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| 01:42 Uhr

Von Klettwitz nach Oimjakon

Richard Löwenherz erklärte im Bürgerhaus Wendische Kirche Senftenberg anhand einer Landkarte seine Reise durch Russland. Foto: T. Richter/trt1
Richard Löwenherz erklärte im Bürgerhaus Wendische Kirche Senftenberg anhand einer Landkarte seine Reise durch Russland. Foto: T. Richter/trt1 FOTO: T. Richter/trt1
Senftenberg. Der Klettwitzer Geografiestudent Richard Löwenherz ist mit einem 17 Jahre alten Fahrrad und 85 Kilogramm Gepäck quer durch Sibirien gereist. Ziel der insgesamt dreimonatigen Tour war der Kältepol aller bewohnten Gebiete der Erde im jakutischen Oimjakon. Trotz Mückenplage, Bärenangst und fehlender Speichen hat der 30-Jährige nie ans Aufgeben gedacht. Von Torsten Richter

Minus 71,2 Grad Celsius sind im Winter 1926 in Oimjakon, einem 500-Einwohner-Ort etwa 650 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Jakutsk, gemessen worden. Damit gilt das Dorf als Kältepol sämtlicher bewohnter Gebiete der Erde. Warum es den Klettwitzer Richard Löwenherz ausgerechnet in diese eiskalte Einöde gezogen hat und dazu noch mit dem Fahrrad, erklärte der 30-Jährige am Rande seines jüngsten Vortrages im Bürgerhaus Wendische Kirche in Senftenberg so: „Mich faszinieren die Weite und Einsamkeit Sibiriens. Und da mich Wetter und Klima schon immer interessiert haben, wollte ich unbedingt mal nach Oimjakon.“

Gesagt, getan, bereits im Sommer 2007 war der Student von seinem Heimatort Klettwitz mit einem 17 Jahre alten Fahrrad und 85 Kilogramm Gepäck aufgebrochen. „Mein Hauptreisegerät hatte ich im Jahr 1993 für 600 Mark bei Fahrrad-Kupsch in Hörlitz gekauft. Ich hätte nie gedacht, dass die Maschine so lange hält“, so der groß gewachsene, extrem athletische Mann mit den rötlichen Haaren.

Zunächst ging es per Bahn nach Rostock, dann per Schiff nach Finnland und schließlich in die russische Metropole St. Petersburg, wo der 30-Jährige in den Zug nach Sibirien stieg. Dort angekommen fuhr er per Fahrrad parallel zur Baikal-Amur-Magistrale, einer in den 1970er-Jahren gebauten Bahntrasse, quer durch Sibirien. Dabei musste Löwenherz mit Mückenplagen, der Angst vor nächtlichen Bärenbesuchen und trunksüchtigen Einwohnern fertig werden. Ihn entschädigte jedoch ein grandioses Naturpanorama aus riesigen Wäldern, gewaltigen Flüssen und schneebedeckten Bergen.

Nach ungefähr drei Monaten kam er wieder wohlbehalten in Klettwitz an. Insgesamt rund 1200 Euro hat ihn die Reise gekostet. Jetzt beabsichtigt Richard Löwenherz, zunächst seine Diplomarbeit an der FU Berlin zu beenden. Das Werk handelt jedoch nicht über Sibirien, sondern von Unwetterereignissen im Südharz. Anschließend will der Klettwitzer unbedingt an einem der Potsdamer Klimaforschungsinstitute tätig werden.

Schon während des Studiums habe Löwenherz seinen Schwerpunkt auf die Klimatologie gelegt.

Auf jeden Fall wolle der 30-Jährige zurück nach Russland. Natürlich nur mit Fahrrad. „Ich habe noch ganz viele Ziele im Norden des Landes vor mir, zum Beispiel in Nordjakutien. Die will ich unbedingt machen.“ Bei seinen Kommilitonen erntet der Lausitzer entweder Bewunderung oder Kopfschütteln. „Manche sagen, ich wäre völlig verrückt“, weiß er aus Erfahrung. Seine Oma habe sogar Angst, wenn der Enkel ganz allein in Russland unterwegs ist. „Am meisten unterstützt mich meine Mutter“, weiß Richard Löwenherz.

Pro Jahr komme der Klettwitzer mit seinem Drahtesel auf fast 9000 Kilometer. So habe seine Maschine seit April 1993 bereits 96000 Kilometer auf dem Buckel. „Und die 100 000 schafft es auch noch“, gibt sich Richard Löwenherz betont optimistisch.