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| 14:45 Uhr

Hallo Nachbar
Bayrische Weißwürste gehören nicht auf den Grill

Im Oktober dieses Jahres hatten die Ressener allen Grund zum Feiern. Im Rahmen des jährliche Kürbisfestes wurde auf den Abschluss des Projektes „Dorfteicherneuerung“ angestoßen. Unter Regie der Feuerwehr und des Fördervereins „Aktives Ressen“ wurde der Bau einer stabilen Wasserzuführung zum Dorfteich angeschoben und umgesetzt.
Im Oktober dieses Jahres hatten die Ressener allen Grund zum Feiern. Im Rahmen des jährliche Kürbisfestes wurde auf den Abschluss des Projektes „Dorfteicherneuerung“ angestoßen. Unter Regie der Feuerwehr und des Fördervereins „Aktives Ressen“ wurde der Bau einer stabilen Wasserzuführung zum Dorfteich angeschoben und umgesetzt. FOTO: Uwe Hegewald
Ressen. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und deren Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Station heute: Ressen. Von Uwe Hegewald

Wenn ostdeutsche Kommunen, Institutionen oder Verbände Rückkehrer-Tage initiieren, um Ex-Lausitzer in ihre Heimat zurückzuholen, können Einwohner aus Ressen (Gemeinde Neu-Seeland) genüsslich schmunzeln. In Sachen Rückkehr-Kampagne ist ihnen nämlich ein Meisterstück gelungen: Aus beruflichen Gründen zog Daniela Plewe einst in den Westen, um 2012 aus der Nähe von Augsburg (Bayern) wieder heimzukehren. Und sie kam nicht allein. Im „Gepäck“ der heute elfjährige Jason, Töchterchen Lea (9) und Ehemann Horst Messing. „Ein waschechter Wessi“, beteuert der 39-Jährige mit Wurzeln in Lüdenscheid (NRW) schmunzelnd. Zwei Gründe haben zum Wohnortwechsel beigetragen: Die bevorstehende Einschulung des Sohnes und die „Androhung“ von Familienoberhaupt Eberhard Plewe. „Macht euch langsam einen Kopf um unser Grundstück. Irgendwann habt ihr die Bude an der Backe“, ließ er der jungen Familie wissen.

Voneinander lernen war angesagt. Ressener lernten, dass bayrische Weißwürste nicht auf den Grill gehören und Horst Messing, wie intaktes Dorfleben funktioniert. „Ich kannte so etwas nicht, bin ohne ehrenamtliche Aktivitäten aufgewachsen. Es hatte sich einfach nicht ergeben“, erzählt er. In Ressen wurden diesen Defiziten entgegengetreten. 2013 trat der Wahllausitzer in die Freiwillige Feuerwehr ein, absolvierte Truppmann- und Gruppenführerausbildungen und trat dem Förderverein „Aktives Ressen“ bei. 2010 gegründet verfügt der Verein sogar über ein eigenes Logo. Darin festgehalten sind die fünf Ausrichtungen, die das Dorf auf Kurs halten: Feuerwehr, Tanz, Volleyball und Fußball. „Das im Bildzentrum dargestellte Lagerfeuer steht symbolisch für unsere Veranstaltungen im Freien, die auch mal etwas länger dauern können“, erklärt Eberhard Plewe. Er gilt als Schöpfer des Emblems. Beim Maibaumaufstellen mit anschließender Maibaumwache ist das manchmal der Fall. „Bis Tagesanbruch ist Wachsamkeit geboten. Wir haben aber auch schon mal bis zur Mittagsstunde des 1. Mai ausgehalten“, schmunzelt Horst Messing.

Inzwischen ist er zum Vorsitzenden des Vereins „Aktives Ressen“ gewählt worden, dessen Namen Programm ist. Neben der Feuerwehr leistet die 25.köpfige Gemeinschaft im Alter von 20 bis über 60 Jahren die Kulturarbeit im Dorf und noch einiges mehr. Als der idyllische Dorfteich aufgrund eines Pumpenausfalls dramatischen Wasserverlust aufwies, war konsequentes und zügiges Handeln angesagt. Fördergelder wurden akquiriert, helfende Firmen gewonnen und selbst tüchtig angepackt. An sechs Wochenenden griffen Ressener samstags und auch sonntags zu Arbeitsgeräten, um die endgültige und nachhaltige Sicherung des Gewässers zu erreichen und eine 160 Meter lange frostsichere Zuleitung zu verlegen. Zur Inbetriebnahme der Anlage folgten lobende Worte durch Simone Abt, Bürgermeisterin der Gemeinde Neu-Seeland: „So ein Projekt gelingt nur durch Zusammenhalt und Geschlossenheit im Ort“, bemerkte sie. Der Teich sei ein Wahrzeichen von Ressen, ein Treffpunkt sowie ein geschätztes Biotop, so das Gemeindeoberhaupt. Wenn’s gut werden soll nehmen die Einwohner das Heft lieber selbst in die Hand.

Mit einer Ausnahme, wirft Roland Skadock ein und erinnert an das jährliche Frühlingssingen in der Kirche, die im 15. Jahrhundert erbaut wurde. „Seit vielen Jahren gastieren der Altdöberner Frauenchor Viva la musica und Horst Bernstein (Orgel) in unserem Gotteshaus“, so der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Das Konzert der „Altdöberner Nachtigallen“ sowie der Gottesdienst an Heiligabend zählen zu den gut besuchten Veranstaltungen im Kirchenjahr.

Was die Ressener schmerzt, sind die zwei Schmuddelecken Gasthaus und Gutshaus. „Beide Gebäude sind verkauft. Das einzige, was die Besitzer machen, ist das Vernageln der Fenster mit Brettern“, beklagt Eberhard Plewe. Schwiegersohn Horst Messing war es nicht vergönnt, das Gasthaus noch als regional beliebtes, griechisches Restaurant zu erleben. Dafür kennt er das Gut Geisendorf (Gemeinde Neupetershain), wohin er am 14. November eingeladen wurde. Der Grund: Dem Verein „Aktives Ressen“ ist in diesem Jahr der Bürgerpreis des Amtes Altdöbern verliehen worden. „Ich habe den Preis stellvertretend für alle unsere rührigen Vereinsmitglieder entgegen genommen“, betont Messing. Stellvertretend könnte Dr. Hans Joachim Behnke genannt werden, der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und in Welzow das Archäotechnische Zentrum (ATZ) leitet. 2003 kauften er und „seine“ Johanna in Ressen ein kleines Bauernhaus, um dieses aufzupeppen und im Dorf sesshaft zu bleiben. „Uns bekommt man hier nicht mehr weg“, beteuert Hans Joachim Behnke, der zuvor in anderen Bundesländern lebte und arbeitete.