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Gesundheit
Wartezimmer vor Grippewelle leer

Senftenberg. Beste Zeit für Schutzimpfung ist jetzt. Amtsarzt empfiehlt die Spritze der Generation 60 plus. Von Josephine Japke

Anne Krönich aus Senftenberg hat kein Problem damit, für ein paar Minuten im Wartezimmer Platz zu nehmen. Um gesund zu bleiben, sei das ein kleines Übel. „Ich lasse mich jedes Jahr impfen. Es schadet ja niemandem und vor allem meiner Gesundheit nicht.“ Doch als sie in den Behandlungsraum geht, ist das Wartezimmer leer und das ist das Problem: Zu wenige Menschen denken so, wie sie.

Ein Problem, das auch Amtsarzt Dr. Klaus Bethke kennt: „Es muss erst eine große Grippewelle, womöglich noch mit Toten, in der Zeitung oder im Fernsehen erwähnt werden, bevor Menschen die Dringlichkeit erkennen und sich impfen lassen. Gerade aus der Risikogruppe kommen zu wenige her.“

Zu der Gruppe Menschen, die besonders häufig von der Grippe betroffen sind, gehören nicht nur Schwangere und Menschen mit häufigem Personenkontakt. Vor allem ab 60-Jährige und chronisch Kranke, deren Immunsystem häufig geschwächt ist, können sich leicht mit der Influenza anstecken.

Also auch Anne Krönich. Sie ist 67 Jahre alt, Rentnerin und nicht mehr ganz so gut zu Fuß. Trotzdem war der Weg ins Gesundheitsamt für sie Pflicht. „Als Rentnerin habe ich doch die Zeit und frische Luft ist gesund.“ Manfred Schmidt (80) aus Senftenberg sieht das genauso: „Ich lasse mich jedes Jahr bei meinem Hausarzt impfen und werde nie krank.“

Hannelore Hillmer (61) aus Senftenberg gehört ebenfalls zu der Risikogruppe. Trotzdem lässt sie sich nicht impfen: „Ich habe mich jahrelang nicht impfen lassen und war jahrelang nicht krank. Warum sollte ich mich jetzt gegen die Grippe impfen lassen?“

Mit dieser Meinung steht Hannelore Hillmer nicht allein da. Laut Datenanalyse des Robert Koch-Institutes lassen sich deutschlandweit nur 37 Prozent der über 60-Jährigen impfen - die empfohlene Impfquote liegt allerdings bei 75 Prozent. Viele haben Angst vor Nebenwirkungen oder davor, dass die Impfung die Krankheit erst auslöst.

Dr. Bethke hält das allerdings für Quatsch: „Jedes Jahr impfen wir mehr als 300 Leute und keiner davon kommt wegen Nebenwirkungen zurück. Der Impfstoff ist nahezu perfektioniert, weshalb die Angst unbegründet ist.“ Aber natürlich schütze die Grippeimpfung nicht vor einer Erkältung, die viele leicht verwechseln würden.

Trotzdem hat Bethke auch für Impf-Muffel ein paar einfache Tricks parat, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen können. Mehrmals täglich die Hände gründlich mit Seife waschen, gesunde und vitaminreiche Ernährung und genügend Schlaf können das Ansteckungsrisiko verringern. „Natürlich fällt es älteren Personen schwerer, Sport zu treiben. Aber ein paar Minuten spazieren gehen und sich gesund ernähren, hält den Körper fit und kurbelt den Stoffwechsel an“, erklärt der Amtsarzt.

Wer glaubt, er könne mit Vitamintabletten schummeln, liegt allerdings falsch: „Vitamintabletten tun nichts, außer unser schlechtes Gewissen zu beruhigen,“ sagt er lachend. Wirklich helfen kann wohl nur die Impfung.