ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:13 Uhr

Direktvermarktung boomt bei Großräschens Bauern
Was hier wächst, wird auch hier verkauft

Den letzten Nagel im Gebälk der neuen Lagerhalle hat beim Richtfest am Donnerstag Mario Weber vom Genossenschaftsvorstand als Bauherr eingeschlagen. Der Bau soll noch in diesem Monat vollendet werden. Der Lagerplatz wird für die Direktvermarktung von Stroh und Heu dringend benötigt.
Den letzten Nagel im Gebälk der neuen Lagerhalle hat beim Richtfest am Donnerstag Mario Weber vom Genossenschaftsvorstand als Bauherr eingeschlagen. Der Bau soll noch in diesem Monat vollendet werden. Der Lagerplatz wird für die Direktvermarktung von Stroh und Heu dringend benötigt. FOTO: Steffen Rasche
Großräschen. Möhren, Kartoffeln, Hafer, Weizen und Erbsen - was auf Großräschens Feldern angebaut wird, wird auch in Großräschen verkauft. Der Ab-Hof-Verkauf boomt bei der Agrargenossenschaft, die Nachfrage steigt. Mit einer neuen 1600 Quadratmeter großen Lagerhalle wird noch mehr Platz geschaffen fürs Einkaufen auf dem Bauernhof. Von Andrea Budich

Vom Acker ohne Umwege zum Kunden: Die Direktvermarktung der Großräschener Bauern boomt. So kurz kann die Erfolgsgeschichte der Agrargenossenschaft Großräschen beschrieben werden. Damit sie weitergeht, ist eine neue Lagerhalle direkt neben dem Hofladen im Bau.

Die Nachfrage der Kunden entscheidet bei Großräschens Bauern darüber, was auf den Feldern angebaut wird. Bei den Speisekartoffeln gehen übers Jahr um die 400 Tonnen über den Verkaufstisch im Hofladen. Die Renner bei den Kunden sind dabei die 2,5-, fünf- und 12,5-Kilogramm-Säcke. Bei den Erdäpfeln haben die Hofladen-Kunden die Qual der Wahl zwischen insgesamt sieben Sorten. „Wir probieren ständig neue Sorten aus, um herauszufinden, was dem Geschmack der Kunden am besten entspricht“, erklärt Günter Kockro, seines Zeichens Chef der Pflanzenproduktion in der Agrargenossenschaft. Erstmals aufs Feld gestellt wird deshalb in diesem Sommer die mehligkochende „Nixe“. Wenn sie später im Hofladen gut bei den Kunden ankommt, könnte sie die Nachfolge der berühmten Adretta antreten.

Reagiert haben Großräschens Bauern auch auf die steigende Nachfrage nach rotschaligen Kartofflen. Die „Laura“ und „Birgit“ gehören deshalb zum Stamm-Sortiment.

Die Frühkartoffeln indes liegen in Großräschen bereits für die Saison 2018 in der Erde. Im zweiten Jahr unter Flies, das die Kartoffeln wie ein wärmendes Betttuch schützt. Das weiße federleichte Tuch fängt die Sonne ein und bewirkt so eine frühere Erwärmung des Bodens. Die Auskühlung über Nacht wird zudem wesentlich gemindert. Mit vier bis fünf Grad Celsius ist der abgedeckte Acker wärmer als unbedeckte Schollen. „Die Kartoffeln können so richtig Gas geben“, sagt Kockro. Mit einem Erntestart rechnet er ab Ende Juni“ - wohlwissend, dass die Kundennachfragen ab Mai stetig ansteigen nach den ersten eigenen Kartoffelen.

Mit der vorwiegend festkochenden Sorte „Solist“ haben sich Großräschens Landwirte für die früheste unten den Frühkartoffeln entschieden. Von den 1,2 Hektar werden im Schnitt 200 Dezitonnen eingefahren. Dem Kundenwunsch entsprechend werden die Knollen zeitig vom Feld geholt, damit sie zu Quark und Leinöl nicht zu groß ausfallen.

Eine Erfolgsgeschichte sind auch die knackigen Schmogroer Möhren. Nach der Sensationsernte von 300 Tonnen im letzten Herbst konnten sie bis in den Februar hinein je nach Kundenwunsch frisch vom Feld in den Hofladen geholt werden. „Die Leute fragen jetzt noch nach unseren Möhren“, bestätigt Kockro, dass die Nachfrage gar nicht abreißt.

Die Möhren sind für Großräschens Agrargenossenschaft so etwas wie ein Exportschlager. Ihr Anbau ist in der Lausitz selten geworden, weil er aufwendig ist und spezielle Technik erfordert, deren Anschaffung sich für wenige Hektar nicht lohnt. Andere bäuerliche Betriebe kaufen ihren Möhrenvorrat daher in Großräschen ein. Kleintierhalter kommen bis aus Forst, Bautzen, Cottbus und Finsterwalde. Sie nehmen die Möhren lose kiloweise mit oder abgesackt bis zu zehn Zentnern. Für Nachschub muss daher dringend gesorgt werden. Die Möhren-Aussaat ist derzeit schon wieder in Vorbereitung.

Unter Dach und Fach hingegen ist seit Donnerstag die Frühjahrsbestellung bei der Sommergerste, Hafer, Lupine, Futtererbsen und Sonnenblumen. Seit Freitag läuft die Bestellung von Silo- und Körnermais. Mit 150 Hektar ist der Mais im Frühjahr die Hauptkultur auf den Großräschener Schlägen.

Unterm Strich haben Großräschens Bauern mit der Direktvermarktung ab 1990 aufs richtige Pferd gesetzt. „Mit ihr können wir bessere Preise erzielen und uns auch unter schwierigen Bedingungen am Markt behaupten“, bestätigt Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Kupz.

Mit dem großzügigen Hallenneubau soll das sichere Standbein der Direktvermarktung weiter gestärkt werden. Rund 400 000 Euro hat die Agrargenossenschaft dafür investiert, knapp die Hälfte davon ist über ländlliche Fördermittel finanziert.

Direkt neben dem Hofladen gebaut, können in ihr alle selbst erzeugten Produkte vor dem Verkauf zwischengelagert werden. Dann ist auch ausreichend Platz für das bisher in Meuro zwischengelagerte Heu und Stroh, das von Kleintierhaltern besonders geschätzt wird. Die ersten Paletten sollen möglichst noch im April in die fertiggestellte Halle geschoben werden.