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Von Shakespeare bis zum Schisshasen des Universums

Mirko Warnatz und Jan Schönberg gestalten das Gundermann-Programm "Engel über dem Revier".
Mirko Warnatz und Jan Schönberg gestalten das Gundermann-Programm "Engel über dem Revier". FOTO: Steffen Rasche/Neue Bühne
Senftenberg. Das Ensemble und Gäste der Neuen Bühne Senftenberg versprechen mit dem April-Programm des Theaters beste Unterhaltung – von Klassikern über echte Bauchgefühle bis zum größten Schisshasen des Universums. Theater-Sprecherin Christiane Freitag-Pittasch

Das gesamte dramatische Werk von William Shakespeare ist an der Neuen Bühne Senftenberg auch im April nochmals zu erleben. An einem Abend. 38 (erhaltene) Stücke mit 1834 zu spielenden Rollen und sechs Versdichtungen - darunter die berühmten Sonette - ergäben eine Aufführungsdauer von etwa 150 Stunden. Ein Trio schafft das im Zeitraffer, ohne eine einzige Komödie, Tragödie oder Historie auszulassen. Das ist geist- und humorvolles Entertainment für alle, die Shakespeare, das Schauspiel und das Lachen lieben.

Freitag, 1. April, 19.30 Uhr Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield "Shakespeares sämtliche Werke" (leicht gekürzt) Studiobühne

Mit perfekter Technik, großer Leidenschaft, scharfer Beobachtungsgabe und seinem ganz eigenen Humor präsentiert Benjamin Tomkins mit "Der Puppenflüsterer" ein urkomisches und zugleich poetisches Bühnenprogramm, das mit Ironie und Wortwitz das Publikum in seinen Bann zieht. Tomkins überzeugt - egal, ob er mit seinen liebevoll gestalteten Bühnenpartnern absurd komische Dialoge entspinnt, musikalisch am Klavier oder aber ganz ohne Puppen seine Gedanken hörbar schweifen lässt.

Legendär ist seine Nummer mit der Fliege "Der Hildegard": Mit einer nicht zu überbietenden Beiläufigkeit und Lässigkeit, die den Schwierigkeitsgrad und die hohe Professionalität der Nummer fast vergessen lassen, bringen die aberwitzigen Dialoge dieses Gespanns den Saal zum Toben. Vor gerade einmal drei Jahren entdeckte Puppenflüsterer Benjamin Tomkins rein zufällig, dass er die Kunst des Bauchredens beherrscht. Im rasenden Tempo entwickelte er sein erstes Bühnenprogramm, mit dem er auf Anhieb deutschlandweit einzigartigen Erfolg hatte.

Sonnabend, 2. April, 20 Uhr Gastspiel Benjamin Tomkins Hauptbühne

Seit Wochen gibt es für Nellies Band nur ein Ziel: den großen Bandwettbewerb, an dem sie teilnehmen wird und den sie natürlich auch gewinnen will. Doch dann kippt die Frontfrau während einer Probe um. Cora schleppt ihre Freundin zum Arzt. Untersuchungen werden gemacht, auf Testergebnisse muss gewartet werden. Man probt weiter, auch wenn die Nerven blank liegen. Das Telefon schellt. Nellie soll noch am selben Tag beim Arzt vorbeikommen. Eine tödliche Krankheit stellt die Band vor eine Zerreißprobe und drückt jeden einzelnen an die Wand, bis er sich mit dem Unvorstellbaren auseinander setzen muss.

Freitag, 8. April, 19.30 Uhr Lutz Hübner "Nellie Goodbye" Studiobühne

Zum 25-jährigen Plattenjubiläum geht Pe Werner auf eine musikalische Zeitreise "von A nach Pe" mit ihren bekanntesten Songs im Gepäck. Die Sängerin, Songschreiberin und Kabarettistin gönnt sich nach 16 CD-Veröffentlichungen einen Blick zurück, plaudert unterhaltsam aus dem Nähkästchen und besingt mit Scharfsinn und Humor die schönsten Nebensachen der Welt: Essen, Trinken und "dieses Kribbeln im Bauch". Nach erfolgreichen Live-Programmen mit Trio und Rockband sowie zahlreichen Engagements mit Big Bands und anderem "großen Besteck" spielt La Werner wieder mit ihrem kongenialen Begleiter Peter Grabinger am Flügel. Ein Pe-sonderes Konzerterlebnis, zu dem das "Weibsbild" aus Köln nicht nur "Segler aus Papier" "Fliegen" lässt.

