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Wasserwächter schreiten zur Tat

Der neue Leiter der Senftenberger Wasserwacht Jörn-Torsten Kusch (r.) und sein Stellvertreter Felix Lange (l.) nehmen den langjährigen Vorsitzenden Gerhard Kaergel in ihre Mitte. Auf seine Erfahrung wird die neue Führung nicht verzichten können.
Der neue Leiter der Senftenberger Wasserwacht Jörn-Torsten Kusch (r.) und sein Stellvertreter Felix Lange (l.) nehmen den langjährigen Vorsitzenden Gerhard Kaergel in ihre Mitte. Auf seine Erfahrung wird die neue Führung nicht verzichten können. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Sommer. Sonne. Senftenberger See. Das schöne Wetter lockt die badelustigen Wasserratten in Scharen an. Die Saison der Rettungsschwimmer hat begonnen – mit einer neuen Führung. Jan Augustin

Wasserwacht-Urgstein Gerhard Kaergel aus Großkoschen hat die Perspektive gewechselt. Der 67-Jährige lässt sich künftig eher als Badegast am Senftenberger See blicken. 38 Jahre lang war er der Chef der Wasserwacht am Senftenberger See. Nun ist er abgelöst worden. Neuer Leiter ist der Großräschener Jörn-Torsten Kusch, sein Stellvertreter Felix Lange. "Jugend voran", sagt Gerhard Kaergel mit einem Schmunzeln und wohlwissend, dass eine Mannschaft der jungen Senftenberger Wasserwächter den diesjährigen Landeswettbewerb des Jugendrotkreuzes in Wittenberge gewonnen hat. Zwar hätte Kaergel seinen ehrenamtlichen Posten auch noch ein weiteres Jahr ausgeübt. Eine Neuwahl war aber notwendig geworden, weil die beiden Verbände des Deutschen Roten Kreuzes Elbe-Elster Nord und Lausitz zusammengeführt wurden. "Ich gebe Unterstützung, wo es geht, will aber nicht jeden Tag hier rauskommen", sagt Gerhard Kaergel im Schulungsraum der Station gleich neben dem Amphitheater.

Seit dem 15. Mai hat die Senftenberger Wasserwacht dort den Betrieb aufgenommen. Die Vorsaison endet am 30. Juni. Dann ist die Station bis Ende August täglich besetzt. Mindestens fünf Wasserwächter sind in dieser Zeit vor Ort. Wünschenswert wären zwischen zehn und zwölf Mitglieder, sagt Jörn-Torsten Kusch. Doch obwohl sich viele der Kameraden teilweise ihren Jahresurlaub für die ehrenamtliche Wasserwacht in Senftenberg aufsparen, sei das unrealistisch. Der 46-jährige Maschinenbau-Ingenieur mit Job in Dresden kennt den See, seine Tücken und Untiefen ebenfalls seit Jahrzehnten. Mitte der 80er-Jahre ist Jörn-Torsten Kusch von Gerhard Kaergel zum Rettungsschwimmer ausgebildet worden.

Dass der Senftenberger See Risiken birgt, beweisen die jährlichen Badeopfer. Im vergangenen Jahr ertranken zwei Menschen auf Senftenberger Seite. "Das Gefahrenpotenzial ist größer geworden", sagt Jörn-Torsten Kusch. Auf dem See schwimmen nicht nur die Badegäste, unterwegs sind auch etliche motorisierte Sportboote, Segelboote, Verleihboote, die Staumeisterei und die beiden Schiffe der Reederei. Gefährlich ist auch die aufgeschüttete und nicht voll verfestigte Insel mit ihren Sandbänken. Durch die wechselnden Wasserstände sind diese manchmal zu sehen, dann sind sie wieder unsichtbar.

Baden ist zwar generell nur auf eigene Gefahr erlaubt, trotzdem könnten zum Beispiel wieder mit Bojen gekennzeichnete Nichtschwimmerbereiche für mehr Sicherheit sorgen, sagt Gerhard Kaergel. Hilfreich wären auch mehrsprachige Schilder, auf denen die Badeordnung zu lesen ist. Angesichts der wachsenden Zahl von Flüchtlingen, die oft nicht schwimmen könnten, sei das dringend geboten. Ohnehin wünscht sich der ehemalige Chef der hiesigen Wasserwacht wieder eine stärkere Überwachung am Senftenberger See. Gesetzlich sei eine Aufsicht bei regem Badebetrieb, ähnlich wie in Schwimmbädern, sogar vorgeschrieben. "Das widerspricht sich hier etwas", sagt er.

Zum Thema:
31 Menschen sind im vergangenen Jahr in Brandenburgs Gewässern umgekommen (26 Männer, fünf Frauen). In Bayern ertranken 91 Menschen. Deutschlandweit kamen im Vorjahr 537 Menschen durch Ertrinken ums Leben. Am Senftenberger See, wo Baden auf eigene Gefahr gilt, starben zwei Menschen. Die Senftenberger DRK-Wasserwacht mit der Station in Großkoschen arbeitet im Auftrag des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg.