| 02:44 Uhr

Von der Kraft des Gebets

Angelika Scholte-Reh ist Pfarrerin im Pfarrsprengel Lindenau-Kroppen
Angelika Scholte-Reh ist Pfarrerin im Pfarrsprengel Lindenau-Kroppen FOTO: privat
Der Wecker klingelt, sechs Uhr früh. Ich tauche langsam aus meinen Träumen auf und drehe mich auf die andere Seite.

Die Gedanken sammeln sich. Was für ein Tag ist heute? Ach ja, stimmt . . . Heute warten einige Aufgaben auf mich. Das ist zu erledigen und an dieses muss ich denken, dann treffe ich diesen Menschen und habe für diese Gruppe etwas vorzubereiten. Dieses wird ein voller Tag.

Ich stehe auf, komme langsam in den Tag hinein. Dann setze ich mich für einen Augenblick hin, sammle meine Gedanken, schlage die Losung auf: Gottes Wort für diesen Tag. Die Bibelverse klingen in meiner Seele nach, als ich die Hände falte und still werde. Im Gebet blicke ich auf diesen Tag, auf die Menschen, die mir begegnen werden, auf die Sorgen, die mich bewegen. Vor meinem inneren Auge blitzen ihre Gesichter und die Orte auf, an die ich heute gehen werde. Ich sage Gott, was mein Herz erfüllt. In mir kehrt Ruhe ein und eine tiefe Zuversicht. Ich gehe nicht allein in diesen Tag. Gott geht mit. Es ist, als würde mein Denken weiter und offener. Gott hat den größeren Überblick, er wird mich begleiten und mir helfen. In mir wird es immer stiller. Ich öffne mich, bitte Gott um das, was ich an diesem Tag brauche: Liebe zu den Menschen, Weisheit für die Entscheidungen, Aufmerksamkeit für all die Aufgaben, Augenblicke der Ruhe, um mich immer wieder neu zu orientieren. Ich atme tief aus und ein, werde gelassen. Gott ist da. Ich kann seine dichte, mich umhüllende Gegenwart tief in meiner Seele spüren. Dieser Tag ist ein Tag aus Gottes Hand.

Über den Tag geht meine Hand immer mal wieder zu dem kleinen Kreuz, das ich um meinen Hals trage. Ein kurzer Gedanke, ein Blick, der zum Himmel geht. "Segne, Gott, diesen Moment!" "Danke, Gott, dass das gelungen ist!" "Bitte, Gott, ohne dich geht das jetzt nicht!" Stoßgebete, kurze Sätze, mein Dank für das Gelingen, meine Klage, wenn etwas nicht gut war, meine Bitte, dass Gott mir hilft. Und ich erlebe immer wieder, wie ich aus dem Gebet, der Stille am Morgen und den kleinen Stoßgebeten Kraft und Zuversicht schöpfe. Warum ich bete? Ich werde durch das Gebet freier und gelassener. Gott sei Dank!