausgenommen. Als Babysitter, Gärtner oder Putzhilfe arbeiten sie täglich dort, wo die meisten Unfälle passieren.

Im statistischen Ländervergleich zeigt sich ein klares Bild: Die meisten tödlichen Unfälle pro 100 000 Einwohner ereigneten sich in sächsischen Haushalten (24,9). Brandenburger achten laut Studie mehr auf die Sicherheit - das Statistikamt registrierte "nur" 10,3 tödliche Unfälle.

Egal, ob das Staubsaugerkabel übersehen wird oder beim Putzen der Regale das Gleichgewicht verloren geht: "Alles, was zum Sturz führen kann, ist ein hohes Risiko”, sagt Susanne Woelk, Geschäftsführerin von der Aktion "Das sichere Haus". Die meisten Stürze enden zwar nicht tödlich. Ein verstauchter Knöchel oder ein gebrochener Arm sind jedoch keine Seltenheit. "Mit zunehmendem Alter wird auch die Überschätzung der eigenen Kräfte ein Thema", so Woelk weiter. Für einen sicheren Haushalt sollte daher immer auf Folgendes geachtet werden: Erstens genug Zeit und Pausen einplanen, zweitens stets das richtige Werkzeug verwenden, und drittens im Alter einzusehen, wann es Zeit ist, sich helfen zu lassen.

Das bestätigt auch Jürgen Pohle. Gefährlich sei aber auch der Leichtsinn der jüngeren Leute. Was am besten schützt? "Einen Fachmann beauftragen", sagt er.

Zum Thema:
Viele Menschen knipsen einfach nur das Licht aus, wenn sie Glühbirnen austauschen wollen. Das ist jedoch falsch, sagt der Großkoschener Elektroinstallateur Jürgen Pohle. Zunächst sollte der Stromkreis unterbrochen werden. Nicht nur den Stecker ziehen, sondern auch die Sicherung rausnehmen. Nur so herrscht Spannungsfreiheit. Zu beachten ist auch die Wahl der richtigen Wattzahl. "Die Lampe muss genau für die Spannung ausgelegt sein", sagt der Experte. Der Hinweis steht auf jeder Lampenfassung. Bei zu hohen Wattzahlen drohen Überhitzung und im schlimmsten Fall ein Feuer. "Ganz, ganz wichtig" sei es auch, den Fehlerstrom-Schutzschalter halbjährig zu überprüfen. Außerdem warnt Pohle vor wackligen Stühlen oder alten Holzleitern. Nur ein rutschfester Stand auf einer stabilen und richtig aufgestellten Leiter garantiere Sicherheit.