ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:27 Uhr

Interview mit dem Weihnachtsmann Günter Kalliske
Die Bartprobe ist erlaubt

 Ein echter Weihnachtsmann wie Günter Kalliske hat natürlich auch Engel und Wichtel, die ihn unterstützen. Zu Heiligabend ist der Rauschebart allerdings allein auf Achse.
Ein echter Weihnachtsmann wie Günter Kalliske hat natürlich auch Engel und Wichtel, die ihn unterstützen. Zu Heiligabend ist der Rauschebart allerdings allein auf Achse. FOTO: Kalliske, Günter, privat
Barzig. Seit fast 20 Jahren schlüpft Günter Kalliske zu Heiligabend ins Weihnachtsmann-Kostüm. Was der Barziger dabei erlebt hat, erzählt er im RUNDSCHAU-Interview. Von Torsten Richter-Zippack

Haben Sie für den Heiligabend 2018 noch freie Kapazitäten?

Günter Kalliske: Also bei insgesamt 14 Auftritten gibt es keinen Spielraum mehr. Ich bin am 24. Dezember zwischen 13.30 Uhr und 22 Uhr zwischen Kleinkoschen, Senftenberg, Großräschen, Annahütte und Klingmühl auf Achse. Die Route will genau eingetaktet sein. Pro Familie rechne ich mit 20 bis 30 Minuten. Übrigens habe ich schon die ersten Buchungen für Weihnachten 2019.

Besuchen Sie ausschließlich Familien mit kleinen Kindern?

Kalliske: Nein. Eine Familie aus Annahütte ist mir schon seit acht Jahren treu. Deren Kinder sind inzwischen fast erwachsen. Aber sie wollen auf ihren Weihnachtsmann nicht verzichten. Zudem darf ich in die Wohnstuben ganz unterschiedlicher Menschen hinein, von Hartz-IV-Familien bis zu wohlhabenden Leuten.

Wie wird eigentlich die Sache mit den Geschenken gehandhabt?

Kalliske: Zunächst besorge ich mir Informationen über die zu beschenkenden Kinder. Diese trage ich in mein rotes Büchlein ein. Zudem stehen darin kleine Geschichten, die ich vortrage. So wird die Frage geklärt, warum der Schnee weiß ist. Die Geschenke selbst kommen natürlich in den Sack.

Gibt es die Päckchen dann einfach so aus der Hand des Weihnachtsmanns?

Kalliske: Wo denken Sie hin? Natürlich muss jedes Kind ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen. Falls es dabei ins Stolpern gerät, helfe ich gern. Übrigens: Mein Lieblingsweihnachtsgedicht stammt von Eichendorff: „Markt und Straßen stehn verlassen.“

Auf welchen Auftritt sind Sie besonders stolz?

Kalliske: Ob Sie es glauben oder nicht: Ich wurde, wenn auch nicht am Heiligen Abend, ins Frauenhaus nach Lauchhammer eingeladen. Dazu gab es extra eine Sondergenehmigung. Alle waren sehr lieb. Es herrschte eine absolute Wohlfühlstimmung. Besonders die Kinder waren sehr aufgeregt. Arrangiert hatte den Auftritt die Senftenberger Abgeordnete Kerstin Weidner.

Welche Episode zu Weihnachten ist Ihnen besonders im Gedächtnis hängen geblieben?

Kalliske: Einmal kam ein kleines Mädchen auf mich zu. Es zog an meinem Bart und zuckte erschrocken zurück. „Bei Dir hat ja gleich das Ohr gewackelt, da ist ja gar kein Gummi dran“, sagte es. damit habe ich kein Problem, die Bartprobe ist erlaubt. Öfter bekomme ich von den Kindern eine handvoll Heu für meine Rentiere mit. Die, so erzähle ich dann, stehen aber am Nordpol, weil es bei uns zu warm für Schnee ist. Leider wird es auch dieses Jahr keine weißen Weihnachten geben.

Laufen Ihnen am Heiligen Abend auch mal andere Weihnachtsmänner über den Weg?

Kalliske: Ja, das kommt durchaus vor. Einmal ging ein Rauschebart direkt vor mir über die Straße. Er kam gleich zu mir, hat sich fast entschuldigt. Er dachte nämlich, er würde mir Aufträge wegschnappen. Da habe ich ihm einen Schoko-Weihnachtsmann geschenkt, und er war hochzufrieden.

Woher haben Sie eigentlich Ihr rotes Kostüm?

Kalliske: Das habe ich mir extra von einer Frau aus Saalhausen nähen lassen. Die Kostüme, die es im Handel zu kaufen gibt, enthalten einfach zu viel Plastik. Seit ein paar Jahren muss ich allerdings ein Kissen drunter stecken, denn durch einen Unfall habe ich 16 Kilogramm abgenommen. Ein Weihnachtsmann ohne Bauch geht gar nicht.

Wie wird man eigentlich Weihnachtsmann?

Kalliske: Gleich im ersten Jahr der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Großräschen, das war um die Jahrtausendwende, wurde ich gefragt, ob ich bei der Weihnachtsfeier nicht als Weihnachtsmann auftreten würde. Das kam offensichtlich gut an, denn daraus resultierte eine Nachfrage. Seitdem weiß ich, was ich im Dezember zu tun habe.

Haben Sie noch Zeit, mit Ihrer Familie Weihnachten zu feiern?

Kalliske: Na klar, wenn ich gegen 22 Uhr nach Hause komme, geht es los. Zunächst gibt es Kartoffelsalat mit Bockwurst, anschließend folgen die Geschenke. Meien Frau und mein Sohn haben sich an diesen Ablauf gewöhnt. Zudem habe ich keine eigenen Enkel.

Und was macht der Weihnachtsmann den großen Rest des Jahres?

Kalliske: Nun, dann lege ich den roten Mantel ab und schlüpfe in das Kostüm des Grauen Männleins. Laut einer Sage hütet diese Figur in der Calauer Schweiz einen Schatz. Spätestens aber Mitte November bin ich wieder Weihnachtsmann. Dann findet im Senftenberger Snowtropolis das alljährliche Treffen meiner Amtskollegen statt. Und bisweilen darf ich auch mal mitten im Jahr ein roter Rauschebart sein. Beispielsweise vergangenen Juli beim großen Weihnachtsmanntreffen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.