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| 17:56 Uhr

„Fliegende Werkstatt“ nimmt Kurs auf Amerika
Volle Windkraft voraus für Firma aus Ruhland

 Monteur Michael Schramm fühlt sich auf der „fliegenden Werkstatt“ für Rotorblätter fast wie zu Hause. Servicearbeiter einer polnischen Partnerfirma sind am Dienstag von ihm in Ruhland geschult worden.
Monteur Michael Schramm fühlt sich auf der „fliegenden Werkstatt“ für Rotorblätter fast wie zu Hause. Servicearbeiter einer polnischen Partnerfirma sind am Dienstag von ihm in Ruhland geschult worden. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Ruhland. Fliegende Werkstatt, Windgondel, Ufo, Fahrstuhl für Windräder - die Wortschöpfungen rund um die Erfindung des Ruhlander Startup-Unternehmens WP Systems sind bunt. Die Wartungsplattform ist schon am Polarkreis zum Einsatz gekommen. Von Andrea Budich

Den Kampf mit den Windmühlenflügeln haben sie für sich entschieden. Die beiden Don Quijotes der Windkraft, Ole Renner und Holger Müller, haben den Gegenwind in der Gründerzeit ausgehalten und sich samt ihrer verrückten Idee niemals umpusten lassen. Ihr junges und innovatives Start-up WP Systems ist nach dreieinhalb Jahren sicher am Markt platziert.

Mit ihren Ideen konnten sie im Vorjahr sogar einen polnischen Milliardär überzeugen und ihn mit in ihre geschlossene Wartungs-Gondel holen. „Fünf Millionen Euro hat er in unseren Laden reingebuttert“, sagt Geschäftsführer Ole Renner am Dienstag vor der Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nicht ohne Stolz.

 Der High-Tech-Lift hebt  für Schulungszwecke vom Boden ab. Am Turm einer Windkraftanlage aufgehängt, fädelt er sich von unten ins Rotorblatt ein, wird bis zum Leck hochgezogen und umschließt bei der Reparatur den Flügel. Damit kann ganzjährig am Rotorblatt gearbeitet werden – eine Revolution in der Windbranche.
Der High-Tech-Lift hebt  für Schulungszwecke vom Boden ab. Am Turm einer Windkraftanlage aufgehängt, fädelt er sich von unten ins Rotorblatt ein, wird bis zum Leck hochgezogen und umschließt bei der Reparatur den Flügel. Damit kann ganzjährig am Rotorblatt gearbeitet werden – eine Revolution in der Windbranche. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
 Der High-Tech-Lift hebt  für Schulungszwecke vom Boden ab. Am Turm einer Windkraftanlage aufgehängt, fädelt er sich von unten ins Rotorblatt ein, wird bis zum Leck hochgezogen und umschließt bei der Reparatur den Flügel. Damit kann ganzjährig am Rotorblatt gearbeitet werden – eine Revolution in der Windbranche.
Der High-Tech-Lift hebt  für Schulungszwecke vom Boden ab. Am Turm einer Windkraftanlage aufgehängt, fädelt er sich von unten ins Rotorblatt ein, wird bis zum Leck hochgezogen und umschließt bei der Reparatur den Flügel. Damit kann ganzjährig am Rotorblatt gearbeitet werden – eine Revolution in der Windbranche. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE

Die Wartungsplattform, die Reparaturarbeiten auch bei Wind, Regen, Kälte und Gluthitze in bis zu 180 Metern Höhe ermöglicht, wird nach dem Bau des Prototypen vor zwei Jahren inzwischen in Serie produziert. Die Produktionshalle platzt aus allen Nähten, je nach Auftragslage wird sogar zweischichtig gearbeitet.

Der Spezial-Maschinenbauer aus der beschaulichen Elsterstadt steht vor seinem bisher erfolgreichsten Geschäftsjahr. 15 Wartungsplattformen sollen 2019 vom Stapel laufen. Acht waren geplant. Die Kunden stammen aus Polen, Belgien, Rumänien, aus ganz Deutschland und Frankreich. Im Einsatz waren die Wartungskammern auch schon am Polarkreis in Nord-Schweden und Nord-Finnland.

International nimmt der Wind für WP Systems jetzt richtig Fahrt auf. Denn mit der Lösung, die auch bei Regen funktioniert, verdoppeln sich die möglichen Arbeitstage zur Wartung der Rotorblätter im Jahr. Es gibt Anfragen bis aus China. „Unser nächster Schritt wird aber Amerika sein“, bestätigt Ole Renner. In zwei Wochen fliegt er mit einer Delegation nach Chicago, um erste Kontakte zu vertiefen. Das Interesse von Service-Unternehmen aus Amerika an der Erfindung zur komfortableren Reparatur von großen Windanlagen ist jedenfalls riesig.

Getreu dem Motto: Einmal Erfinder, immer Erfinder, haben die zwei Startup-Gründer Holger Müller und Ole Renner natürlich noch einiges mehr in petto. Sie haben am Ruhlander Firmensitz inzwischen ein zweites Unternehmen namens „Structrepair“ gegründet. Ein neuer, extrem schnell aushärtender Werkstoff zum Flicken der Rotorblätter ist unter diesem Dach entwickelt worden. Das verabreichte Reparatur-Pflaster härtet am Rotorblatt damit nach nur 25 Minuten aus.

Parallel arbeiten die Ruhlander Ingenieure an einer Technik für den Rückbau von Windkraftanlagen. Ziel ist es, eine unbemannte Maschine zu ertüfteln, die umweltschonend und kosteneffizient Spannbetontürme von Windanlagen rückbaut. Bisher erfordert der Rückbau sechs bis acht Wochen Zeit. Eine Bauplattform muss dann mehrmals versetzt werden. Mit der neu zu entwickelnden Maschine soll sich das ändern: „Nachdem Rotoren und Gondel entfernt wurden, soll die Maschine am Kran hängend am oberen Turm-
ende angesetzt werden“, so Renner. Mit Kreissägen wird dann von außen ein Turmsegment nach dem anderen abgetrennt. Ein Prototyp der Maschine soll Ende des Jahres fertig werden.

Mit den Aufgaben ist auch die Mitarbeiter-Mannschaft in der Ruhlander Maschienenbau-Schmiede von ursprünglich fünf auf nunmehr knapp 50 angewachsen. Das Unternehmen will im Ruhlander Gewerbegebiet weiter wachsen. Eine Erweiterungsfläche neben dem Firmengelände haben sich die Erfinder bereits gesichert. Auf der Wiese gegenüber soll im nächsten Jahr eine zweite Produktionshalle gebaut werden.

 Monteur Michael Schramm fühlt sich auf der „fliegenden Werkstatt“ für Rotorblätter fast wie zu Hause. Servicearbeiter einer polnischen Partnerfirma sind am Dienstag von ihm in Ruhland geschult worden.
Monteur Michael Schramm fühlt sich auf der „fliegenden Werkstatt“ für Rotorblätter fast wie zu Hause. Servicearbeiter einer polnischen Partnerfirma sind am Dienstag von ihm in Ruhland geschult worden. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE