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Brand mit Schutzwaffeneinsatz in Frauendorf
Waffen im Anschlag bei einem Großfeuer in Frauendorf

Mehrere Polizisten sind mit der Schusswaffe vor dem Grundstück in Stellung gegangen. Gründe dafür nennt die Polizei nicht.
Mehrere Polizisten sind mit der Schusswaffe vor dem Grundstück in Stellung gegangen. Gründe dafür nennt die Polizei nicht. FOTO: Mirko Sattler
Frauendorf. Ein Wohnhaus ist am Montagmorgen in Frauendorf bei Ortrand komplett ausgebrannt. Der Besitzer und ein Polizist mussten verletzt ins Krankenhaus. Anwohner berichten, auf dem Grundstück seien Schüsse gefallen. Von Torsten Richter-Zippack

Es ist ein gespenstisches Bild am Montagmorgen an der Frauendorfer Hauptstraße. Aus einem Wohnhaus unweit der Bäckerei lodern Flammen. Dichter schwarzer Qualm steigt auf. Feuerfahrzeuge kommen angerast. 60 Kameraden aus acht freiwilligen Wehren des Amtes Ortrand und der Nachbarstadt Lauchhammer rücken an. Für Einsatzleiter Sven Wielk ist schnell  klar: Das Gebäude ist mit dem Löscheinsatz nicht mehr zu retten.

Bevor an diesem frostigen Morgen die Schläuche auf die lodernden Flammen gerichtet werden können, sichern Polizeibeamte das Anwesen. Mehrere Einsatzkräfte nehmen das Wohnhaus mit ihren Schusswaffen ins Visier. Anwohner berichten, ein bis zwei Schüsse gehört zu haben, die auf dem Grundstück abgegeben worden sein sollen.

Wohnhausbrand in Frauendorf FOTO: Von Mirko Sattler und Torsten Richter-Zippack

Die Polizei bestätigt dies gestern nicht. Werner Schmidt von der Kriminalpolizei erklärt lediglich, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde. Auf dem Hof weist zumindest eine verschmorte Gasflasche darauf hin. Im Schuppen unmittelbar neben dem Brandhaus steht ein uraltes verblichenes Wahlplakat der rechtsextremen Deutschen Volksunion (DVU).

Das Anwesen ist von der Straße kaum einsehbar. Mehrere dichte Hecken aus Scheinzypressen und Fichten wehren neugierige Blicke ab.Über den einzigen Bewohner ist nur wenig bekannt. Die Nachbarn sagen, dass es sich um einen Sonderling handele, der als Kind mit seinen Eltern aus einem Nachbardorf hergezogen sei. Der Mann (79) habe mit der Dorfgemeinschaft nichts am Hut gehabt. Der alte Bauernhof stehe seit Kurzem zum Verkauf. Eine Bank bietet die Immobilie für 48 000 Euro an. Jetzt ist das Wohnhaus allerdings abgebrannt.

Von dem Gebäude lassen die gierigen Flammen nicht viel übrig. Schnell wird ein Bagger der Frauendorfer Agrargenossenschaft organisiert. Mechatroniker Roy Niemann sitzt im Führerhaus und steuert den Ausleger, mit dessen Hilfe ein Teil des Gebäudes am späten Vormittag kontrolliert zum Einsturz gebracht wird. „Eine Premiere für mich“, kommentiert Niemann. Scheinbar kinderleicht stürzen die Wände in sich zusammen.

„Wäre der Brand eine Stunde später ausgebrochen, hätten wahrscheinlich nicht so viele Kameraden mithelfen können“, bestätigt Einsatzleiter Sven Wielk. So seien viele noch vor Arbeitsbeginn in ihre Uniformen geschlüpft und nach Frauendorf geeilt. Löschwasser ist schnell verfügbar. Die Brunnen im Dorf sind erst vor wenigen Jahren erneuert worden. So können ruck zuck die Schläuche verlegt und Wasser gezogen werden.

Auch die Dorfgemeinschaft ist auf den Beinen. Viele bringen Kaffee, Wasser, Brötchen und Wurst. Die Einsatzkräfte können sich stärken. „In der Not stehen wir zusammen“, sagt eine ältere Frau.

Dank der Drehleiter der Feuerwehr Lauchhammer wird das Feuer zügig unter Kontrolle gebracht. Im Einsatz sind 60 Kameraden aus dem Amt Ortrand und der Stadt Lauchhammer.
Dank der Drehleiter der Feuerwehr Lauchhammer wird das Feuer zügig unter Kontrolle gebracht. Im Einsatz sind 60 Kameraden aus dem Amt Ortrand und der Stadt Lauchhammer. FOTO: Mirko Sattler
Das ausgebrannte Wohnhaus wird noch am Vormittag aufgrund akuter Einsturzgefahr kontrolliert abgerissen.
Das ausgebrannte Wohnhaus wird noch am Vormittag aufgrund akuter Einsturzgefahr kontrolliert abgerissen. FOTO: Richter-Zippack