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Wasserturm auf dem Paradiesberg vor vier Jahrzehnten gesprengt

Hörlitz.. Vor 40 Jahren wurde der Wasserturm auf dem damaligen Paradiesberg in Senftenberg-West gesprengt. Mit einer Höhe von 42,8 Metern war er nicht nur ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt, sondern auch ein bedeutendes wasserwirtschaftliches Bauwerk inmitten des Niederlausitzer Bergbaureviers. Hans Hörenz

Seit dem vorigen Jahr lenkt einige hundert Meter vom damaligen Wasserturm-Standort entfernt ein neuer Aussichtsturm die Blicke auf sich.
Heute vor genau vier Jahrzehnten, am Nachmittag des 20. Januar 1965, verschwand der Wasserturm von der Bildfläche. Er musste dem sich zügig ausdehnenden Tagebau Meuro weichen.
Am 1. April 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, war dieser Gigant als Bismarck-Turm eingeweiht worden. Der zwei Jahre zuvor gegründeten Niederlausitzer Wasserwerksgesellschaft mit Sitz in Senftenberg diente der aus Eisenbeton und Ziegelmauerwerk errichtete Turm, der in seinem Inneren 350 Kubikmeter Trinkwasser fasste, der Verbesserung der Druckverhältnisse bei der Wasserversorgung in den Gemeinden Schip-kau, Klettwitz und weiterer Ortschaften.
An den vom Architekten A. Bender entworfenen, 1914 eingeweihten und nach einer Betriebsdauer von nur 50 Jahren gesprengten Wasserturm erinnern sich auch heute noch viele Ältere aus dem einstigen Senftenberg-West und Hörlitz, wie Werner Lehmann, Rudi Mittrach, Erhard Kalus oder Werner Wolf. Sie wohnen zwar längst woanders, greifen aber solche Themen aus der Kinder- und Jugendzeit bei ihren Hörlitzer Schultreffen gern auf. Immerhin hatten sie einst auf dem Wege zum Spielen in den „Hörlitzer Alpen“ , beim Rodeln auf dem Paradiesberg oder beim Besuch der Tanzveranstaltungen in der Gaststätte „Paradies“ auch immer den in die Höhe ragenden Wasserturm vor Augen.
Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass viele die letzten Minuten des Bauwerkes miterleben wollten. Der Wasserturm stand nur noch 60 Meter von der Tagebaukante entfernt und fiel dank der Kunst der Sprengmeister in der vorgegebenen Richtung. Die Spezialisten vom Spreng- und Bergungsbetrieb Dresden, so schrieben danach die Tageszeitungen über das Geschehen, hatten eine präzise Arbeit geleistet.
Der Turm als bedeutende wasserwirtschaftliche Anlage stand einst am Anfang der Geschichte der Niederlausitzer Wasserwerksgesellschaft mbH, die zwei Jahre nach ihrer Gründung am 29. Februar 1912 auch mit der Trinkwasserförderung in den Wasserwerken Buchwalde und Dolsthaida (Lauchhammer-Süd) begonnen hatte. Das frühere Bergbauhaus am Dubinaweg in Senftenberg, heute Landratsamt, war später der Sitz der „NWG“ . Heute setzt der Wasserverband jene Arbeit fort, die für Bevölkerung und Wirtschaft lebensnotwendig ist.
Nahe des am 7. April 2004 eingeweihten 33,5 Meter hohen Aussichtsturmes und nur Schritte vom historischen Stolln-Mundloch „Meurostolln“ entfernt, werden die Besucher auf einer Tafel über die beiden Türme informiert. Wer die 144 Stufen des umstrittenen Aussichtsturmes erklommen hat, dem eröffnet sich ein Blick bis nach Schwarze Pumpe, zu den Kamenzer Bergen und natürlich zum nahen Lausitzring. Das ist kein Vergleich mehr zu jeder Landschaft, die einst vom gesprengten Wasserturm aus zu sehen war. Es hat sich alles verändert.