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| 06:30 Uhr

Der Rundschau Adventskalender
Warum die Lutherkirche keine Glocken hat

 Pfarrer Heinrich Müller schildert die Geschichte der Altlutherischen Kirche in Senftenberg.
Pfarrer Heinrich Müller schildert die Geschichte der Altlutherischen Kirche in Senftenberg. FOTO: LR / Daniel Roßbach
Senftenberg. Im RUNDSCHAU-Adventskalender geht jeden Tag eine Tür auf, und wir schauen, was dahinter liegt. Heute: die Altlutherische Kirche in Senftenberg. Von Daniel Roßbach

Stellt man sich eine typische Kirche vor, gehört dazu auch ein Turm mit Glockengeläut. Sowohl Glocken als auch Turm fehlen der Senftenberger Lutherkirche. Das liegt teils daran, dass die kleine Lutherische Gemeinde zur Zeit ihres Baus vor der Weihe am ersten Advent 1900, nicht allzu wohlhabend war. Die fehlenden Glocken sind aber auch eine Folge der politischen Situation der Gemeinde. Denn Lutherische Kirchen durften damals keine Glocken haben, erklärt Pfarrer Hinrich Müller.

Dass in Preußen in den 1830er- Jahren Lutherische Christen unter Repressionen zu leiden hatten, gehört zu den unbekannteren Episoden religiöser Verfolgung. Nachdem sie sich weigerten, sich wie vom preußischen Staat verlangt, mit der Reformierten Kirche zusammenzuschließen, wurden unter König Friedrich Wilhelm III. Pfarrer beider Konfessionen inhaftiert. Die Kirchen blieben trotzdem bei ihren Standpunkten etwa in der Theologie des Abendmahls – die Lutheraner sind hier näher am katholischen Verständnis – und wehrten sich gegen den Zusammenschluss. Als der Konflikt zwischen Staat und Kirche beigelegt wurden, geschah das unter der Auflage, dass die Luthe­rischen Kirchen unauffällig sein mussten und keine Glocken haben durften.

Dem entspricht das bescheidene Gotteshaus, das in der Wehrstraße mitten zwischen Plattenbauten steht. Die Gemeinde hat heute aber nur noch 25 Mitglieder: Auch hier machen sich Demographie und Säkularisierung bemerkbar. Deshalb kooperiert man heute ironischerweise doch mit anderen protestantischen Kirchen. Die Stelle für diese Zusammenarbeit heißt aber nicht Union, sondern Allianz.