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Wasserverband in Warteschleife

Senftenberg. Die Wasserpreise betreffend vermeldet Dr. Roland Socher, der Vorsteher des Wasserverbandes Lausitz (WAL), weiter absolut ruhiges Fahrwasser. Kathleen Weser

Die Gebühren und Beiträge bleiben stabil. Doch der Versorger ist in Turbulenzen geraten - auf bürokratischem Terrain. Zeitaufwendig ist das Problem nun zwar umschifft, aber deshalb noch nicht ausgestanden.

Die Baustelle am Wasserwerk Tettau, das erweitert werden muss, wird in dieser Woche eröffnet. Mit mehr als drei Monaten Zeitverzug. Zwar war der Antrag auf eine Förderung des 8-Millionen-Euro-Projektes pünktlich gestellt worden. Doch in den Amtsstuben des Landes Brandenburg ist die Richtlinie überarbeitet und im Januar verspätet in Kraft gesetzt worden. Einen Tag nach Veröffentlichung der neuen Messlatte für die Investitionshilfe ist das gut vorbereitete Antragspaket vom Wasserverband sofort an die Investitionsbank Land Brandenburg (ILB) geschickt worden. Fünf Tage später flatterte im Senftenberger Verbandssitz die Nachricht ein, dass auch neue Antragsformulare verwendet werden müssten - die noch nicht vorlagen. Bis Mitte Februar trocknete dann die Tinte noch auf den amtlichen Formularen.

Den straffen Zeitplan vor Augen hatte der Wasserverband das Baulos, das die "Bauvorbereitenden Maßnahmen" beinhaltete, aus dem Förderantrag eliminiert, um beginnen zu können. Denn Mitte März war der Baustart geplant, die Vergabeentscheidungen an die Firmen waren getroffen - aber kein Auftrag konnte ausgelöst werden wegen der ausstehenden Förderentscheidung in der bürokratischen Warteschleife. Da die Aussicht auf die Landeshilfe für einen Wasserwerk-Erweiterungsbau äußerst gering sind, hat der Verbandsvorsteher in Zeitnot dem Vorstand schließlich erklärt: Die Aufträge werden auch ohne Förderbescheid ausgelöst. Just an diesem Tag im Mai ist der vorzeitige Baustart in Potsdam genehmigt worden. Doch der Bagger stand trotzdem weiter.

Denn das bauausführende Unternehmen muss für das notwendige Absenken des Grundwassers auf der Baustelle eine wasserrechtliche Erlaubnis beim Landkreis Oberspreewald-Lausitz beantragen. Das war im Februar geschehen. Und gut ein Jahr waren die Prämissen im Bauantrag bereits einvernehmlich vorbesprochen worden. Doch plötzlich wurde hier eine "standortbezogene Umweltverträglichkeitsprüfung" für das temporäre Trockenhalten der Baugrube erwogen - und für notwendig erklärt. Um den Akt zu verkürzen, wurde schließlich ein Pumpversuch in Tettau gestartet. Ergebnis: Mehr als 2000 Kubikmeter Grundwasser müssen pro Tag weggeschafft werden, um bauen zu können. Das ändert alles: Denn in der Größenordnung entscheidet wiederum die Landeswasserbehörde, die natürlich einen neuen Antrag erwartete. Ende vergangener Woche kam die Erlaubnis, die Brunnen bohren zu dürfen. Endlich, aber zu spät, um die Betonarbeiten vor dem Winter zu stemmen. Der Bauzeitplan ist gesprengt. Aber jetzt geht es los.

Zum Thema:
Der Wasserverband Lausitz (WAL) hat in den vergangenen zehn Jahren wegen des stetig anhaltenden Bevölkerungsschwundes von zwei Prozent pro Jahr viele Kunden verloren - aber trotz rückläufigen Trinkwasserabsatzes den Verschuldungsgrad deutlich gesenkt. Auch das jüngste Jahresergebnis ist wieder leicht gesteigert worden - auf 3,8 Millionen Euro. Vor 15 Jahren lag es noch bei 1,7 Millionen Euro. Entscheidend für das gute Ergebnis ist die Zinsentwicklung. Die kreditfinanzierten Investitionen, die in den 25 Jahren des Bestehens des Verbandes auch den Mut der kommunalen Mitglieder erfordert haben, zahlen sich aus. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser ist von 91 auf 100 Liter pro Tag gesteigert worden. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 120 Litern pro Nase und Tag.