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| 17:26 Uhr

RUNDSCHAU-SERIE: MEINE HEIMAT OBERSPREEWALD-LAUSITZ
Vom Senftenberger See aufs Meer und zurück

 Olaf Lüderitz ist bereits seit vielen Jahren untrennbar mit dem Seesport verbunden. Es gibt kaum ein Gewässer, dass der Senftenberger nicht kennt.
Olaf Lüderitz ist bereits seit vielen Jahren untrennbar mit dem Seesport verbunden. Es gibt kaum ein Gewässer, dass der Senftenberger nicht kennt. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Olaf Lüderitz (Senftenberg). Von Uwe Hegewald

Mit dem Wort „Seensucht“ lässt sich am besten beschreiben, was im Inneren von Olaf Lüderitz vorgeht. Wobei sich der Senftenberger zu vielen Seen hingezogen fühlt – egal ob Binnen- oder Hochsee. Inzwischen viele Gewässer unter Kiel genommen, ist es jedoch der Heimat- und Muttersee des Lausitzer Seenlands, von dem er nicht loskommen kann und will.

Das steht auch mit der persönlichen Verbindung zum Senftenberger See in Zusammenhang. „Im Jahr 1978 habe ich den Seesport für mich entdeckt. Damals war ich Schüler der 9. Klasse und von der Vielfalt dieser Sportart begeistert“, erzählt er. Vielfalt, weil der klassische Seesport viele Talente vereint: Rudern und Segeln, Laufen, das Werfen von Wurfleinen, Knoten anfertigen und Schwimmen. Letzteres wird insbesondere im Winterhalbjahr trainiert, um die entsprechende Kondition für die neue Wassersaison aufzubauen, die von April bis Oktober andauert.

„Olympiasieger und Meister werden im Winter geformt“, erinnert Olaf Lüderitz an eine weit verbreitete Sportlerweisheit. Und er muss es wissen, als passionierter Sportler, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Seit dem Jahr 1990 unterrichtet er Senftenberger Gymnasiasten in den Fächern Sport und Geschichte. Im Friedrich-Engels-Gymnasium ist auch der Seesportklub mit nahezu optimalen Bedingungen angesiedelt: Eigenes Vereinszimmer, nur fünf Minuten Gehweg bis zum Vereinsgelände mit direktem Seezugang und ein Flottenbestand, der sich sehen lassen kann. „Ein Holzkutter, vier Kutter aus glasfaserverstärktem Kunststoff, vier Segeljollen der Marke Ixylon“, zählt Olaf Lüderitz auf sowie „zwei Ruder-Dinghys und ein Motorboot“. Ausreichend Boote für den eigenen Vereinssport aber auch für externe Gäste, die anreisen, um sich Seeluft um die Nase wehen zu lassen.

„Wir sind in der komfortablen Lage, Familienfahrten anzubieten, aber auch Ferien- oder Segellager. Erst kürzlich hatten wir eine Schulklasse aus Dresden für eine Woche bei uns zu Gast sowie Schüler der Grundschule Brieske“, teilt Olaf Lüderitz mit.

Für den Senftenberger, der den Seesportklub am Senftenberger Gymnasium seit zehn Jahren als Vorsitzender leitet, ist das Interesse nachvollziehbar. Auch wenn dieses noch eine Menge Luft nach oben aufweist. Abwechslungsreicher Seesport, Natur und das Stillen von Abenteuerlust erweisen sich seit Jahrzehnten als bewährtes Mittel, die Teamfähigkeit bei Heranwachsenden zu fordern und zu fördern.

Bis in das Jahr 1953 reicht die Historie maritimen Treibens in der Kreisstadt zurück.  „Heute um 15 Uhr Seesport auf dem Schulhof“, stand Anfang September 1953 an der Wandtafel im Erdgeschoss der Walther-Rathenau-Oberschule geschrieben. Keiner konnte damals davon ausgehen, dass sich daraus eine inzwischen 66-jährige Tradition entwickelt. Zum Wassersport ging es damals auf die Schwarze Elster oder auf den ehemaligen Grubenteich am Stadtrand. Erfahrene Seebären halten dem Verein seit vielen Jahren die Treue, der ständig auf der Suche nach jungen Leuten oder Neueinsteigern ist. „Wie viele Randsportarten stehen wir im Wettbewerb mit populäreren Angeboten, beispielsweise Fußball“, räumt Olaf Lüderitz ein

Der Senftenberger ist nach seinem Dienst in der Marine (Rostock-Warnemünde) und dem Lehramtsstudium (Greifswald) in die vertraute Heimat zurückgekehrt. Wie auch zum Seesport, den er zu keiner Zeit aus den Augen verloren hat. Bereits als Jugendlicher hatte Lüderitz an Wettbewerben teilgenommen, erkämpfte zu Volksmarinezeiten dreimal den DDR-Meistertitel und reiste als Mitglied der Nationalmannschaft sogar zu internationalen Wettbewerben bis ins bulgarische Varna am Schwarzen Meer.

„Olaf war immer ein ehrgeiziger Sportler, aber auch ein zugänglicher Betreuer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl bei der Entwicklung von Nachwuchssportlern. Ich würde es ihm und dem Verein wünschen, dass noch mehr Mädchen und Jungen den Seesport für sich entdecken“, bricht Gerhard Richter aus Potsdam eine Lanze für seinen ehemaligen Sportlehrerkollegen.

Bereits ab einem Alter von acht Jahren könne mit einzelnen Disziplinen des Mehrkampfes begonnen werden. Am Friedrich-Engels-Gymnasium wird Seesport als Ganztagsangebot für alle Klassenstufen und in der 9. Klasse als Wahlpflichtfach angeboten. Mit Zuversicht blickt Olaf Lüderitz auf jüngste Schulkutter-Aktivitäten in Schwarzheide und Großräschen. Gemeinsame Wettbewerbe wären denkbar und könnten bei ihm dazu führen, gleichermaßen Seensucht und Sehnsucht zu stillen.