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| 01:42 Uhr

Von Eulenorten und dem Käfigdorf

Annahütte hieß bis Ende der 1930er-Jahre Särchen. Auch dieser Name stammt aus dem Sorbischen. Er bedeutet so viel wie „durch Brandrodung entstandene Siedlung“. Foto: trt1
Annahütte hieß bis Ende der 1930er-Jahre Särchen. Auch dieser Name stammt aus dem Sorbischen. Er bedeutet so viel wie „durch Brandrodung entstandene Siedlung“. Foto: trt1 FOTO: trt1
Senftenberg. Dass der Ortsname Senftenberg nichts mit „Mostrich“, sondern mit „sanft“ zu tun hat, wissen viele. Dass die sorbische Bezeichnung der Kreisstadt, nämlich „Zly Komorow“, einen „bösen Mückenort“ beschreibt, ist ebenfalls bekannt. Aber dass „Sauo“ vom Ortsnamen her nichts mit Sauen zu tun hat, sondern mit Eulen, davon haben bislang nur wenige gehört. Von Torsten Richter

Im kommenden Jahr jährt sich die Abbaggerung des Dorfes Sauo, das nordwestlich von Senftenberg lag, bereits zum 40. Mal. Dauerhaft in das Gedächtnis der Lausitzer hat sich jedoch der etwas kurios anmutende Ortsname eingeprägt. Um es vornweg zu nehmen, mit Sauen, also Wildschweinen, hat die Bezeichnung nichts zu tun. Stattdessen wird eine Stelle definiert, an der es in früheren Zeiten viele Eulen gegeben haben muss. Um welche Arten es sich dabei im Einzelnen handelte, ist längst im Dunkel der Geschichte verschwunden.

Fest steht hingegen, dass sich „Sauo“ vom sorbischen Wort „sova“ ableitet. Und „sova“ bedeutet „Eule“. So steht es in der Ortschronik von Günter Bachmann vom Beginn der 1970er-Jahre. Bestätigt wird diese Aussage durch das Niederlausitzer Ortsnamenbuch des Ortsnamenforschers Walter Wenzel. Dort heißt es zu Sauo: „Siedlung in einer Gegend, wo es (viele) Eulen gibt.“

Nicht zuletzt existiert in der Nähe von Beeskow das Dorf Sauen, das durch den Chirurgen und Forstmann August Bier (1861-1949) bekannt geworden ist. Auch diese Ortsbezeichnung kann vereinfacht als „Eulengegend“ übersetzt werden.

Sehr viele Ortsnamen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis besitzen sorbisch/wendische Ursprünge. Das ist kein Wunder, denn schließlich leben noch heute in den Kreisgrenzen Sorben und Wenden. Im Altkreis Senftenberg ist dies allerdings schon seit vielen Jahrzehnten nur noch selten der Fall. Geblieben sind aber die entsprechenden Ortsnamen. Manche allerdings nur in den Chroniken, da mehrere Städte und Dörfer inzwischen abgebaggert wurden oder eine Umbenennung während der NS-Zeit erfuhren.

So heißt das alte Zschornegosda seit nunmehr 75 Jahren Schwarzheide. Die deutsche Bezeichnung übersetzt den sorbischen/wendischen Ausgangsnamen. Demnach dienten die einstmals riesigen Waldgebiete um den Ort als Namensinspiration. Durch Industrialisierung und Tagebaue fielen die großen Forsten aber teilweise Sägen und Äxten zum Opfer. Dennoch gibt es nördlich von Schwarzheide noch heute das Waldgebiet der so genannten Pommelheide. Bis zum Jahr 1937 hieß Schipkau offiziell Zschipkau. Dieser Name leitet sich vom sorbischen/wendischen Sejkow ab. Dieses Wort beschreibt laut Walter Wenzel die „Siedlung des Zek“, eines Mannes, der dort das Sagen hatte.

Der Nachbarort Klettwitz gilt dagegen als „Käfigdorf“. Denn der slawische Name „Kletisca“ bedeutet nämlich „Käfig“ oder „Vogelbauer“.

Während die sorbische/wendische Bezeichnung von Annahütte, „Zdzarki“, auf eine Siedlung, die durch Brandrodung entstanden ist, hindeutet, steht „Murjow“ für Wiesengras. Zu deutsch heißt dieser Ort Meuro.

Freienhufen beziehungsweise bis 1937 Dobristroh“ und sorbisch/wendisch Dobry Wótsow steht dagegen für einen idyllischen Ort auf einer Erhebung oder Insel. Immerhin hatten es die Einwohner in der NS-Zeit geschafft, dass ihr Ort nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, „Braunheide“ genannt wurde.

Im Gegensatz zum idyllischen Dobry Wótsow steht Dörrwalde. Dort muss früher, so sagt es der sorbische/wendische Name „Suchy Gózd“, ein dürrer armer Wald auf armen Standorten gestockt haben. Noch heute gibt es um das Dorf tatsächlich recht dürftige Kiefernforsten.

So lassen sich durch die Bezeichnungen in gewisser Weise die charakteristischen Merkmale der Orte zu ihren Gründerzeiten nachvollziehen. Allerdings ist durch Industrialisierung und vor allem den Bergbau viel von der einstigen Idylle verloren gegangen.

Manches hat sich jedoch zum Positiven gewandelt. So gibt es zwar die Sauoer Eulengegend nicht mehr, aber dafür brauchen sich die Senftenberger dank der Elsterregulierung nur noch selten mit den „bösen Mücken“ herumzuärgern.