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| 02:45 Uhr

Warteschlangen und Nachtflaute am Räschener Beckenrand

Lena Wiese (13/vorn) schafft 600 Bahnen und wird mit 15 Kilometern im Wasser die beste Räschener Schwimmerin. Michael Jacobi führt mit zwei Bahnen mehr (15,05 Kilometer) als bester Schwimmer die Ergebnisliste an.
Lena Wiese (13/vorn) schafft 600 Bahnen und wird mit 15 Kilometern im Wasser die beste Räschener Schwimmerin. Michael Jacobi führt mit zwei Bahnen mehr (15,05 Kilometer) als bester Schwimmer die Ergebnisliste an. FOTO: Kati Kiesel
Großräschen. Punkt Null Uhr springen die Startschwimmer der GutsMuths-Grundschule Großräschen am Sonnabend ins Wasser des Freibades. Das ist Tradition. Das 20:17-Stunden-Schwimmen beginnt zeitgleich in weiteren sechs Lausitzer Bädern - im benachbarten Altdöbern, in Calau, Vetschau, Finsterwalde, Luckau und in Forst. Die Stimmung im Freizeit- und Erholungszentrum Großräschen ist toll. kw/uhd

Am Beckenrand schwatzen vor den Startblöcken Kinder, junge Leute und mitfiebernde Erwachsene - wartend auf den Einsatz im mit 21 Grad Celsius kalten Wasser. Das hat leicht weniger als die Wohlfühltemperatur von 23 Grad Celsius, bestätigt Schwimmmeister Uwe Schwingeweitzen. In den frühen Morgenstunden, in denen die Familien doch von der Müdigkeit übermannt, den Schauplatz des Wettstreits verlassen, werde seine Frau als einsame gute Schwimmerin ins Geschehen eingreifen.

Doch noch heißt es Anstehen vor den Startblöcken. Und Thomas Büssel registriert fröhlich schmunzelnd die Warteschlange. Er ist vor drei Jahren der Arbeit wegen aus Niedersachsen nach Schwarzheide gekommen. Als Wohnort hat ihm Großräschen sofort gefallen. Die erlernte und offensichtlich auch an den Nachwuchs weitergegebene Geduld seiner Mitbürger haben die Flüchtlinge, die er ehrenamtlich begleitet, nicht. Sie fiebern ihrem Einsatz entgegen. Und Thomas Büssel stellt sichtlich stolz fest, dass einer seiner Schützlinge aus Libyen sich im Nass schon super schlägt.

Den sozialdemokratischen Wettstreit im Becken gewinnt übrigens Bürgermeister Thomas Zenker vor dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Roick. Letzterer hatte zum Start des Spektakels um Mitternacht vorgelegt und war morgens nochmals zu einer zweiten Runde angetreten. Das Stadtoberhaupt indes hatte wohl geruht und ihn am Abend in der Aufholjagd gegen die Zeit und die starken Mitbewerber klar überrundet. Mit 361 Gesamtkilometern wird Großräschen zwar nur Vorletzter. Aber das bleibt bei allem sportlichen Ehrgeiz trotzdem Nebensache. Ein weiteres schönes Schwimmfest ist Geschichte: Vom Wettstreit über die alkoholfreie Cocktailbar der Jugend, die Kartoffelsuppe überm Feuer im Zeltlager bis zum gemeinsamen Frühstück engagieren sich die Großräschener - ganz selbstverständlich.

Zum Thema:
Mit 497,1 Kilometern nehmen die Forster den Spitzenreitern der vergangenen beiden Jahre aus Finsterwalde (449,3 Kilometer) an diesem Wochenende den Sieg ab. Vetschau holt den dritten Platz mit 442 Kilometern. Altdöbern (439,3), Luckau (438,3), Großräschen (361,0) und Calau (329.8 km) folgen. Für Großrä schen ist dies die bisher geringste Kilometerzahl (2012: 374 Kilometer). Die 156 Schwimmer haben alles gegeben. Im Jahr 2014 erreichten 160 Starter indes schon satte 403 Kilometer und Rang 1.