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Weihnachtsbaumsammlung
50 Tonnen Weihnachtsbäume für den Kompost

Keven Brannasch und Christian Töppen sind zehn Stunden am Tag unterwegs, um die ausgedienten Weihnachtsbäume in Lauchhammer und andernorts einzusammeln.
Keven Brannasch und Christian Töppen sind zehn Stunden am Tag unterwegs, um die ausgedienten Weihnachtsbäume in Lauchhammer und andernorts einzusammeln. FOTO: Josephine Japke / LR
Lauchhammer. Abfallentsorgungsverband „Schwarze Elster“ wird im Januar wieder zum Baum-Experten für ausrangierte Kiefern und Nordmanntannen. Bei der Tour durch Lauchhammer sind nicht alle Bäume befreit von Lametta, Kugeln und Ständer. Von Josephine Japke

Gewappnet mit Straßen-Liste, Stadt-Karte und Handschuhen machen sich Keven Brannasch und Christian Köppen von der IKR Richter Group im Auftrag des Abfallentsorgungsverbandes am Freitag, Punkt 6 Uhr morgens, auf den Weg, um das endgültige Ende der Weihnachtszeit einzuläuten.

„Wenn man am Tag Hunderte Weihnachtsbäume anfasst, kann man die Dinger irgendwann nicht mehr sehen“, sagt Umwelt-Bereichsleiter Keven Brannasch und gibt zu, dass sein eigener Baum aber noch geschmückt im Wohnzimmer steht. Auch Christian Köppen konnte sich noch nicht von dem guten Stück trennen. Bisher sei eben weder Lust noch Zeit dagewesen, um sich der trockenen Tanne zu widmen.

Kein Wunder: In neun Tagen fahren sie von Elsterwerda bis nach Großräschen, von Schipkau bis nach Ortrand. Zehn Stunden am Tag, im Schnitt 250 Kilometer weit. Allein in Lauchhammer haben sie dabei knapp drei Tonnen Weihnachtsbäume eingesammelt. Insgesamt werden etwa 50 Tonnen Bäume durch den Abfallentsorgungsverband „Schwarze Elster“ auf den Kompostieranlagen der Region verteilt.

„Wie viel Geldwert wir hier wohl durch die Gegend fahren, wenn jeder eingesammelte Baum mal 30 Euro gekostet hat?“, überlegt Keven Brannasch, während Kollege Christian Köppen wieder aus dem fast noch fahrenden Auto springt und zum nächsten Baum eilt. Wie die meisten heute ist der „nur“ 1,70 Meter hoch und hat durch seine Wasserverdunstung in den letzten Wochen schon einiges an Gewicht verloren. „Manchmal stellen Leute aber auch ihre frisch geschlagenen, sechs Meter hohen Tannen aus dem Garten dazu. Die wiegen dann einiges“, erklärt Christian Köppen.

Glücklich macht die beiden Männer allerdings eine andere Kleinigkeit: Es schneit nicht. „Wenn das der Fall wäre, wäre das die Hölle. Wir sind auch für den Winterdienst verantwortlich und müssten dann 3 Uhr nachts raus zum Streuen und könnten morgens gleich weitermachen mit den Bäumen“, sagt Keven Brannasch. Dabei sind die beiden Sammler auch so schon zehn Stunden am Tag unterwegs.

Auf ihrer Tour wird alles kompromisslos mitgenommen, auch Lametta, einzelne Kugeln oder Weihnachtsbaumständer. Hauptsache der Baum steht draußen. „Manchen Menschen fällt beim Frühstück auf, dass die Bäume der Nachbarn abgeholt wurden und ihrer noch brav im Keller steht. Dann müssen wir noch mal los um auch den letzten Baum einzusammeln“, erklärt Keven Brannasch. Das sei eben umständlich, weil die Termine lange vorher bekannt sind und ja auch niemand vergisst, seine Mülltonne pünktlich rauszustellen. Wem es doch passiert, der hat drei Tage Zeit seinen Baum nachträglich bei IKR Richter zu melden.

Nach fünf Stunden durch Lauchhammer-Süd und -West ist der Hänger dann voll. „Ein Lkw mit Außen-Trittbrett und größerem Fassungsvermögen wäre schon praktisch, aber das lohnt sich für einmal im Jahr einfach nicht“, meint Keven Brannasch. So müssen sie mit ihrem Hänger eben drei- bis viermal am Tag zum Recyclinghof Wolfsberge der Firma Rubin nahe Lauchhammer fahren und ihn ausladen.

Während Keven Brannasch und Christian Köppen längst schon wieder unterwegs sind, wird den vertrockneten Bäumen auf dem Recyclinghof neues Leben eingehaucht. „Die Bäume werden erst geschreddert und dann mit Klärschlamm gemischt. Das ganze wird dann wie ein normaler Komposthaufen, nur in riesig, immer wieder umgedreht und versetzt“, erklärt Rubin-Mitarbeiter Sven Niedrich. Nach drei Monaten entsteht dann fertiger Kompost, der mit Muttererde vermischt guter Dünger ist. So gut sogar, dass mit seiner Hilfe irgendwo wieder ein neuer Weihnachtsbaum wachsen kann.