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| 18:22 Uhr

Laufen für Schule im Tschad
Gehen, soweit die Füße tragen

Celine Machill (M.) ist an ihrem 19. Geburtstag beim 24-Stundenwandern gemeinsam mit ihrem Freund dabeigewesen. Sie startete für das OSZ-Lausitz, das Sozialarbeiter Mario Stefan (v.l.) angeführt hat.
Celine Machill (M.) ist an ihrem 19. Geburtstag beim 24-Stundenwandern gemeinsam mit ihrem Freund dabeigewesen. Sie startete für das OSZ-Lausitz, das Sozialarbeiter Mario Stefan (v.l.) angeführt hat. FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. Zum zweiten Mal hat das Lauf- und Spendenprojekt „Wasser Marsch“ gefruchtet. Wandern geht auch als Geburtstagsparty. Jugendliche laufen 1561 Kilometer. Von Peter Aswendt

Ein außergewöhnliches Projekt des Jugendamtes des Landkreises hat am Wochenende eine Schule im zentralafrikanischen Tschad unterstützt. Direkt in Krisengebieten helfen, das möchten viele sozial engagierte Menschen. Für das Projekt „Wasser Marsch“ des Jugendamtes hatte sich bereits im vorigen Jahr eine ganz konkrete Möglichkeit ergeben: „Wir haben Kontakt zu einem Sozialarbeiter, dessen Sohn im Tschad, in Zentralafrika, in einer Hilfsmission arbeitet“, beschreibt Steffen Lachmann, Sozialarbeiter beim Landkreis, den Werdegang.

Der Kontakt ist Fred Hocker, Sozialarbeiter und Gruppenleiter beim Zentrum „Jugend forscht“ in Lauchhammer. „Mein Sohn Simon hat mir von den Zuständen an der Schule Saar-Goyen erzählt“, erinnert sich Hocker. Vom Gedanken beseelt, etwas zu tun, was ohne Umwege als Hilfe bei den Betroffenen ankommt, wurde der Kontakt zum Senftenberger Jugendamt geknüpft. Heraus kam das Projekt „Wasser Marsch“, das dieses Jahr seine zweite Auflage erlebt. Mit der Premiere im vorigen Jahr wurde ein Unterrichtsraum finanziert. In diesem Jahr kommt ein weiterer dazu, es wird Geld für einen Trinkwasserbrunnen erlaufen.

Die Idee von Steffen Lachmann und seine beiden Mitstreiterinnen Anett Fiehn und Maren Reichelt ist simpel: Die Jugendlichen laufen in 24 Stunden so weit, wie ihre Füße sie tragen. Sponsoren aus dem täglichen Leben oder der Wirtschaft geben einen Betrag pro gelaufenen Kilometer und Teilnehmer.

Wer nicht die Strapazen einer Nachtwanderung auf sich nehmen wollte, konnte eine Runde um den Senftenberger See drehen, was immerhin einer Distanz von 18 Kilometern entspricht. Mehr als 60 Jugendliche aus Senftenberg, Großräschen, Calau, Altdöbern, Schipkau oder Lauchhammer meldeten sich zum Laufen für Spendengelder.

Namhafte Firmen, wie der Abwasserverband Lausitz und Vestas, honorierten die gelaufenen Kilometer der Jugendlichen mit entsprechenden Summen. Der Start für die 24-Stunden-Wanderer und die Seerunden-Läufer war der Senftenberger Stadthafen. Gemeinsames Ziel war am Samstag das Zelt des Vereins Harlekids in Brieske. Damit auch alles mit rechten Dingen zuging, wurde eigens eine GPS-App auf allen Handys installiert.

Bereits am Freitag gingen die 24-Stunden-Teams auf Tour. Den Startschuss gab Alexander Erbert, Dezernatsleiter Gesundheit, Jugend und Soziales beim Landkreis. Als erstes Team machte sich das Oberstufenzentrum (OSZ) Lausitz auf den Weg. Die zehn Mitstreiter aus Sedlitz und Lauchhammer hatten sich vorgenommen, dass die 40-Kilometer-Marke fällt. Unter den Wanderern war Celine Machill, die an diesem Tag 19. Geburtstag feierte. Statt Blumen und Torte gab es Wasser und eine Isomatte als Marschgepäck. Ganz pragmatisch lud die junge Frau auch ihren Geburtstagsgast ein: „Ich wollte gerne mit meinem Freund zusammen sein, jetzt laufen wir beide beim Projekt mit“, sagte sie lachend.

Für das OSZ standen beim Zieleinlauf trotz mobiler Geburtstagsparty 40,5 Kilometer zu Buche, was 782 Euro entspricht. Für sieben Teilnehmer von der Freien Jugendhilfe Niederlausitz Calau sollten es 35 Kilometer werden. Die 13- bis 15-jährigen Schüler gingen gemeinsam mit Sozialarbeiter Klaus Winzer auf den Marsch: „Wir wollen bis 22 Uhr laufen. Am nächsten Morgen geht’s gegen acht Uhr weiter“, beschrieb er die Handhabung. Heraus kamen 38 Kilometer: „Die Waden zwicken ganz schön, besonders am Morgen“, stöhnte Anna Diesner, die mit Zwillingsschwester Maja den Marsch absolvierte. Als die beiden 15-Jährigen Samstag gegen 16 Uhr bei den Harlekids ankamen, hatten sie mit ihrem Team 600 Euro erwandert.

Die verbrauchten Kalorien wurden beim Zieleinlauf am Samstag ersetzt. Mit Bratwurst und Grillkäse erwartete der Harlekids die Protagonisten. Das Projekt „Moco Bar“ überraschte mit schmackhaften, alkoholfreien Cocktails. Dass der „Wachmacher“, ein Cocktail aus Kirschnektar, Gingerale und Limettensirup besonderen Anklang fand, verwundert nicht. Die „Moco Bar“ ist ein OSL-Projekt zur Alkoholprävention bei Jugendlichen, das schon 35 junge Barkeeper in der Kunst des leckeren, alkoholfreien Cocktails ausgebildet hat.

Trotz kleiner Ermüdungserscheinungen und einiger Ausfälle wurden die Ergebnisse des Vorjahres knapp überboten. „Wir sind mit konstanter Teilnehmerzahl knapp über dem Vorjahresergebnis“, resümierte Steffen Lachmann. Insgesamt wurden 1561,26 Kilometer zurückgelegt. Das ergibt 3563 Euro, die direkt der Hilfsorganisation Diguna zugeführt werden, die vor Ort das Projekt „Wasser Marsch“ umsetzt.

2019 möchte das Team um Steffen Lachmann wieder an den Start gehen, dann hoffentlich wieder mit einem Lauf- und Spendenrekord.