Sonnabend, 9. April, 19.30 Uhr Gastspiel Pe Werner und Peter Grabinger (Klavier), Hauptbühne

Dämmerschoppen - die Zugabe, ein Abend von Schauspielern monatlich neu entwickelt, gestaltet und auf die Bühne gebracht, erwartet die Theatergäste. Ob Improtheater, Musik oder Tri tra trullala … Hereinspaziert.

Sonnabend, 9. April, 22 Uhr "Dämmerschoppen - die Zugabe" Rangfoyer

Gleich der erste Satz des Stücks "Wir waren" ist ein Schock: "Meine Frau und ich, wir bringen uns in zwei Wochen um." Ein namenloses älteres Ehepaar plant, sich am Ende ihres jährlichen Urlaubs gemeinsam das Leben zu nehmen, solange sie noch selbstbestimmt über diesen letzten Akt entscheiden können. Der Plan ist perfekt. Allerdings verlieren sie ihn im Reden über Erinnerungen und aktuelle Ärgernisse immer mehr aus den Augen. Eine eigentlich unmögliche Zukunftsplanung bestimmt ihr Denken: ein neuer Fernseher, der Urlaub im nächsten Jahr, die Heilungschancen für seine Krankheit irgendwann. Immer wieder flattern Ängste hoch und werden verdrängt. Hinter einer Fassade aus Biederkeit und Banalität eines misslungenen Lebens erkennt man verpasste Möglichkeiten, Lebensangst und Einsamkeit.

Sonntag, 10. April, 16 Uhr, William Pellier "Wir waren" Studiobühne

Andreas Voigt widmet sich im Theaterkino einem schmerzhaften Thema, nach dessen Lösung europaweit gesucht wird. Und es gelingt ihm, was in der aktuellen politischen Diskussion nie vermittelt wird: eine Annäherung an den Kern des Problems von Einwanderung aus der Perspektive der Betroffenen. Zwei Schwarzafrikaner, ein Algerier, eine Lateinamerikanerin und eine Familie aus Tschetschenien versuchen verzweifelt, ihren Traum von einem Leben in Europa wahr zu machen. Mit den Mitteln des großen Erzählkinos führt der Filmemacher das politische Problem auf uns alle verbindende existenzielle Lebensfragen zurück. Im Anschluss redet Andreas Voigt mit den Besuchern über die Entstehung seines preisgekrönten und gerade in unserer Zeit besonders erhellenden Films - von der ersten Idee über die Recherche- und Dreharbeiten bis hin zur letztendlichen Veröffentlichung.

Sonntag, 10. April, 19 Uhr, Theaterkino: "Invisible - illegal in Europa" Hauptbühne

Die Vorproben für die nächste Spielzeiteröffnung laufen bereits auf Hochtouren. Da bietet die Neue Bühne Senftenberg die Gelegenheit, die beiden Bühnenproduktionen des Spektakels dieser Spielzeit noch einmal an einem Abend zu erleben: Manuel Soubeyrands temporeiche Inszenierung von Mutter Courage und ihre Kinder, eines der bekanntesten Dramen des epischen Theaters, erwartet die Gäste.

Dass jeder Krieg nur eine Fortführung der Geschäfte mit anderen Mitteln ist, aber die großen Geschäfte im Krieg nicht von den kleinen Leuten gemacht werden, muss hier die Händlerin Courage lernen. Als sie versucht, ihr Geschäft mit dem Krieg zu machen, verliert sie am Ende fast alles. Zu hören gibt es viel eingehend arrangierte Musik - natürlich live.

Noch mehr Musik gibt es dann nach der Courage. Der "sinnliche Brecht", den man nicht vermutet, ist zu entdecken. Manuel Soubeyrands Liederabend singt und erzählt von der "Seeräuber-Jenny", die sich im Bordell in "Mandalay" - oder war es doch vielmehr im alten Ballhaus in "Bilbao" - mit "Nanna" entzweit und mit einem "Eifersuchtsduett" herausfordert. Aber am Ende steht man doch wieder am Ufer der "Moldau" und muss feststellen, dass auch ein "Kanonensong" nicht über die "Unzulänglichkeit menschlichen Strebens" hinweg täuschen kann.

Sonnabend, 16. April, 19 Uhr, Spezial Bertolt Brecht Mutter Courage und ihre Kinder Tränen, Schnee und gestern Abend Hauptbühne

In "Anchorman - Ein Nachrichtensprecher sieht rot" ist Deutschlands schrägster Nachrichtensprecher auf der Suche nach den letzten Dingen. Christian Ehring ist Elmar Stelzwedel - ein Nervenbündel mit Fönfrisur, ein Kommentator mit Persönlichkeitsspaltung, kurz: ein Wickert in witzig. Jahrelang war er die Nummer eins der Spätnachrichten, seriös, professionell und immer gut frisiert. Und jetzt: Wegen eines einzigen Kommentars gefeuert, fristlos entlassen, aus und vorbei. Und Elmar Stelzwedel, der immer alles verstanden hat, versteht plötzlich die Welt nicht mehr.

