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Wege der Selbstdisziplin und der Entfaltung

Jetzt ist die Zeit des Fastens. Der Mensch ist dazu bestimmt, alte Gewohnheiten zu überwinden, das Böse in sich zu besiegen und dem Guten wieder seinen rechtmäßigen Platz einzuräumen.

Die Mittel dazu sind: Beten, Fasten, Almosengeben. Die Drei bilden eine Einheit.

Wenn wir beten, suchen wir Gottes Nähe. Beten beginnt mit Innehalten, sich Zeit nehmen, sich der Gegenwart Gottes bewusst werden, das Herz zu Ihm erheben.

"Beten ist mehr Stillsein und Hören als Reden. Meister Eckhart, der große Mystiker sagte: "Wer Gottes Raunen hören will, dem müssen alle Stimmen stumm geworden sein". In der Stille erfahren wir Gott. Beten heißt auch: Gott loben, preisen und danken. Nichts ist selbstverständlich. Gott danken für die Vielzahl seiner Gaben, für seine Güte und Treue. Ziel unseres Gebetes ist, in die Gegenwart Gottes einzutauchen und durch Gottes Gnade uns selbst zu reinigen und uns erleuchten zu lassen.

Das Fasten gibt den Gedärmen die Chance einer Erholung, der Geist hat mehr Zeit, an Gott zu denken. Das Fasten verjüngt den Körper und macht den Geist konzentrationsfähig. Alle unsere Energien werden in der Stille sorgfältig erneuert. Fasten vermittelt eine klare Einsicht in alles. Ganz konkret ein Vorschlag: Wie ist es zum Beispiel mit einem Fernsehfasten oder auch Internetfasten? Einmal weniger Zeit vor der Glotze und dafür mehr Zeit für ein gutes Buch, für einen Spaziergang, für einen Besuch, für die Familie, für das Gebet. Frei werden von falschen Bindungen, von Süchten, von verkehrten Anhänglichkeiten und Abhängigkeiten. Es geht nicht nur um einen quantitativen Verzicht, sondern um eine qualitative Umkehr des Herzens.

Liebe üben: Gemeint ist mehr, als nur das Öffnen des Geldbeutels. Gemeint sind Werke der Liebe, Solidarität, die Sorge füreinander, der Blick für den Nächsten und seine Bedürfnisse, mit einem Wort: Barmherzigkeit. Ein Aspekt ist das Teilen. Arme haben wir aber auch bei uns: Menschen in leiblicher und seelischer Not, Alte, Kranke, Behinderte, Ratlose, Mutlose, Verzweifelte. Sich ihrer annehmen. In ihnen begegnet uns Christus.

Gebet, Fasten, Werke der Liebe: drei Werkzeuge. Der hl. Augustinus sagt, dass Fasten und Almosengeben die beiden Flügel des Gebets sind, die uns helfen, die Leichtigkeit zu finden, um nach oben zu steigen und zu Gott zu gelangen. Wenn wir die österliche Bußzeit als eine intensive Zeit des Gebetes, des Verzichtes und der Nächstenliebe gestalten, dann wird sie zu einer Art Trainingszeit, eine heilsame Übungszeit, gleichsam "40-tägiger Exerzitien", die in der gemeinsamen Feier des Osterfestes ihre Erfüllung finden.

Ich wünsche allen Leserinnen und Leser eine besinnliche, gnadenreiche Fastenzeit.