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| 14:51 Uhr

Polizei und Sparkasse gegen den Enkeltrick
Wenn der falsche Enkel am Hörer ist

Der Enkeltrick ist so hinterhältig, weil er die Gutgläubigkeit alter Menschen ausnutzt. Die Polizei rät, fremden Anrufern zu misstrauen.
Der Enkeltrick ist so hinterhältig, weil er die Gutgläubigkeit alter Menschen ausnutzt. Die Polizei rät, fremden Anrufern zu misstrauen. FOTO: Andrey Popov - stock.adobe.com / Andrey Popov
Senftenberg/Ortrand. Hand in Hand gegen die Enkeltrick-Masche. Die Sparkasse Niederlausitz und die Polizeiinspektion Oberspreewald-Lausitz starten eine gemeinsame Initiative, um ältere Mitbürger vor dreisten Betrügern zu schützen. Von Andrea Budich

Der Anruf, der Erna Lehmann (Name geändert) beinahe 20 000 Euro gekostet hätte, kommt ganz unvermittelt in der Mittagsstunde. Die Männerstimme klingt warm und freundlich. Was sie sagt, klingt schrecklich in den Ohren der Ortranderin. Dem Enkel, der in Dortmund studiert, sei etwas zugestoßen, er hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus. Sein Auto habe Totalschaden, er brauche dringend Geld für ein neues. Jetzt gleich. Die Oma aus Ortrand soll helfen.

Erna Lehmann überlegt nicht lange. Aufgeregt schnappt sie sich ihre Handtasche und geht zur Sparkassen-Geschäftsstelle Ortrand. Auf einen Schlag will sie die geforderten 20 000 Euro vom Sparbuch abheben. Geld, für das sie ihr Leben lang schwer gearbeitet hat.

Die hohe Summe macht die Sparkassen-Mitarbeiterin sofort stutzig. „Wir haben in aller Ruhe mit Erna Lehmann gesprochen und ihr geraten, unbedingt zuerst die eigene Tochter anzurufen“, erinnert sich Geschäftsstellen-Leiterin Juana Pruntsch-Zieger an den Vorfall vor einem Jahr. In letzter Minute konnte damals verhindert werden, dass die Ortander Seniorin ihre Lebensersparnisse einem Betrüger in den Rachen wirft.

Die Geschichte ist das beste Beispiel dafür, dass der Enkeltrick, der seit zwei Jahrzehnten in Wellen immer wieder durch die Bundesrepublik schwappt, leider immer noch funktioniert. Erst am Donnerstagnachmittag hat sich ein angeblicher Neffe bei einer 88-jährigen Frau in Großräschen gemeldet. Die Rentnerin durchschaute den Trick und informierte die Polizei.

Bis zu 30 000 Euro werden Opfern der Enkeltrickmasche vom Sparbuch abgeschwatzt. Versuche, die am Ende bei der Polizei angezeigt wurden, gab es in diesem Jahr bisher im Landkreis sechs. „Die Dunkelziffer ist aber um ein Vielfaches höher“, wissen Polizeioberkommissar Peter Schmidt und  Kriminalhauptkommissar Hans-Joachim Piwonski

Weil die Betrüger nicht nur geplünderte Konten, sondern auch ein zerstörtes Vertrauen, Scham und eine ohnmächtige Wut zurücklassen, wollen Polizei und Sparkasse Niederlausitz jetzt gemeinsam über die Enkeltrick-Masche aufklären. Hand in Hand sollen typische Warnsignale für einen versuchten Betrug rechtzeitig erkannt werden. Hilfreich dabei ist, dass die Sparkassen-Mitarbeiter viele Kunden persönlich kennen. „Wenn wir einen Betrug ahnen, rufen wir notfalls auch selbst die Polizei an“, bestätigt Ortrands Sparkassen-Chefin.