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| 12:09 Uhr

Einwohnerentwicklung
Viele Kinder sorgen für Schwung in OSL

Hochbetrieb herrscht im Speiseraum der Kita „Horthaus“ in Senftenberg. Über Nachwuchsmangel kann sich die Einrichtung nicht beklagen. Die Kapazität musste aufgrund der hohen Nachfrage bereits erhöht werden. Derzeit werden im „Horthaus“ 230 Kinder betreut.
Hochbetrieb herrscht im Speiseraum der Kita „Horthaus“ in Senftenberg. Über Nachwuchsmangel kann sich die Einrichtung nicht beklagen. Die Kapazität musste aufgrund der hohen Nachfrage bereits erhöht werden. Derzeit werden im „Horthaus“ 230 Kinder betreut. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Die Zeit des großen Einwohnerschwunds im OSL-Kreis ist vorbei. In den Städten und Gemeinden zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen präsentieren sich die Zahlen wieder relativ stabil. Von Torsten Richter-Zippack

Der OSL-Kreis hat innerhalb von rund 25 Jahren ein Drittel seiner Einwohner verloren. Lebten Ende 1993 noch rund 160 000 Einwohner zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen, waren es zehn Jahre später gut 136 000 Menschen, ein weiteres Jahrzehnt danach lediglich noch 114 000. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 zählte der OSL-Kreis knapp 112 000 Bewohner. Die Zahlen für 2017 liegen laut Kreissprecherin Sarah Werner bislang nicht vor.

Doch seit fünf Jahren scheinen sie sich zu stabilisieren. Von Ende 2013 bis Ende 2016 reduzierte sich die Einwohnerzahl lediglich um 1880 Menschen. Warum das so ist, erklärt Sarah Werner wie folgt: „Seit einiger Zeit ist ein verstärkter Trend zum Zurückkehren zu beobachten. Dazu tragen auch Veranstaltungen wie der Rückkehrertag des Regionalen Wachstumskerns Lausitz bei.“ Jeweils einmal im Jahr wird ehemaligen Einwohnern, die jetzt in der Ferne leben, vor allem mittels attraktiver Jobangebote die Rückkehr schmackhaft gemacht. Nicht zuletzt sei der prognostizierte Geburtenrückgang des Statistischen Bundesamtes im Landkreis bisher so nicht eingetroffen. „Auch die teils hohe Nachfrage nach Bauland zeigt, dass gerade junge Menschen gern im Kreis heimisch werden“, kommentiert Sarah Werner.

Beispielsweise in Großräschen: Besonders junge Familien zieht es in die IBA-Stadt. Im Jahr 2017 wurden dort laut Sprecherin Kati Kiesel 66 Babys geboren, etwa genauso viele wie zwölf Monate zuvor. „Besonders viel Zuzug gab es 2017 in Wormlage. Auch die Kernstadt wird stark nachgefragt“, sagt Kiesel. Klar, dass sich besonders die seenahe Siedlung „Alma“ großer Beliebtheit erfreut. So ist es nicht verwunderlich, dass bereits zu Pfingsten der Baustart für die nächste Siedlung „Hafenblick“ erfolgt. Ebenfalls begehrt seien Bauplätze im Wohngebiet am Hugoschacht im Großräschener Norden. Nicht zuletzt trage das städtische Baukindergeld zu mehr Nachwuchs bei. Im Jahr 2017 habe es 48 Anträge aus dem gesamten Stadtgebiet gegeben. Familien, die in der Stadt Wohneigentum erwerben oder beziehen, können für jedes Kind 500 Euro kassieren. Das zahlt sich aus: Erstmals seit drei Jahren steigt die Zahl der Bürger wieder leicht. Allein von Ende 2016 bis Ende 2017 gibt es ein Plus von 118 Einwohnern.

Auch in Schipkau bietet sich ein ähnliches Bild. In vier der sechs Ortsteile gab es im vergangenen Jahr Zuwächse. Spitzenreiter ist Annahütte. Dort werden 35 Einwohner mehr registriert als noch vor zwölf Monaten. Derzeit leben 1153 Menschen im einstigen Glasarbeiterort. Aber: Zu Beginn der 1980er-Jahre zählte Annahütte fast 2000 Bewohner, 1925 waren es sogar über 3200. Ebenfalls über Einwohnerzuwächse können sich die Drochower (plus sieben), die Meuroer (plus drei) und die Schipkauer (plus zwei) freuen. Lediglich in Hörlitz und Klettwitz sanken die Zahlen ganz geringfügig. Die Einwohnerstabilisierung führt der Schipkauer Bauamtsleiter Martin Konzag unter anderem auf Investitionen in die Familienfreundlichkeit der Ortsteile zurück: „Sämtliche Kitas und Schulen sind inzwischen grundhaft saniert oder wurden gänzlich neu errichtet.“ Eine besondere Aktion pro Einwohnerschaft sei darüber hinaus die Durchsetzung des Windparkbonus von 80 Euro pro Jahr für alle Einwohner der Gemeinde.

Auch in Senftenberg präsentieren sich die Einwohnerzahlen stabil. Zählte die Kernstadt Ende 2016 genau 17 909 Personen, waren es Silvester 2017 glatt 17 910 Menschen. Der Ortsteil Brieske hat allerdings im gleichen Zeitraum 114 Menschen verloren. Ein Grund bildet der Wegzug von Ausländern. Ende 2016 lebten dort noch 86 Nichtdeutsche, ein Jahr später lediglich 21. In der gesamten Stadt Senftenberg wohnen aktuell rund 25 000 Menschen.

Die Städte Schwarzheide und Lauchhammer melden ebenfalls relativ konstante Einwohnerzahlen. Schwarzheide hat knapp 5700 Einwohner (2016: 5711), Lauchhammer 15 053 (2016: 14 791).

Auch im ländlich geprägten Süden des OSL-Kreises fallen die Einwohnerzahlen nicht mehr ins Bodenlose. Mehrere Familien, die in den Dörfern neu bauen, werden in die Gemeinschaften integriert. Im Vergleich 2016/2017 verweist das Amt Ruhland auf ein Minus von lediglich 40 Einwohnern, davon 33 in der namensgebenden Stadt. Das Amt Ortrand hat seit dem Jahr 2013 insgesamt nur 116 Einwohner verloren.