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| 15:23 Uhr

Heimatgeschichte
Von der Hostenmühle bleiben nur Bilder

Bei Walter Noack lebt die Hostenmühle im Eichenstamm weiter. Demnach soll die Rückseite mit einer Mühlenkarte versehen werden.
Bei Walter Noack lebt die Hostenmühle im Eichenstamm weiter. Demnach soll die Rückseite mit einer Mühlenkarte versehen werden. FOTO: Richter-Zippack
Peickwitz. Mit einem Konterfei und einer Landkarte erinnern die Peickwitzer an ehemaliges Ensemble.

Auf den Landkarten ist die Hostenmühle zwischen Peickwitz und Hohenbocka noch zu finden. Allerdings nicht das namensgebende Gebäude, sondern lediglich die teilweise bewohnten Häuser im unmittelbaren Umfeld. Denn das altehrwürdige Gebäude war bereits im Jahr 1882 einem Brand zum Opfer gefallen. „Der Müllergeselle hat es angezündet“, erzählt der Peickwitzer Gastwirt und Heimatkundler Walter Noack. Bis heute werde im Dorf gemunkelt, wer dem Burschen den Auftrag gegeben haben könnte. Konkrete Namen will jedenfalls niemand nennen.

Walter Noack will an die Hostenmühle erinnern. Vor seiner Gaststätte, der Peickwitzer Hütte, liegt ein großer Eichenstamm, der das Konterfei der Mühle zeigt. Geschaffen hat es der Schleifer Holzkünstler Thomas Schwarz im Jahr 2010. Jetzt plant Noack, die Rückseite des Stammes mit einer Landkarte zu versehen, auf der alle Mühlenstandorte der Umgebung eingetragen werden sollen. Schließlich besitzt der 79-Jährige auch eine ganz persönliche Beziehung. „Auf dem Mutterteich an der Hostenmühle sind wir als Kinder im Winter auf dem Eis gelaufen. Im Winter 1947/1948 bin ich dort eingebrochen. Zum Glück hat mich mein Bruder gerettet.“ Darüber hinaus gab es unweit des Peickwitzer Friedhofes eine weitere Windmühle. „Meine Eltern hatten das dortige Grundstück geerbt. Bei Bauarbeiten stieß Vater dort auf die hölzerne Mühlentreppe. Die wurde im neuen Nebengebäude eingebaut und versah dort bis in die 1960er-Jahre ihren Dienst“, berichtet Noack weiter.

Am Wohnhaus an der ehemaligen Hostenmühle erinnert dieses Konterfei an das verschwundene Drei-Mühlen-Ensemble.
Am Wohnhaus an der ehemaligen Hostenmühle erinnert dieses Konterfei an das verschwundene Drei-Mühlen-Ensemble. FOTO: Richter-Zippack

Die Hostenmühle, so berichtet Noack,wurde einst vom Mühlgraben mit Wasser versorgt. Der hatte seinen Ursprung im Heider Gebiet, also dort, wo sich heute der Tagebau-Restsee Heide erstreckt. Neben der Hostenmühle lieferte das Fließ auch dem nahen Peickwitzer Teichgebiet das Wasser. Kurioserweise findet sich an einem Wohnhaus an der Hostenmühle eine an die Wand gemalte Windmühle. „Diese hat Erika Hertes, geborene Keul, anlässlich ihrer Rückkehr anfertigen lassen“, weiß Walter Noack, der mit ihr einst in eine Schulklasse gegangen war. „Neben der Wassermühle gab es auch zwei Windmühlen, die vom Hostenmüller betrieben worden waren“, klärt Noack das Rätsel auf. Eine befand sich auf dem nicht weit entfernten Buckschen Berg, der inzwischen durch den Glassandabbau verschwunden ist. Die andere stand nahe des ehemaligen Viaduktes, also der Bahnbrücke der Senftenberg-Kamenzer Trasse über die Strecke Ruhland - Hoyerswerda. Die Brücke ist im vergangenen Jahr abgerissen worden. Die Mühle gibt es schon wesentlich länger nicht mehr. „Eigenartigerweise will an der Stelle, wo sie stand, bis heute der Wald nicht richtig wachsen“, hat Walter Noack beobachtet.

Da das Wasser an der Wassermühle stets knapp war, hatte sich der Müller mit den windbetriebenen Unikaten ein zweites Standbein geschaffen. „Jeden Tag musste jemand nachschauen gehen, ob sich die Flügel drehen“, sagt Noack. War das der Fall, wurde der Schiebock heraus geholt und die Getreidesäcke zu den Windmühlen transportiert.

Durch das Feuer im Jahr 1882 wurden alle drei Mühlen zerstört, der Hostenmüller soll durchgedreht sein, wird in Peickwitz und Umgebung erzählt. Der brandstiftende Lehrling wurde damals zu 20 Jahren Haft verurteilt. Erhalten blieb jedenfalls das Wohnhaus an der Wassermühle. Dort wurde Erika Hertes geboren. Allerdings ist sie bereits vor neun Jahren verstorben. Zuvor hatte sich die Frau noch den Bildertraum mit der Windmühle am Hausgiebel erfüllt.