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„Wasser marsch“ und Dreck am Kopf

Senftenberg.. 36 Jahre lang war Walter Stecklina Angehöriger der Senftenberger Berufsfeuerwehr und hat als ehemaliger Leitungsoffizier Einblick in viele interessante Vorkommnisse der vergangenen Jahrzehnte. So erinnert er zum Beispiel an Ereignisse, über die zu DDR-Zeiten in der RUNDSCHAU nicht berichtet werden durfte


Die Sportbegeisterung in Senftenberg und Umgebung war dann besonders groß, wenn auf der 1000 Meter langen „Bahn des Friedens“ die Stahlschuhmatadoren ihr Können zeigten. Abseits der Calauer Straße, zwischen Senftenberg und dem ehemaligen Ort Rauno, war eine Sandpiste angelegt, die auch im Sommer 1953 für viele tausend Zuschauer ein echter Anziehungspunkt sein sollte. Natürlich wurde das Kommando der Senftenberger Feuerwehr zu diesem Sandbahnrennen eingesetzt. Brandposten sicherten die Rennstrecke ab. Und auch das Fahrerlager, wo Kraftstoff lagerte und schnell Reparaturen durchgeführt wurden, gehörte in den brandschutztechnischen Zuständigkeitsbereich der Kameraden aus der Kreisstadt.

Mit dem Strahlrohr aufm Kotflügel
Das Tanklöschfahrzeug „SIL“ mit 2000-Liter-Wassertank wurde in Abstimmung mit dem Rennleiter Werner Schuster zum Einsprühen der Sand- und Schlackenpiste eingesetzt. Mit einem C-Strahlrohr saß ein Feuerwehrmann auf dem Kotflügel des „SIL“ und sprühte während der Fahrt die Rennstrecke ein. Aber man merkte schnell, dass dies nicht die richtige Lösung ist. Kurz entschlossen wurde vom Oberfeuerwehrmann Johannes Mummert eine Sprühvorrichtung gebaut. Da das Tanklöschfahrzeug eine Vorbaupumpe hatte, konnte man die Sprühvorrichtung direkt anbauen und hatte so die Möglichkeit, die Hälfte der Bahnbreite zu bewässern. Etliche Tankfüllungen wurden zum Einsprühen der Bahn mit den erhöhten Nord- und Südkurven benötigt. Standort des Fahrzeuges war die Aus- und Einfahrt zur Rennpiste und zum Fahrerlager.
Trotz großer Mengen von Wasser, die nach jedem Rennen auf die Piste kamen, war die Bahn bei sommerlichen Temperaturen bald wieder trocken und die Zuschauer direkt an der Rennbahn bekamen bei über 100 Sachen Renngeschwindigkeit den schwarzen Schlackensand und den Kohlenstaub an Körper und Gesicht zu spüren.

Tödlicher Unfall im Seitenwagen
In der Nord- und Südkurve, da wo die Rennfahrer mit den schräg gestellten Vorderrädern der Rennmaschinen oder die Seitenwagengespanne (hier verunglückten August Simon und Lydia Heller durch Bruch der Seitenwagenachse tödlich) vorbeifuhren, war der Schlackenwurf sehr stark. Mit verschmutzten Gesichtern traten die Zuschauer begeistert den Nachhauseweg an. Schließlich hatten die Senftenberger Fahrer Hans und Walter Rose sowie Bruno Tamm und Werner Graf, aber auch national und international bekannte Starter wie Zierk, Dannmeyer oder Hofmeister wieder ihr Bestes gegeben. Gleiches kann von der Senftenberger Berufsfeuerwehr behauptet werden. Zu Bränden kam es beim Rennen und im Fahrerlager aber glücklicherweise nicht.