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| 17:52 Uhr

Weltrekordler überrascht bei Neujahrsempfang

Auch der Ortrander Amtsdirektor Kersten Sickert lässt sich von Schnellzeichner Gero Hilliger porträtieren.
Auch der Ortrander Amtsdirektor Kersten Sickert lässt sich von Schnellzeichner Gero Hilliger porträtieren. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Turbulent, aber erfolgreich, kontinuierlich und verlässlich. Das sind aus Sicht ihrer Spitzen Synonyme, die für den Oberspreewald-Lausitz-Kreis und die Sparkasse Niederlausitz zutreffen. Zum Neujahrempfang dieser Institutionen am Mittwochabend in Senftenberg kamen 550 Gäste. Unter ihnen war sogar ein Weltrekordler. Jan Augustin

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht. In Windeseile fegt Gero Hilliger mit seinen Stiften übers Papier. Vielleicht sind es zwei Minuten - dann ist das Porträt fertig. Mit ein bisschen zu viel Kinn und einer etwas dickeren Nase, als es der Dame, die vor ihm sitzt, lieb wäre. Egal. Gero Hilliger ist Karikaturist und Schnellzeichner. Wer sich von ihm malen lässt, muss anschließend einfach schmunzeln. Der Berliner ist anerkannter Weltrekordhalter in dieser Disziplin. Mario Adorf, Toni Curtis oder Andrea Berg standen schon Modell. Am Mittwochabend sind es wichtige Wirtschaftsleute und Politiker aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis, die im großen Empfangssaal der Sparkasse in Senftenberg Schlange stehen, um ein schönes Andenken zu ergattern. Neben gefühlt eine Million Fingerfood-Häppchen, Wein, Bier, Sekt sowie den hochwertigen Einlagen zweier Musiktalente an Klavier und Geige zählt dieser erste Auftritt eines Schnellzeichners zu den Höhepunkten des Neujahrsempfangs.

Piotrowski und die Frisur

Unterhaltsam bis witzig sind aber auch die traditionellen Reden von Landrat Siegurd Heinze (parteilos) und vor allem von Sparkassen-Vorstandschef Lothar Piotrowski. Letzterer vergleicht seine seit Jahren immer gleiche Frisur mit der "Kontinuität und Verlässlichkeit" seines Geldhauses - auch wenn seine braunen Haare nunmehr teils ergraut sind. Angesichts der Zahlen, die sein Haus liefert, kann ihm das aber gleichgültig sein.

Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Milliarden Euro sei die Sparkasse Niederlausitz eine in Brandenburg mittelgroße Sparkasse. Erfreulich auch aus seiner Sicht, dass das Kreditvolumen im vergangenen Jahr um neun Millionen Euro auf 640 Millionen angestiegen sei. "Sensationell" laufe gar die Immobilienvermittlung. "Nahezu alle seriösen Angebote werden über uns abgewickelt", schwärmt er vor rund 550 geladenen Gästen. Die "riesige Nachfrage" übersteige derzeit das Angebot. 1,5 Millionen Euro an Gewerbesteuer ("Das kommt den Kommunen zugute") und eine Ausschüttung an den Landkreis von 400 000 Euro habe die Sparkasse im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Für Kaufkraft in der Region würden aber auch die 320 Mitarbeiter, inklusive 15 Auszubildende, sorgen. 192 Millionen an Eigenkapital könne das Geldinstitut aufweisen. "Uns kann also nichts passieren", schlussfolgert Piotrowski, der nur mit dem Versicherungsgeschäft nicht ganz zufrieden ist.

Mit Blick auf die "verrückte Bankenpolitik" von Mario Draghi, die eine "echte Herausforderung" sei, kündigt er dann doch noch an, in Kürze seine Frisur und damit die Sparkassenphilosophie verändern zu müssen - wenn auch nur leicht. Der Kunde solle zum Fan werden, wenn das Haus bald zeitbegrenztes W-Lan-Internet und Kreditkarten mit Wunschmotiven anbietet oder neuerdings auch eine Postfiliale ist (siehe nebenstehender Text). Was die Sparkasse definitiv nicht machen werde, ist, eine der 16 Geschäftsstellen zu schließen - weder offen noch verdeckt. Von den Zuhörern wird das mit Applaus gewürdigt. Piotrowski betont zudem, dass es weder ein Auslagern von Unternehmensaufgaben noch einen Personalabbau geben werde.

Heinze: Kreisumlage bleibt gleich

Auch der OSL-Kreis hat das nicht vor. Im Gegenteil. "Wir haben 2015 insgesamt 15 Mitarbeiter zusätzlich einstellen müssen, 2016 werden es deutlich mehr als 20 sein", resümiert Landrat Siegurd Heinze in seiner Neujahrsansprache. Dafür brauche es gegebenenfalls einen Nachtragshaushalt, kündigt er an. "Die finanzielle Entwicklung ist noch positiv, wenn die Mehraufwendungen bei den Flüchtlingen und Asylbewerbern nicht wären." Dennoch, und das sei wichtig für die Kommunen, soll die Kreisumlage nicht erhöht werden, "aber auch keine Absenkung erfahren". Heinze blickt auf ein turbulentes Jahr 2015 mit vielen Unbekannten zurück. "Es war ein Jahr der Herausforderungen, der Höhen und Tiefen, von Freude und Leid, von neuem Leben und Tod, von Hoffnungen und Enttäuschungen." Insgesamt sei es aber erfolgreich gewesen.

Der Landrat hangelt sich in seiner Rede immer wieder am Buchstaben A als zentrales Element entlang. Ganz oben steht, nicht unerwartet, die Asyl- und Flüchtlingspolitik. 1222 Flüchtlinge habe der Kreis im vergangenen Jahr aufgenommen: nicht in Containern, Zelten oder Turnhalten, sondern menschwürdig in Gemeinschaftsunterkünften, Wohnverbünden und Wohnungen. Wieder Beifall. Mit A beginnt auch eine "erfreuliche" Arbeitsmarktentwicklung. Bei 11,6 Prozent liegt die Arbeitslosenquote aktuell. 7062 Arbeitslose seien zwar 7062 zu viel. Im Vergleich zu den 90-er-Jahren, wo die Quote noch bei fast 20 Prozent lag, aber ein Erfolg.