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| 17:54 Uhr

Rundschau-Serie: Naturschutzbeirat im Oberspreewald-Lausitz-Kreis
Von Auerhahn bis Ziegenmelker

Frank Raden kennt sich bestens mit Wildtieren aus und hat mehrfach an Schutz- oder Wiederansiedlungsprojekten mitgewirkt. Aktuell ist es das Auerhuhn-Projekt, das darauf hinauszielt, den größten Hühnervogel Europas in die Niederlausitz zurückzuholen. Das Foto eines Hahnes zeigt, wie majestätisch sich die Tiere mitunter präsentieren.
Frank Raden kennt sich bestens mit Wildtieren aus und hat mehrfach an Schutz- oder Wiederansiedlungsprojekten mitgewirkt. Aktuell ist es das Auerhuhn-Projekt, das darauf hinauszielt, den größten Hühnervogel Europas in die Niederlausitz zurückzuholen. Das Foto eines Hahnes zeigt, wie majestätisch sich die Tiere mitunter präsentieren. FOTO: Uwe Hegewald
Lauchhammer. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Frank Raden (Lauchhammer). Von Uwe Hegewald

Frank Raden mag sie alle: Schwarzstorch, Raufußkauz, Ziegenmelker, das Auerhuhn, aber auch jene heimischen Amphibien, Reptilien oder Säugetiere, die hierzulande einen schweren Stand haben. „Viele heimische Tierarten stehen auf der Roten Liste oder kurz vor dem Aussterben. Zu viele“, hadert der passionierte Wildtierfreund. Das ist auch der Grund, warum der Lauchhammeraner immer wieder bei Artenschutzprogrammen und Wiederansiedlungsprojekten mitwirkt. „Aktuell bin ich bei einem Auerhuhn-Wiederansiedlungsprojekt (2017-2022) dabei, das ungemein spannend und vielseitig ist“, teilt er mit. Nicht aber, dass er bei diesem ambitionierten Vorhaben so manche Überstunde schrubbt.

Frank Raden brennt für das Projekt und ist zuversichtlich, Auerhühner dauerhaft in die Lausitz zurückgewinnen zu können. Doch woher nimmt er die Hoffnung auf eine glückende Rückkehrer-Kampagne, die mal nicht auf Personen ausgerichtet ist und nicht von West nach Ost verläuft? Im Mai 2012 sind über eine Nord-Süd-Ausrichtung die ersten 27 Auerhühner aus Schweden in die Liebenwerdaer Heide überführt und dort freigelassen worden. „Zuvor wurden die Tiere beringt, um festzustellen, wo diese sesshaft werden. Als wir später unberingte Jungtiere entdeckt haben, war der nötige Beweis erbracht, dass eine Reproduktion gelungen ist“, erzählt Raden. Der Nachweis von der Brut und dem Aufziehen von Nachwuchs war letztendlich ausschlaggebend dafür, dem Pilotprojekt ein weiteres folgen zu lassen. „Jedes Jahr dürfen wir dem Wildbestand in Schweden bis zu 60 Tiere entnehmen und nach Südbrandenburg überführen“, so der Auerhuhn-Experte, den es jährlich bis zu dreimal nach Skandinavien verschlägt. Einfach sei das Stellen der Tiere nicht, die in der Regel aus dem fahrenden Auto heraus mit einem Kescher eingefangen werden. Inzwischen sei das Team jedoch so versiert, dass die erlaubte Quote von 60 Tieren auch erreicht werde. Frank Raden lässt keinen Zweifel daran: Projekt und Aufwand sind gerechtfertigt, galt das Auerhuhn doch seit Jahrhunderten in der Lausitz als heimisch. Zum Rückgang führten der teils fragwürdige Waldbau zu DDR-Zeiten, gezielte Bejagung, Tagebaue sowie der ungehemmte Einsatz von Dichlordiphenyltrichlorethan – kurz DDC genannt. Einst als Wunderwaffe gegen Insekten beworben, erwies sich DDC als Teufelszeug und ist in vielen Ländern verboten. „Insekten sind nun mal das Grundnahrungsmittel für Auerhuhn-Küken. Die benötigen in ihren ersten Lebenswochen tierisches Eiweiß, während sich Alttiere als hochspezialisierte Pflanzenfresser fast ausschließlich von Heidelbeerblättern und Beeren ernähren. Im Winter besteht die Nahrung hauptsächlich aus Nadeln und Knospen von Kiefer, Fichte, Tanne und Buche“, weiß Frank Raden zu berichten. Seine Belesenheit dürfte ein Grund gewesen sein, ihn in das Auerhuhn-Wiederansiedlungsprojekt einzubinden.

Schon als Grundschüler verschlang er Bücher, in denen etwas über Vögel, Reptilien, Amphibien oder Säugetiere zu erfahren war. Der zweite Grund sind die Territorial-Kenntnisse, die er mitbringt. Im Vetschauer Ortsteil Märkischheide geboren und in Calau aufgewachsen, ist er der Liebe wegen nach Lauchhammer gezogen. „Während der Schulzeit habe ich zwischenzeitlich mit einem Kumpel in Naturschutz-Arbeitsgemeinschaften in Lübbenau, Luckau und Cottbus mitgewirkt, die für ihre solide Arbeit bekannt waren“, erzählt er. Die Liebe zu den Wildtieren ist geblieben, insbesondere zu den gefiederten, die den Hobby-Ornithologen bis heute faszinieren. „In der Babbener Heide habe ich vor vielen Jahren eine der letzten freilebenden Auerhuhn-Hennen gesehen. Dann war auch die verschwunden“, beklagt er. Dabei erweisen sich die Babbener wie auch die Liebenwerdaer und Rochauer Heide als geeignete Lebensräume – gelegentliche Ausflüge inbegriffen. „Von aufmerksamen Beobachtern sollen Auerhühner inzwischen auch in der Nähe der Lauchhammeraner Biotürme und in Buchwäldchen (Gemeinde Luckaitztal) in der Calauer Schweiz gesichtet worden sein“, so der Auerhuhn-Experte im Naturschutzbeirat OSL.

Verwunderung löst das bei ihm nicht aus, gelten die Hennen doch als sehr aktive Flieger, die auch schon mal Entfernungen von bis zu 30 Kilometer zurücklegen, wogegen Hähne relativ standorttreu bleiben. Selbst gelegentliche Ausflüge in Städte kommen vor, obwohl den Tieren dort Gefahren durch Häuserfassaden, Funkmasten oder Straßenverkehr lauern. In der freien Wildbahn sind es Fuchs, Waschbär, Marderhund & Co, die den Auerhühnern und allen Bodenbrütern das (Über-)Leben schwer machen.