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| 23:53 Uhr

Kein gutes Krötenjahr im Landkreis OSL
Weniger Kröten auf Wanderschaft

Der rund 100 Meter lange Krötenschutzzaun am Guteborner Sorgenteich wird von den beiden ehrenamtlichen Naturschützern Klaus Gruszczynski und Steffen Reinhardt seit einigen Jahren betreut. Anders als in den Vorjahren herrscht diesmal relativ wenig Betrieb in den täglich geleerten Eimerfallen.
Der rund 100 Meter lange Krötenschutzzaun am Guteborner Sorgenteich wird von den beiden ehrenamtlichen Naturschützern Klaus Gruszczynski und Steffen Reinhardt seit einigen Jahren betreut. Anders als in den Vorjahren herrscht diesmal relativ wenig Betrieb in den täglich geleerten Eimerfallen. FOTO: Mirko Sattler
Guteborn. Die Kröten- und Frosch-Population ist zwischen Lipsa und Kittlitz stark zurückgegangen. Von Andrea Budich

Sauwetter. Rentner Klaus Gruszczynski und Steffen Reinhardt wünschen sich richtiges Sauwetter mit Nieselregen, wenn sie sich morgens nach dem Frühstück ihre Eimer schnappen und sich auf den Weg machen zum Sorgenteich zwischen Guteborn und Ruhland. Dann nämlich haben die zwei beste Aussichten auf volle Eimer. „Richtig Betrieb herrscht nur nach milden, regnerischen Nächten“, geben sie Auskunft zu ihrem ehrenamtlichen Nebenjob entlang des rund 100 Meter langen Krötenschutzzaunes an der viel befahrenen Landesstraße 57.

Auf Sauwetter warten die beiden schon seit etlichen Tagen vergeblich. Trocken, Sonne satt bei über 20 Grad - da tut sich nur noch wenig in den Eimern. „Die, die rüber wollten zu ihrem Teich, sind drüben“, kommentiert Steffen Reinhardt nach knapp drei Wochen das Ende der großen Wanderschaft. Die ersten Schutzzäune in Lipsa und Niemtsch sind daher bereits abgebaut. Morgen wird auch die grüne Kunststoffbarriere am Sorgenteich eingerollt. Dann ist das Krötenjahr 2018 für Klaus Gruszczynski und Steffen Reinhardt gelaufen. Ein besonders gutes war es nicht, so viel steht fest, schon bevor die exakt aufgelisteten Funde zur Naturschutzbehörde des Landkreises übermittelt sind.

Dass es eine schwierige Saison war, bestätigt auch Jürgen Jentsch von der Naturschutzbehörde in Calau. Erst viel zu kalt mit Minusgraden im zweistelligen Bereich, Frost und Schnee bis Ende März. Dann wurde der Schalter von einem auf den anderen Tag von Winter auf Frühsommer umgelegt, was die Tiere ziemlich durcheinander gebracht hat.

Das spiegelt sich auch in den Eimerfallen entlang des Sorgenteiches wieder. Nach einem leichten Rückgang in den Vorjahren, hat es in diesem Frühjahr nochmals einen ordentlichen Dämpfer gegeben. Insofern geht es auch in Ordnung, dass die bisher 41 Eimerfallen auf aktuell 25 reduziert wurden. Landeten sonst bis zu 1500 Kröten in den Fangeimern, die entlang des Zaunes am Sorgenteich in regelmäßigen Abständen im Boden versenkt werden, so waren es diesmal vielleicht noch 300 bis 400 Tiere. Warum so wenige?

Klaus Gruszczynski kann darüber nur spekulieren. Ob es daran liegt, dass sich die Flächennutzung auf den umliegenden Feldern geändert hat? Ob der Waschbär immer mehr über Hand nimmt? Die beiden Naturschutzhelfer können da nur mutmaßen, verweisen aber auf ihre Funde, die akribisch protokolliert sind. Noch im Vorjahr war im Guteborner Sorgenteich das komplette Arten-Sortiment vertreten. Davon kann in diesem Frühjahr keine Rede mehr sein. Haben sie früher Hunderte Moorfrösche in ihrem Eimer-Shuttle über die Landesstraße getragen, waren es jetzt nur noch höchstens 20. Die  Rotbauch­unken und die Kammmolche sind indes komplett verschwunden. Dünne gemacht haben sich auch die Moor- und die Laubfrösche. Zugenommen hat dagegen der Bestand an Knoblauchkröten. Die Population der Erdkröten ist konstant geblieben.

„Die Arten verschwinden still und leise von der Bildfläche“, bestätigt Fachmann Jürgen Jentsch aus der Naturschutzbehörde. Warum das so ist, kann auch er nicht so richtig erklären. „Die herrlichen Froschkonzerte mit dem Blup-blup der Moorfrösche werden definitiv seltener“, bedauert er.

Am meisten gedrängelt und geschubst wurde übrigens in diesem Frühjahr entlang der Schutzzäune an der Gemeindestraße zwischen Kostebrau und Klettwitz. Auf der vormaligen Amphibien-Todespiste fangen Nabu-Helfer seit drei Jahren die wandernden Kröten und Frösche ab. 4000 wurden allein an diesem Abschnitt in diesem Frühjahr vor dem sicheren Tod unterm Autoreifen gerettet. Rückläufig sind die Zahlen aber auch an der Bergbaustraße. Im ersten Jahr waren dort noch immerhin 6000 Amphibien unterwegs.