Von Torsten Richter-Zippack

Wer Kaffee röstet, braucht eine feine Nase. Ebenso gute Augen und vor allem gespitzte Ohren. Denn wenn die Kaffeebohnen in der Röstmaschine ihr volles Aroma entfalten, gibt es ein ganz bestimmtes Knacken. Dann müssen die Bohnen innerhalb von Sekunden aus der Maschine geholt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie verbrennen.

Kaffeerösterei im wohl ältesten Wohnhaus von Senftenberg

Martin Hengst kennt sich mit dem Kaffeerösten aus. Schließlich will der 34-Jährige in Kürze die erste Senftenberger Kaffeerösterei eröffnen. Und zwar im wahrscheinlich ältesten Wohnhaus der Stadt. Erst im vergangenen Jahr ist das im Jahr 1595 errichtete Haus am Markt 15 nach Komplettsanierung als Ferienunterkunft eingeweiht worden. Jetzt gesellt sich die Kaffeerösterei dazu.

„Wir hatten ja bei der Eröffnung versprochen, dass wir unser Erdgeschoss mit dem charakteristischen Kreuzgewölbe für alle Senftenberger öffnen wollen“, erklärt Rebecca Bartsch, die Lebensgefährtin von Martin Hengst. Nur zwölf Monate später ist es soweit.

In Dresden das Einmaleins der Kaffeerösterei gelernt

Die Röstmaschine, Baujahr 2005, im Wert eines Kleinwagens hat Martin Hengst mit viel Glück in Dresden besorgt. „Der Markt ist quasi leergefegt“, begründet der junge Mann. In Dresden erlernte der gebürtige Erzgebirgler, den die Liebe in die Lausitz führte, innerhalb eines Dreivierteljahres sein neues Handwerk. „Bei der Dresdner Kaffee- und Kakaorösterei wurde mir das Einmaleins des Kaffees beigebracht“, berichtet Hengst. Gelehrt wurde unter anderem, wo welche Kaffeepflanzen wachsen, wie diese geerntet werden, welche Qualität Rohbohnen aufweisen müssen, welche Sorgfalt beim Rösten erforderlich ist und nicht zuletzt, dass der frisch gemahlene Kaffee am besten schmeckt.

Der Kaffee kommt direkt vom Schiff nach Senftenberg

Bereits während seiner Ausbildung hat Martin Hengst Kontakte zu einem Hamburger Kaffeehändler geknüpft. Einmal pro Monat komme künftig eine Lieferung via 60-Kilo-Jutesack direkt vom Schiff nach Senftenberg. Mal seien es Bohnen aus Costa Rica, mal aus Tansania oder aus weiteren Ländern. Die feinen Unterschiede kennt der Unternehmer: „Kaffee aus Mittelamerika trägt eine fruchtige Note, der aus Afrika schmeckt mehr nussig.“

Eigentlich ist Martin Hengst gelernter Zimmermann. So trägt das sanierte Fachwerk des Hauses am Marktplatz auch seine Handschrift. „Doch der Kaffee ist meine eigentliche Passion“, erklärt der 34-Jährige. Auf dem Bau werde eben nicht nur Bier, sondern gern und oft auch Kaffee getrunken. „Durch zahlreiche Italien-Urlaube bin ich richtig auf den Geschmack von Expresso und Co. gekommen. Der eine mag italienischen Wein, der andere, so wie ich, den italienischen Kaffee.“ Ab Ende Juni will Hengst seinen Zimmermannshammer endgültig an die Wand hängen und sich in Gänze seinem Lieblingsgetränk zuwenden.

Eine zwei Meter lange Bar in der Kaffeerösterei

Neben der Röstmaschine hat sich Familie Hengst/Bartsch auch gleich eine zwei Meter lange Kaffeebar zugelegt. „Diese ist beweglich. Wir können sie also auch auf den Senftenberger Marktplatz befördern und dort unsere Kaffeeprodukte kredenzen“, sagt der Unternehmer. Ohnehin werde die neue Kaffeerösterei über einen Außengastronomie-Bereich verfügen. Insgesamt sollen 30 Menschen auf einmal Platz finden. Auch Röstseminare seien in Vorbereitung.

Was gerösteten Kaffee von industriell hergestellten Produkten unterscheidet? „Unser Röstvorgang bei einer Temperatur von 200 Grad dauert 15 Minuten. In der Industrie werden die Bohnen in der Regel bei 800 Grad Celsius bedampft. Das dauert 90 Sekunden. Da kommt das Aroma nicht richtig zum Tragen“, erklärt Martin Hengst. „Wir wollen unsere Kunden also mit Geschmack und Qualität überzeugen.“

Aus fünf Kilo Bohnen werden beim Kaffeerösten vier

Übrigens ist die Kaffeerösterei in gewisser Hinsicht ein Verlustgeschäft: „In die Maschine passen fünf Kilogramm Bohnen hinein, aber nur vier Kilo kommen wieder heraus. Der Rest geht bei diesem Prozess verloren“, erzählt der 34-Jährige. Doch das Phänomen habe er bereits einkalkuliert. „Ich bin überzeugt, dass die Senftenberger und die Touristen unsere Getränke zu schätzen wissen.“ Perspektivisch sollen diese mit französischen Süßspeisen veredelt werden. „Ein neuer Genusstempel im Herzen unserer Stadt“, fügt Rebecca Bartsch an.