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| 15:59 Uhr

Weihnachtsbaum-Karriere ist vorbei

Unter erschwerten Bedingungen erledigen die Müllwerker Jeroen Herfst (vorn) und Torsten Vandreia bei Dauerfrost und klirrender Kälte ihren Job als Weihnachtsbaum-Einsammler. Dabei müssen sie über Schneeberge steigen und die angefrorenen Bäume loseisen.
Unter erschwerten Bedingungen erledigen die Müllwerker Jeroen Herfst (vorn) und Torsten Vandreia bei Dauerfrost und klirrender Kälte ihren Job als Weihnachtsbaum-Einsammler. Dabei müssen sie über Schneeberge steigen und die angefrorenen Bäume loseisen. FOTO: Steffen Rasche/str1
Schipkau. Die Weihnachtsbäume kommen auf keinen grünen Zweig mehr: Nadelig, pieksig, holzig und trocken werden sie an insgesamt 248 Orten des Abfallentsorgungs-Verbandsgebietes derzeit eingesammelt. Und damit beginnt ihr zweites Leben: entweder als braune Komposterde oder als Wärme- und Elektroenergie. Andrea Budich

Auf der Hitliste der kältesten Arbeitsplätze gehören sie in diesen Januartagen definitiv zu den Top-Favoriten. Azubi Jeroen Herfst steht auf dem Trittbrett des Müllfahrzeuges. Bei minus fünf Grad Celsius bläst ihm schneidender Wind ins Gesicht. Gut gelaunt ist der junge Mann trotzdem. "Wir ziehen uns warm an mit Wattejacke und Wärmestiefeln", sagt er und zieht die schwarze Wollmütze ein Stück tiefer ins Gesicht. Sich in die warme Fahrerkabine vorn zu verkriechen, kommt nicht infrage. "Dann vertrödeln wir zu viel Zeit", erklärt der Auszubildende. Beim nächsten Stopp auf der Schipkauer Rosa-Luxemburg-Straße springt sein Kollege Torsten Vandreia ihm zu Hilfe. Er steuert den großen weißen Press-Wagen der Firma Remondis Brandenburg am Dienstag quer durch die Ortsteile der Großgemeinde Schipkau.

An der Sammelstelle am Containerplatz wartet ein ganzer Haufen ausrangierter und tiefgefrorener Weihnachtsbäume auf die Männer. Mit dicken Arbeitshandschuhen packen sie die Bäume einzeln und werfen sie mit Schwung in den Schlund des Wagens. "Da wird einem wirklich nicht kalt", sagt Jeroen Herfst und springt wieder auf das Trittbrett. Vorn gibt Fahrer Torsten Vandreia schon wieder Gas und steuert den nächsten tief verschneiten Sammelplatz an.

Gut 50 Tonnen Baummüll lässt der Abfallentsorgungsverband "Schwarze Elster" jährlich entsorgen. Dafür sind die Müllwerker der Niederlassung Großräschen von Remondis Brandenburg zwei Wochen lang täglich in der Spur. Die Menge des Baummülls ist dabei weniger geworden. "Sie war höher, bevor die Knutfeste nach schwedischem Vorbild bei fast jeder Feuerwehr auf den Dörfern in Mode kamen", erklärt Betriebsleiter Michael Schädlich von der Großräschener Remondis-Niederlassung.

Die Bäume müssen runter von der Straße, von den Gehwegen und von den Containerplätzen. Dafür sind die beiden Müllmänner seit Schichtbeginn um 6.30 Uhr stundenlang auf Achse. Tourstart ist in Meuro, später werden Annahütte, Klettwitz, Schipkau und Hörlitz systematisch abgeklappert. Am meisten bekommen sie es mit Nordmanntannen zu tun. Einzelne Fäden Lametta glänzen mitunter noch in der Januarsonne. Und ab und an stecken die Bäume auch noch im Ständer. "In der Regel sind sie aber ordentlich abgeschmückt, wenn wir kommen", sagt Torsten Vandreia. Er arbeitet seit 13 Jahren bei Remondis, die Baum-Abholung gehört in jedem Januar zu seinem Job.

Nach dem Einsammeln geht die Reise der Bäume weiter. Die Schipkauer Tannen erwartet ein Ende im Biomasseheizkraftwerk Magdeburg. Dafür werden sie zunächst auf dem Hof der Remondis Niederlassung Großräschen abgekippt, gesammelt und später durch einen großen Schredder gejagt. Die Fetzen werden dann im Biomasseheizkraftwerk in einem Kessel verbrannt und so in Öko-Energie umgewandelt.

Die Bäume, die bei der Firma Rubin aus Lauchhammer verwertet werden, landen hingegen auf dem Recyclinghof Wolfsberge an der L 60 zwischen Lauchhammer und Lichterfeld. "Auch sie werden geschreddert, dann aber als Kompost angesetzt", erklärt Disponent Peter Bernstein. Nach einigen Monaten entsteht dann aus den einst im Goldglanz schimmernden Bäumen klumpenweise braune Komposterde, die irgendwann vielleicht sogar als Tomatendünger in die Gärten der Schipkauer zurückkehrt.

Damit Torsten Vandreia und Jeroen Herfst kein Baum durch die Lappen geht, hängen sie nach der großen zweiwöchigen Sammeltour noch eine "Klapperrunde" für verspätete oder liegen gebliebene Bäume dran. Offiziell beenden sie ihren Baum-Job aber morgen in Großräschen mit den dazugehörenden Ortsteilen.

Zum Thema:
In Deutschland werden zu Weihnachten mehr als 29 Millionen Bäume verkauft. Vom 9. bis 20. Januar sammelt der Abfallentsorgungsverband "Schwarze Elster" die ausgedienten Kiefern und Nordmanntannen im Verbandsgebiet kostenfrei ein. Zur flächendeckenden Sammlung gehören 23 Städte, Ämter und Gemeinden. Im Vorjahr wurden so 51,2 Tonnen an Weihnachtsbäumen eingesammelt und danach entweder kompostiert oder verheizt.