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| 12:44 Uhr

Naturschutz
So übereinstimmend und doch so verschieden

Auf zahlreichen Fotografien haben Gisela und Klaus Uhl die Augenblicke mit „ihren“ Kranichen für immer festgehalten. Im Naturparadies Grünhaus sammelten sich die „Vögel des Glücks“ und bescherten dem Grünewalder Paar unvergessene Momente.
Auf zahlreichen Fotografien haben Gisela und Klaus Uhl die Augenblicke mit „ihren“ Kranichen für immer festgehalten. Im Naturparadies Grünhaus sammelten sich die „Vögel des Glücks“ und bescherten dem Grünewalder Paar unvergessene Momente. FOTO: Uwe Hegewald
Grünewalde. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Kröten-­chauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Gisela und Klaus Uhl. Von Uwe Hegewald

Die Tage, Wochen und Monate, die sich Gisela und Klaus Uhl mit ihren fliegenden Freunden befasst haben, hat das Paar aus Grünewalde nie gezählt. Um ihr ehrenamtliches Engagement für den Schutz bedrohter Tierarten zusammenzufassen müsste in Jahren abgerechnet werden, „Insbesondere haben es uns die Kraniche und Fledermäuse angetan, obwohl sie verschiedenen Wirbeltierklassen angehören“, erzählt Dr. Klaus Uhl. Der verbindende Charakter der Vögel und der Säugetiere zeige sich allein in der Fortbewegung. „Da uns die Tiere zu unterschiedlichen Jahreszeiten in ihren Bann ziehen, besteht die Möglichkeit, uns seit vielen Jahren gegenseitig zu unterstützen. Als Fledermäuse im Fokus standen, waren Kraniche als zwischenzeitliche Gäste bereits weitergeflogen oder noch nicht zurückgekehrt“, so der Lausitzer Kranich-Experte. Jährlich sei er bis zu 180 Mal auf die Kanzel geklettert, um die majestätischen Vögel an den Klärteichen bei Grünhaus zu beobachten. Überwiegend in den frühen Morgenstunden, bevor die ersten Patienten in die Praxis des Allgemeinmediziners drängten. „Die Momente in der Natur und die Begegnungen mit Seelenverwandten waren ein willkommener Ausgleich zum Arztberuf“, blickt der heute 80-Jährige zurück.

Der runde Geburtstag sowie gesundheitliche Gründe führten letztendlich auch dazu, sich vom OSL-Naturschutzbeirat zu verabschieden, den er in der dritten Wahlperiode leitete. Ergreifende Worte, Blumen und ein Bildband bildeten einen würdigen Abschied im Vetschauer Weißstorchzentrum.

Unisono würdigten Grit Klug, 1. OSL-Beigeordnete, Ferry Richter, Sachgebietsleiter untere Naturschutzbehörde, und Bernd Elsner, Vorsitzender des Beirats, das Lebenswerk von Klaus Uhl und seiner naturverbundenen Ehefrau Gisela.

Ihr ist es wohl zu verdanken, dass der gebürtige Vogtländer in die Lausitz übersiedelte. Nach Abschluss des Medizinstudiums in Jena ließ sich Klaus Uhl freiwillig nach Lauchhammer „delegieren“ – den Ort, an den er positive Erinnerungen knüpfte: „Im Schwimmbad Elsterberg habe ich in den Semesterferien als Rettungsschwimmer ausgeholfen und bin dort Gisela begegnet. Sie zählte damals zu einer Schülergruppe aus Lauchhammer, die einen Ausflug ins Vogtland unternommen hatte“, erzählt Klaus Uhl von den Hintergründen seiner Entscheidung für Lauchhammer. Aus dem Vogtland mitgebracht hatte er einen schon damals beträchtlichen Wissensschatz. Bereits als Schüler veröffentlichte er mit einem guten Schulfreund eine selbst verfasste Publikation über die Entwicklung des Vogelbestandes am Stausee Greiz-Dölau. Grundlage bildeten ausgedehnte Wanderungen mit Familienoberhaupt Gustav, der den kleinen Klaus frühzeitig an der Vielfalt und den Geheimnissen von Flora und Fauna teilhaben ließ. „Der hat mich immer und überall mithingeschleppt“, erinnert sich Klaus Uhl, der sich bis heute mit Ehrfurcht und Zuneigung zur Natur hingezogen fühlt. „Als Ende der 70er-Jahre in der DDR die Arbeitsgemeinschaft für bedrohte Vogelarten gegründet wurde, war ich dabei und bekam, eh ich mich versah, das Fachgebiet Kraniche anvertraut. Im damaligen Bezirk Cottbus sollte ich eine Struktur von Beobachtern aufbauen“, erzählt er.

Dass er seinen Job ganz ordentlich gemacht hat, beweisen Ehrennadeln des Ministeriums für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft in Bronze, Silber und Gold. Klaus Uhl war einer der Ersten in der Region, die nach der Wende dem Naturschutzbund (Nabu) beigetreten und auf die Zusammenarbeit mit den westdeutschen Ornithologen gespannt waren. „Im Osten konnten wir 1400 Kranich-Brutpaare nachweisen, im Westen waren es nur 17 Paare. Andererseits zeigten sie uns, warum das Gewinnen von Sponsoren so wichtig ist und wie das gelingt. Bestes Beispiel ist die Lufthansa“, so der Lauchhammeraner in Anlehnung an den Kranich im Logo des deutschen Luftfahrtkonzerns.

Internationale Treffen führten die Uhls nach Spanien, Frankreich, Schweden und Ungarn, und das beschauliche Grünewalde erwies sich als würdiger Gastgeber einer deutschlandweiten Kranichtagung (2012). Die eigenständige Kampagne „Kranich 2000“ mit einer öffentlichen Veranstaltung im Grünewalder Kulturhaus werden Gisela und Klaus Uhl ebenso nicht vergessen. Mit Eberhard Henne war ein ehemaliger brandenburgischer Minister für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung zu Gast, der einen noch bedeutenderen „Kollegen“ mitgebracht hatte: einen von Hand aufgezogenen, zahmen Kranich.