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Abfischen
Wärmerekord bei Karpfenernte

Joachim Schrickel präsentiert den Frauendorfer Kita-Kindern einen kapitalen Wels. Der Rentner aus Kroppen  gehört seit vielen Jahrzehnten zur Abfisch-Mannschaft.
Joachim Schrickel präsentiert den Frauendorfer Kita-Kindern einen kapitalen Wels. Der Rentner aus Kroppen gehört seit vielen Jahrzehnten zur Abfisch-Mannschaft. FOTO: Rasche Steffen
Frauendorf. Sommerliche Temperaturen bremsen Fischzug im Frauendorfer Theresienteich aus. Abfischen wird Ende November wiederholt. Fischereibetrieb Sieber fährt durchwachsene Karpfenernte ein. Von Andrea Budich

Ernst Sieber (69) ist seit knapp 30 Jahren im Geschäft. Dass er schon einmal bei sommerlichen Temperaturen um die 25 Grad seine Ernte einholen musste, daran kann er sich bei bestem Willen nicht erinnern. Warm war es oft gewesen im goldenen Oktober, aber einen Sommertag wie am Montag, den hat er so noch nicht erlebt. Mit seinem Sohn Jörg (41), der seit vier Jahren den Familienbetrieb führt, kommt er am Montag gleich doppelt ins Schwitzen. Denn die braungrünen Kaventsmänner mit gelblichweißem Bauch machen sich dünne. So dünne, dass sich nicht mehr viele in der Fischgrube tummeln, in der die Helfer die Netze immer enger zusammenziehen. Die Karpfen haben sich zurückgezogen an tiefere Stellen der Senke, um bei der Wärme mehr Sauerstoff zu erhaschen. „Da kommen wir nicht mehr hin. Dort ist es viel zu schlammig“, sagt Joachim Schrickel aus Kroppen. Der Rentner kennt sich aus im Frauendorfer Teich-Reich. Seit zig Jahren gehört er zu den gestandenen Abfisch-Helfern, die immer dann zur Stelle sind, wenn Fischzucht-Chef Jörg Sieber ruft.

Mit dem Wärmerekord fällt die Karpfenernte aus dem Theresienteich am Montag deutlich geringer aus als üblich. Sechs bis sieben Tonnen wollte Jörg Sieber mit seiner Mannschaft an Lied hieven. Die Wärme macht ihm einen Strich durch die Rechnung. „Wir müssen das Ende November wiederholen“, sagt er zähneknirschend. Er steht dabei mit seinem Fernstecher am Ufer und sucht den Graben nach Karpfen ab. Die haben sich verkrochen und peitschen das Wasser weit draußen an tieferen Stellen auf. „Wir brechen ab“, gibt er schließlich das Kommando an seine Männer.

Damit zieht sich die Karpfenernte des Jahres weiter nach hinten. Abgefischt werden müssen noch der Kroppener Kaupenteich, der Stegteich und der Jungfernteich. Der knapp 30 Hektar große Theresienteich wird als Wiederholer Ende November zusätzlich drangehangen. Damit ist dann der diesjährige Fischzug des Kroppener Familienbetriebes Sieber beendet. Dann ist die zappelnde Fracht aus allen 13 bewirtschafteten Teichen rund um Kroppen und Frauendorf eingebracht.

Fischzucht-Chef Jörg Sieber hält am Fernstecher Ausschau nach den Spiegelkarpfen. Die haben  aufgrund der sommerlichen Wärme  das Weite gesucht und sich an tieferen Stellen verkrochen.
Fischzucht-Chef Jörg Sieber hält am Fernstecher Ausschau nach den Spiegelkarpfen. Die haben aufgrund der sommerlichen Wärme das Weite gesucht und sich an tieferen Stellen verkrochen. FOTO: STEFFEN RASCHE / Rasche Steffen

Abgerechnet wird zwar erst, wenn das letzte Netz eingeholt ist, aber dass es 2017 keine Rekordernte wird, das sieht Juniorchef Jörg Sieber schon jetzt. Wenn es dann am Ende 13 bis 14 Tonnen Karpfen, Schleie, Hechte, Zander und Welse werden, dann ist er zufrieden. In besseren Jahren waren es schon um die 30 Tonnen.

Durchwachsen wird sie bestenfalls, die Ernte der bis in Dresden, Cottbus und Berlin begehrten Kroppener Speisekarpfen. Geschmälert wird sie wie schon in den Vorjahren vom gefräßigen Kormoran, der über den Sommer immer mit am gedeckten Tisch sitzt und sich am kalten Bufett der Teichwirte bedient. Bis zu 100 Kormorane wurden über Kroppens Teiche schon gesichtet.Ein nicht unerheblicher Teil der Ernte ist auch in den Schnäbeln der Seeadler, Silberreiher, Waschbären und Otter verschwunden. Den Bienenteich haben die schwarzen Kormoran-Fressmaschinen sogar fast leer geräubert. 80 Prozent der einjährigen Mini-Karpfen mit einem Gewicht zwischen 30 und 100 Gramm hat Fischer Jörg Sieber in diesem Jahr eingebüßt. Auch die dreijährigen Karpfen im Theresienteich sind nicht verschont geblieben. Die Helfer, die am gelben Sortierband stehen, bekommen immer wieder Schuppentiere unter die Hände, die von Krallen und Schnäbeln ziemlich lädiert sind. Und so bleibt die Erntezeit im Wasser für Jörg Sieber und seine Mannschaft bis zum letzten der 13 Teiche spannend.