"Etwa 50 Prozent der Fische sind bereits ins Meer abgewandert, die andere Hälfte dürfte im Frühjahr abwandern", so die Aussage des Diplom-Fischerei-Ingenieurs. Im vorigen Herbst habe man ein Kontrollfischen durchgeführt. Dabei sei festgestellt worden, dass die Lachse gut gewachsen sind. Ihre durchschnittliche Länge betrage zwischen 15 und 17 Zentimeter. "Im Vergleich zum Stepenitz-System, wo seit 1999 Lachse angesiedelt werden, sind sie in der Pulsnitz aber relativ schlank. Das liegt am geringen Nahrungsangebot in den Flussbereichen, die sehr sandig sind", erklärt Steffen Zahn.

Sind die Lachse erst einmal abgewandert, heißt es warten und hoffen, denn erst nach mindestens einem Winteraufenthalt im Meer kommen die Fische zum Ablaichen zurück. Innerhalb dieses einjährigen Aufenthalts im Nordatlantik, bei dem die Lachse bis Island ziehen – eine so genannte Mastwanderung – fressen sich die Atlantischen Lachse zwei bis drei Kilo an.

Steffen Zahn rechnet "theoretisch" frühestens im Herbst diesen Jahres damit, dass die ersten Lachse zum Ablaichen in der Pulsnitz und Schwarzen Elster auftauchen könnten. "Sie dürfen jedoch nicht geangelt werden. Da Junglachse aber sehr beißfreudig sind, ist es durchaus möglich, dass sie gefangen werden. Die Angler sollten die Fische, auch wenn sie zwischen 60 und 70 Zentimeter groß sein dürften, wieder ins Wasser setzen", so die Bitte des Fischexperten.

Es ist gut möglich, dass man im Herbst Lachse bei ihrer Wanderung flussaufwärts beobachten kann. Unter anderem auf den Fischtreppen des neuen Elsterwehrs bei Bad Liebenwerda. "Hier dürften die Lachse aufgrund der guten Passierbarkeit nicht springend zu beobachten sein, aber am Pulsnitz-Wehr bei Kotschka könnte dies der Fall sein", kündigt Steffen Zahn an. Aufgrund der Unpassierbarkeit wolle man hier im Herbst die Fische einfangen, um sie dann bis in die Region um Kroppen zu fahren und wieder auszusetzen.

Hier, unterhalb von Kroppen, sowie in der Königsbrücker Heide befänden sich die Laichhabitate in der Pulsnitz. In der Elster, so Steffen Zahn, befänden sich auf brandenburger Gebiet keine Laichplätze. Diese lägen im Bereich Hoyerswerda und Kamenz. 30 bis 40 Kilometer können Lachse täglich auf ihrer Wanderung zurücklegen.

Da sie dabei auch zahlreiche Hindernisse zu überwinden haben, würden viele vor Entkräftung nach dem Ablaichen sterben. "Nur fünf bis zehn Prozent wandern ein zweites Mal ab", so Steffen Zahn. Daher sei man bestrebt, möglichst viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Beim neuen Wehr in Bad Liebenwerda sei dies sehr gut gelungen. Ähnliches wolle man auch bei den neu zu bauenden Wehr in Neumühl erreichen. Hierzu laufen gegenwärtig Absprachen zwischen dem Institut für Binnenfischerei und dem zuständigen Fischereipächter, dem Landesanglerverband.

"Im März oder April wollen wir gemeinsam mit dem sächsischen Anglerverband oberhalb von Kroppen nochmals 10 000 Jungfische in die Pulsnitz aussetzen", verrät der Fischexperte. Damit verfüge man in Brandenburg über zwei Gebiete, wo der Lachs wieder heimisch werden soll: Zum einen, im Stepenitz-System und zum anderen in der Pulsnitz. Darüber hinaus habe man im Jahr 2000 begonnen, Meerforellen in der Ucker bei Prenzlau auszusetzen.