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Wassernotstand in Schipkau behoben

Eine Muffe der Trinkwasserhauptleitung für Schipkau hat den Geist aufgegeben. Für die Reparatur ist der Hahn für Stunden abgestellt worden.
Eine Muffe der Trinkwasserhauptleitung für Schipkau hat den Geist aufgegeben. Für die Reparatur ist der Hahn für Stunden abgestellt worden. FOTO: Rasche/str1
Schipkau. Wegen eines Rohrschadens wird einem ganzen Dorf am Sonnabend über mehrere Stunden das Wasser komplett abgedreht. Auf der eiskalten Baustelle wird daher zügig und routiniert gearbeitet. Kathleen Weser

In der Schipkauer Talstraße rückt die Mannschaft der Betriebsgesellschaft des Wasserverbandes Lausitz (WAL-Betrieb) um Vorarbeiter Harald Gregor (61) aus Klettwitz nach dem langen Frühstück der Bewohner an einer noch unscheinbaren Problemzone an. Dass Wasser aus der einzigen Hauptleitung austritt, die vom Wasserwerk Pößnitztal in den Ort führt, ist schon Tage zuvor mit Sorge registriert worden. Das Nass hatte die Verkehrsader aufgeschwemmt, war von den Spatzen als Badestelle genutzt und so entdeckt worden.

Im Normalfall wird zur Nacht, bewusst in Zeiten mit geringer Wasserabnahme, repariert. Das bestätigt Harald Gregor. "Wir sind daran gewöhnt, dass es morgens um 3 Uhr so richtig kalt wird. Der Sonnenaufgang ist dafür oft toll", erklärt der 61-Jährige, der das riesige Versorgungsnetz von Tettau nach Großthiemig und weiter nach Ort rand bis Großkoschen und Neupetershain, nach Lieske und weiter bis Göllnitz und Lieskau seit 25 Jahren mit flott und damit am Laufen hält. "Ich mache meine Arbeit gern", bestätigt die ausgesprochene Klettwitzer Frohnatur. Die Nachtfröste lassen die Arbeiten derzeit nur am Tage zu. Deshalb herrscht planmäßig Wassernotstand im Ort. Beobachter an der Baustelle sind des Nachts freilich auch höchst selten. In Schipkau wird den Bauleuten am Sonnabend nun über die Schulter geschaut. "Das macht leicht nervös", gesteht Harald Gregor schmunzelnd. Auch Paul Nowack, ein Schipkauer Urgestein, schaut vorbei. Er liefert die Tageszeitung in der Nachbarschaft zur Nachnutzung ab. 51 Jahre lebt er in der Siedlung.

Punkt 10 Uhr werden die Absperrhähne um die Austrittsstelle zugedreht. Baggerfahrer René Walther bringt die Schaufel des Arbeitsgerätes in Stellung. Die schadhafte Stelle der Wasserleitung muss schnell, aber sehr vorsichtig freigelegt werden. Das ist eine Sache weniger Minuten. Der feine Kies unter der mageren Schicht Humus in der Baugrube ist nass. Martin Tengg legt die Leitung schließlich mit dem Spaten frei. Die Gummistiefel halten zwar das Wasser, das ausströmt, ab - die Füße aber schon lange nicht mehr warm. "Das gehört dazu", sagt er schlicht. Mit stabil acht bis neun Grad Celsius fließt das Trinkwasser aus der Leitung.

Die alte Muffe, die in der frostigen Erde den Geist aufgegeben hat, wird sichtbar - und fällt zur Hälfte vom Rohr ab. Die Männer legen die Leitung auf wenigen Metern vollständig frei. Gut zwei Meter müssen später herausgetrennt und mit einem Polyethylenrohr (PE) ersetzt werden.

Gut eine Stunde geht aber zuvor noch ins Land. Auf 500 Metern muss die Trinkwasserleitung mit dem Durchmesser von 250 Millimetern erst einmal vollständig entleert werden. Etwa 100 Kubikmeter glasklaren Trinkwassers werden an der Schadstelle abgepumpt, die mit einem geübt eingeschlagenen Keil dafür vergrößert wurde. Über 90 Meter Schlauchleitung wird das Nass abtransportiert. Das leer gelaufene Asbest-Zement-Rohr wird dann auf gut zwei Metern aus der betagten Leitung, die übrigens erst zum zweiten Mal havariert hat, herausgesägt. Unter besonderem Schutz der Atemwege. Das Rohrstück, das Krebs erregende Stoffe aus dem Material freisetzen kann, wird von Bernd Maling sofort sicher in Plastik verpackt. Es muss umgehend als Sonderabfall entsorgt werden. Und das neue Rohrteil aus thermoplastischem Kunststoff muss akkurat in die Asbest-Zement-Leitung eingefügt werden. Zwei Mehrbereichsmuffen mit Klemmsegmenten verbinden die auch unterschiedlich starken Materialien fest und sicher. "Das war die leichtere Übung", konstatiert Harald Gregor. Gut drei Stunden nach dem Absperren des ersten Schiebers ist der Schaden an sich gegen 13 Uhr bereits behoben. Die Grube wird verfüllt - und die Leitung wieder in Betrieb genommen. Das ist der schwierigere Part. Denn die Leitung muss korrekt entlüftet werden, um weitere Brüche zu verhindern. Das wieder in die Leitung laufende Wasser verdrängt die Luft, die bei der Reparatur zwangsläufig eingetreten ist. Die muss entweichen. Harald Gregor und Bernd Kiethe sind mit dem Entlüften noch bis zum Abend voll beschäftigt. Schipkau hat da längst wieder Trinkwasser.

Zum Thema:
Schipkau wird von der Druckerhöhungsstation Pößnitztal über eine Asbest-Beton-Leitung mit Trinkwasser versorgt. Der Strang wurde im Jahr 1958 gebaut, nachdem das Wasserwerk an der Autobahnauffahrt Klettwitz stillgelegt worden war. Der Trinkwasserbedarf im Ort stieg mit den Ersatzwohnungen für Lausitzer, deren Dörfer dem Kohleabbau weichen mussten.Der Wasserverband Lausitz (WAL) hat die Druckerhöhungsstation im Jahr 2000 - auch für den Lausitzring - komplett erneuert. Vor fünf Jahren wurde ein neuer Zwischenspeicher errichtet, der die alten Wasserkammern aus dem Jahr 1922 ersetzt.

Die Schadstelle ist repariert. Die neuen Muffen namens Multi Joint werden festgemacht.
Die Schadstelle ist repariert. Die neuen Muffen namens Multi Joint werden festgemacht. FOTO: Steffen Rasche/str1