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Vom Schnitzel bis Hühnerstall im Agroforst

Den Schweinen geht es gut - davon haben sich Michael Pöter mit Söhnchen Hajo auf Domins Hof überzeugt. Die Familie aus der Nähe von Görlitz macht am See Urlaub.
Den Schweinen geht es gut - davon haben sich Michael Pöter mit Söhnchen Hajo auf Domins Hof überzeugt. Die Familie aus der Nähe von Görlitz macht am See Urlaub. FOTO: str1
Peickwitz. Thomas Domin ist ein Bauer, der in keine Schublade passt. Seinen Hof versorgt er komplett mit der eigenen Biogasanlage, auf den Hofdächern fängt er die Sonne ein, die Schnitzel, die er produziert, verkauft er im Hofladen, mit BTU-Forschern doktert er an seinen Ackerböden herum und jetzt auch noch ein Hühnerstall im Agroforst. Von jedem etwas konnten die 1500 Besucher der Landpartie erfahren und verkosten. Andrea Budich

Den Pioniergeist, den hat er wohl von seinem Vater Frank vererbt bekommen. Der letzte Schrei auf seinem Hof, den er im Vorjahr nachgebildet sogar auf der Expo in Mailand vorgestellt hat, sind die Hühner im Agroforst. 40 Stück an der Zahl. Mit den braunen Legehennen beschreitet der Bauer wieder einmal Neuland. Den Stall hat er erst in der Vorwoche als gemeinsames Projekt mit dem Verein Biomasse Schraden aufs Feld gesetzt. Genau dorthin, wo einer von insgesamt neun Gehölzstreifen des BTU-Forschungsprojekts zur Agrarforstwirtschaft angelegt ist. Seit gut drei Jahren ist Domin bei dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt dabei. Die Hühner bringt er mit ins Spiel, um Handarbeit einzusparen. Und tatsächlich können die mit Kremsern angereisten Landpartie-Gäste beobachten, wie die Hennen nahezu um die Wette kratzen und picken und dabei spielend die Zwischenräume von Baum zu Baum unkrautfrei halten. Die Mini-Erlen hat Domin erst vor zehn Wochen hier gepflanzt. Den Streifen zwischen den Baumreihen hält er mit dem Traktor sauber. Zwischen den Bäumen picken die Hühner das Unkraut weg.

Von seiner Teilnahme am Agroforstprojekt verspricht sich der Peickwitzer Bauer langfristig höhere Erträge auf seinen mageren Ackerböden. Die Streifen aus Robinien, Spitzahorn, Roteichen und Grauerlen schützen den Boden vor Erosion und Wind. Das Getreide auf dem Schlag profitiert so von einem eigenen kleinen Mikroklima. Forschungsergebnisse belegen, dass Winderosion und Verdunstung dank der Gehölzstreifen bis zu 90 Prozent verkleinert werden können.

Ein neues Feld bestellt der Bauer auch auf seinem sechs Hektar großen Haferschlag. Er hat dort nach langer Zeit Fahnenhafer angebaut. Domin will beobachten, wie ertragreich die alte, robuste Sorte im Schutz der Baumreihen gedeiht. Mit dem Hafer wiederum päppelt er die 100 Gänse und 100 Enten auf, die Kunden bis aus Dresden und Berlin vom Peickwitzer Bauernhof als Weihnachtsbraten abholen. Die ersten Festtagsbraten sind längst schon wieder bestellt.

Domins Hof komplett machen 30 Mastschweine und 20 Mutterkühe mit Kälbern. Die Schnitzel, Bratwürste und Rouladen, die im Hofladen verkauft werden, hat der Bauer selbst produziert. Zu zeigen, wie viel Arbeit notwendig ist, bevor die Leberwurst auf dem Frühstücksteller liegt, ist ihm wichtig. Die Tore zum Schweinestall stehen für die Landpartie-Besucher weit offen. "Meinen Tieren geht es bestens, ich habe nichts zu verheimlichen", bleibt Thomas Domin ganz gelassen. Draußen lassen sich die Städter dann die Bratwürste mit und ohne Pelle und drei Schweine am Spieß schmecken. Am Stand mit den Schlachteplatten stehen die Besucher Schlange, der Hofladen ist am Abend ziemlich ausgeräubert. Die Grützwurst, Leberwurst im Glas und die Bärlauch-Bratwürste sind der Renner. Viele, die mit einem Schlachtebeutel den Hof verlassen, haben zuvor eine Petition für faire Preise für landwirtschaftliche Produkte unterschrieben.

Auch wenn bei Thomas Domin keine Milchkühe im Stall stehen, bekommt er den Preisverfall deutlich zu spüren. Die Preise für seine Fleischrinder sind stark gesunken. "Da kannst du nicht mehr wirtschaftlich produzieren", zeigt er sich nachdenklich. Seine 20 Mutterkühe stehen über dem Sommer draußen auf der Weide. Die Landpartie-Besucher werden genau dorthin mit Kremsern chauffiert. Ihnen das Landleben schmackhaft zu machen und zu verdeutlichen, dass Milch und Fleisch gerecht bezahlt werden müssen, dafür ist für Thomas Domin die Landpartie die beste Gelegenheit im Jahr. Der Termin für 2017 steht bereits fest. Dann heißt es zum 16. Mal: "Raus aufs Land nach Peickwitz!"