Christian Ehring schreibt seine Texte selbst, komponiert auch die Musik dazu und spielt selbst und ausgesprochen gut Klavier. Sein "Anchorman" ist eigentlich weit mehr als Kabarett, denn die Kunstfigur des Elmar Stelzwedel ist in ein richtiges Stück Theater verpackt: eine ganz eigene Mischung aus Theater, Musik, und hochaktueller politischer Satire - schnell, intelligent und immer wieder auch überraschend.

Sonntag, 17. April, 20 Uhr, Kabarett à la Carte Christian Ehring "Anchorman - ein Nachrichtensprecher sieht rot" Hauptbühne

Das Mutmacherstück "Angstmän" handelt von Jennifer, die heute Nacht alleine ist, weil ihre Mutter arbeiten muss. Bisschen gruselig ist das schon, aber erstmal werden all die verbotenen Sachen gemacht: Sicherungen raushauen, Pizza bestellen, TV-Programme durchzappen. Klingt toll, wird aber bald schon öde. Da findet sie in ihrem Schrank Angstmän, den größten Schisshasen des Universums. Der hat sich auf der Flucht vor Pöbelmän verflogen. Und weil sein Angstgegner derart gemein ist, verbarrikadiert Angstmän lieber erstmal Jennifers Wohnung. Und als Pöbelmän dann auftaucht, stürzt Angstmän sich erstmal vor Schreck aus dem Klofenster. Nun ist Jennifer in Gefahr und Angstmän kehrt zurück. Und mit der vereinten Power von Angstmän und Jennifermän geht es dem Widerling an den Kragen.

Das spritzige, bewusst auf Umgangssprache setzende Kammerspiel des 1964 in Jordanien geborenen Autors verarbeitet einen ganzen Stapel pädagogischer Krücken in Jennifers gewitztem Spiel mit dem Alleinsein.

Von dem Stück existiert auch eine Hörspielfassung, die 2002 mit dem Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet wurde. Für alle ab 8 Jahre.

Freitag, 22. April, 10 Uhr, die Premiere, und Sonntag, 24. April, 16 Uhr Hartmut El Kurdi "Angstmän" Studiobühne

Inmitten eines Schneesturms versammeln sich in der "Mausefalle" acht sehr verschiedene Personen in der neu eröffneten Pension "Monkswell Manor". Unerwartet taucht ein Polizist auf, um zu ermitteln, denn in London ist ein Mord geschehen. Und das ist der klassische englische Krimi par excellence. "Die Mausefalle" ist das am längsten ununterbrochen laufende Theaterstück der Welt.

Freitag, 29. April, 19.30 Uhr Agatha Christie "Die Mausefalle" Studiobühne

Gerhard Rüdiger Gundermann wurde 1955 in Weimar geboren. 1973 machte er in Hoyerswerda das Abitur und studierte dann an der NVA-Offiziersschule in Löbau, was 1975 mit seiner vorzeitigen Exmatrikulation endete. Er wurde Hilfsarbeiter im Tagebau, und ab 1976 ließ er sich per Abendschule zum Facharbeiter ausbilden und wurde Baggerfahrer, war IM für das Ministerium für Staatssicherheit, wurde aber auch selbst bespitzelt. Er kandidierte für die SED, wurde schließlich aber sogar wegen unerwünschter Meinungsäußerung aus der Partei ausgeschlossen.

Er war einer aus dem Revier. Er war wie die Zeit, in der er lebte.

"Engel über dem Revier" ist ein Abend im Rangfoyer: einfühlsam und kostbar durch seine Intimität und die Nähe der zwei Schauspieler, Musiker, Sänger zum Publikum. Beide selbst in der Lausitz verwurzelt, singen und erzählen sie - Gundermanns Texte, seine Lieder, sein Leben.

Freitag, 29. April, 19.30 Uhr Letzte Vorstellung Gerhard Gundermann "Engel über dem Revier" Rangfoyer

Zum Thema:
Karten für alle Vorstellungen: Telefon 03573 801286 www.theater-senftenberg.de

Comedian, Puppenspieler und Bauchredner Benjamin Tomkins.
Comedian, Puppenspieler und Bauchredner Benjamin Tomkins. FOTO: Neue Bühne Senftenberg
Shakespeares sämtliche Werke versprechen viel Spaß.
Shakespeares sämtliche Werke versprechen viel Spaß. FOTO: Rasche